Sorgte vor zwei Jahren für Zoff an der Osterstraße: Autofahrer parken ihre Wagen auf Radstreifen, Radler müssen in den Verkehr ausweichen. Mittlerweile gibt es zwar verstärkt Kontrollen, dennoch fühlen sich Fahrradfahrer häufig nicht sicher. Foto: archiv/cv
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Kay Gätgens hatte lange angekündigt, den Umbau der Osterstraße untersuchen zu lassen: „Die Evaluation war mir ein Herzensanliegen, um die teilweise emotionale Debatte zu versachlichen“, sagte der Bezirksamtsleiter. Passanten und Gewerbetreibende waren über ihre Meinung zur Situation der Einkaufsstraße befragt worden, außerdem gab es eine Online-Beteiligung. Gleichzeitig wurden Verkehrszählungen durchgeführt und Unfallstatistiken ausgewertet. Letztere weist ein erfreuliches Ergebnis auf: Die Zahl der Unfälle ist nach dem Umbau der Osterstraße von 117 nahezu um die Hälfte auf 60 pro Jahr gesunken.

Weitere Ergebnisse der Befragung: Am meisten profitieren die Passanten von den breiteren Fußwegen. 76 Prozent bewerten die Baumaßnahme als Verbesserung für Fußgänger. Ein anderes Bild ergab die Befragung der Radfahrer: 41 Prozent sehen eine Verbesserung, 45 Prozent eher eine Verschlechterung.

Überraschend: Das von Autofahrern befürchtete Parkplatzchaos nach dem Wegfall von 110 Stellplätzen ist nicht eingetreten. Trotz der Halbierung der Parkplätze wird das Parkhaus bei Karstadt wenig genutzt. Der Autoverkehr in der Osterstraße ist zurückgegangen. „Warum, können wir nicht sagen“, so Gätgens. Fest steht, dass die verstärkten Kontrollen von Falschparkern Wirkung zeigen.

Nur noch 13 Prozent kommen mit dem Auto zum Einkaufen, 34 Prozent nehmen das Rad, 13 Prozent die U-Bahn oder den Bus und die Mehrheit von 38 Prozent kommt zu Fuß. „Das ist eine höhere Quote als üblicherweise im Bundesgebiet“, so Gätgens. Der hohe Anteil der Fußgänger und Radfahrer zeigt, dass die Osterstraße für die Nachbarschaft weiterhin die wichtigste Einkaufsmöglichkeit ist. 60 Prozent aller Befragten kaufen dort mehrmals in der Woche ein.

Kein aussagekräftiges Bild ergab die Befragung der Geschäftsleute. Von 200 Fragebögen, die verschickt worden waren, kamen nur 35 ausgefüllt zurück. Wichtigster Kritikpunkt sind Schwierigkeiten bei der Anlieferung.

Der Überprüfungsbericht wurde im Mobiltätssausschuss der Bezirksversammlung vorgestellt. Robert Klein von den Grünen, die in der Bezirksversammlung die stärkste Fraktion stellen, sieht insgesamt eine „deutlich gestiegene Akzeptanz der Bevölkerung für dieses Bauvorhaben“. Klein weiter: „Eine weitere Reduzierung des Autoverkehrs in der Osterstraße zu Gunsten des stark gestiegenen Fahrradverkehrs scheint allerdings dringend erforderlich zu sein.“

Lisa Kern, die grüne Fraktionsvorsitzende, formulierte eine Aufforderung an die Verwaltung, die nach der gescheiterten Abwahl von Gätgens weiterhin von einem SPD-Politiker geführt wird. Kern sagte: „Jetzt heißt es aber, sich nicht auf diesem Ergebnis auszuruhen, sondern die Situation, die insbesondere für den Radverkehr noch nicht optimiert ist, weiter zu verbessern und das Radfahren entlang der Osterstraße sicher zu gestalten.“

So kontrovers diskutierte Eimsbüttel
Im November 2017 wurde die umgebaute Einkaufsmeile eingeweiht

Der Umbau der Osterstraße wurde vor zwei Jahren kontrovers diskutiert (das Elbe Wochenblatt berichtete). Autofahrer und Geschäftsleute klagten darüber, dass Parkplätze vernichtet wurden. Radfahrer ärgerten sich darüber, dass Autos und Lieferwagen die Radstreifen zuparken. Fußgänger schimpften darüber, dass Radfahrer auf den Gehwegen an ihnen vorbeibrettern. „Die meisten Menschen werden ihre Auto nicht gegen ein Fahrrad tauschen“, prophezeite ein Leser, der nicht recht behalten sollte.

Zwischen 2015 und 2017 war die zentrale Einkaufsstraße Eimsbüttels auf 1,3 Kilometern Länge komplett umgestaltet worden. Die Radwege wurden auf die Straße verlegt, die Fußwege breiter gestaltet, die Straße erneuert, zwei Minikreisverkehre sind am Heußweg und an der Methfesselstraße entstanden. Zudem sind neue Mülleimer, Bänke und hunderte Fahrradbügel aufgestellt worden. Gesamtkosten: acht Millionen Euro.
Im Vorfeld der Bauarbeiten hatte es eine Bürgerbeteiligung gegeben. Laut Bezirksamtleiter Kay Gätgens sei ein Großteil der geäußerten Wünsche von Anwohnern und Gewerbetreibenden berücksichtigt worden. cv

1 KOMMENTAR

  1. „Kay Gätgens hatte lange angekündigt, den Umbau der Osterstraße untersuchen zu lassen: „Die Evaluation war mir ein Herzensanliegen, um die teilweise emotionale Debatte zu versachlichen“, sagte der Bezirksamtsleiter. “

    Die Evaluation ist super, aber warum muß Herr Gätsgens so überheblich sein und eine emotionale Debatte geißeln.
    Es gibt Probleme in der Osterstr., das sind z.B. Falschparker auf den Radschutzstreifen und der fehlende Abstand der Autos beim Überholen von Radfahrern (muss gem. Rechtssprechung 1,50m betragen). Das wird doch wohl gesagt werden dürfen ohne das Herr Gätgens beleidigt reagiert.
    Der Überwachungsdruck seitens der Polizei auf Falschparker muss erhöht werden und die Schutzstreifen könnten z.B. verbreitert werden. Das müssen sich die relevanten Behörden genau anschauen. Für infantile Reaktionen eines SPD Bezirksamtleiters gibt es keine Notwendigkeit.

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