Der Werftbetreiber mit einem neuen Euro-Fünf-Dieselmotor für ein Segelschiff – Stückpreis: 12.000 Euro. „Das Getriebe muss teilzerlegt werden, sonst kriegen wir es nicht in den Maschinenraum“, sagt Broertjes . Foto: CVS
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Weltreisen im Trend: Bootsbauer Björn Broertjes hat gut gefüllte
Auftragsbücher – ein Artikel aus dem aktuellen Binnenhafen Magazin

Christopher v. Savigny, Harburg.
Wenn es um Schiffe geht, scheint die Liebe ein populärer Namensgeber zu sein: „Amor“ heißt der betagte Kahn, der – ein wenig angerostet und reparaturbedürftig– im Hafenbecken von „Seemann’s Pier“ vor sich hindümpelt. Ein paar Meter daneben schwimmt die Barkasse „Cupido“ (ebenfalls eine Bezeichnung für den römischen Liebesgott). Nur: An der entsprechend „erotischen“ Ausstrahlung fehlt es den beiden einst sicher recht schmucken Booten noch. „Die Cupido braucht ein Refit“, erklärt Björn Broertjes (56), ein breitschultriger Holländer, der zusammen mit seiner Frau einen kleinen Liegeplatz mit Werft im Harburger Binnenhafen betreibt.
„Refit“: So sagt man im Werft-Jargon, wenn das Wasserfahrzeug eine Generalüberholung benötigt. In diesem Fall: neue Beplankung, neue Segelmasten, neue Außenverkleidung, neue Inneneinrichtung – eigentlich alles. Bis auf den Motor, sagt Broertjes. „Ein Schiffsmotor hält ewig, auf den kann man sich immer verlassen.“ Rund 100.000 Euro müsse der Eigentümer der „Cupido“ investieren. „Viele Kunden lassen so etwas machen, bevor sie auf Weltreise gehen“, erzählt der Bootsbauer. Auf Weltreise gehen ist gerade schwer angesagt. Björn Broertjes hat drei Mitarbeiter. Und immer zu tun.
„Boats & Bikes“ heißt seine Firma – wobei man den zweiten Teil des Namens inzwischen getrost streichen kann. Denn mit Motorrädern hat der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbauer kaum noch zu tun. Das war mal ganz anders: Früher konstruierte er preisgekrönte Custom Bikes und fuhr Dragsterrennen. Mehrfach belegte er Spitzenplätze bei nationalen und internationalen Meisterschaften. 400 PS unter dem Hintern, ein paar hundert Meter Strecke – und schon nach wenigen Sekunden war man im Ziel. „Reich kann man damit nicht werden, aber zum täglichen Leben was es okay“, berichtet der Holländer. „Für uns war es eigentlich ein Hobby.“

Und schwupps – schon hat man ein Loch im Bug
Bootsbauer
Björn Broertjes

Später überführte er Yachten nach Übersee. Nervenkitzel inklusive: „Wir waren immer vier Mann pro Boot, zwei auf Deck, zwei haben Pause gemacht. Sonst wurde es zu gefährlich. Wir haben das ausprobiert: Geht einer über Bord, ist es praktisch unmöglich, ihn wiederzufinden.“
Broertjes’ Arbeitskleidung ist der klassische Blaumann. „Einen Hafenmeister wie aus dem Prospekt, mit weißer Hose und weißem Hemd, den wird man hier nicht finden“, sagt er. Weil er eben hauptsächlich Handwerker sei und nur zu einem ganz kleinen Teil Liegeplatzvermieter. Etliche nicht mehr ganz seetüchtige Schiffe liegen auf seinem Hof im Trockendock. Ein großer Katamaran (Grundfläche: rund acht mal zwölf Meter) soll Solarpanele bekommen.
Unter einer Plane wartet das knapp 20 Meter lange Segelboot „Nanouk“ auf fleißige Schiffsbauerhände. Zwei Extra-Kollisionsschotts sollen eingebaut werden. Verlorene Container, sagt Broertjes, seien ein großes Problem auf den Weltmeeren. „Man sieht sie nicht, und schwupps – schon hat man ein Loch im Bug und säuft ab.“ Die „Nanouk“ gehöre einem „ganz verrückten“ Österreicher, der im Urlaub nach Grönland segle, um dort skizulaufen. Ein neues Bugstrahlruder müsse auch noch her. Und eine Winde für das Beiboot. Denn in Grönland gebe es kaum Häfen. „Anlegen können Sie dort fast gar nicht!“, berichtet der Werfteigner.
In Broertjes’ Werkstatt, einem alten Holzschuppen, türmen sich Schiffs- und Motorradteile. Tausende von Werkzeugen („Davon kann man als Bootsbauer nie genug haben“) lagern in Schränken und Schubladen. „Wir sind bis nach Weihnachten ausgebucht“, berichtet er. Für kleinere Reparaturen – zum Beispiel ein Defekt am Außenbordmotor – nehme er sich aber auch zwischendurch gerne die Zeit.

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