Schwimmender Arbeitsplatz: Daniela Scherbring in ihrem Büro im Binnenhafen. Foto: cvs
Anzeige


Die „Mathilde“ – beziehungsweise „Tiger-Tilde“, wie sie inzwischen heißt – ist eine umgebaute, ehemalige Hamburger Hafenbarkasse.
Foto: cvs

Daniela Scherbring betreibt eine schwimmende Agentur unweit der Binnenhafen-Schleuse – ein Artikel aus dem aktuellen Binnenhafen Magazin

Christopher von Savigny, Harburg.
Daniela Scherbring hat einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz: Unter ihren Füßen plätschert das Wasser des Harburger Binnenhafens, der Blick aus einem der handgefertigten Fenster mit Holzrahmen fällt auf schaukelnde Boote. Nicht nur ein ungewöhnlicher, sondern auch ein toller Arbeitsplatz, betont die 50-Jährige. „Ich arbeite viel, so um die zehn Stunden pro Tag“, sagt sie. „Aber oft sitze ich auch nachts hier, weil es so schön ruhig ist.“
Vor rund neun Jahren haben die studierte Betriebswissenschaftlerin und ihr Mann, der Werftbetreiber Björn Broertjes, ihr schönes Altbau-Zuhause in Eppendorf mit einer früheren Hafenmeisterwohnung im Harburger Hafenbezirk – unweit der Binnenhafenschleuse – getauscht. Ein Umzug, der der PR-Frau Scherbring („agenturimboot“) nicht leicht gefallen ist. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, erzählt sie. „Ich liebe die Stadt und die Gegend um die Isestraße herum. Dort hat man alles Wichtige direkt vor der Nase. Auf der anderen Seite: Hier ist viel mehr Freiheit möglich. Alles ist spontaner, persönlicher – der Nachbar kommt auch mal einfach so aufn Kaffee vorbei. Ein gewisses Urlaubsgefühl ist immer vorhanden.“
Einen sicherlich nicht unerheblichen Teil daran macht die „Mathilde“ aus, eine umgebaute, ehemalige Hamburger Hafenbarkasse, die mit großem handwerklichen Geschick zum Büro von Daniela Scherbring umfunktioniert wurde. Im Jahr 2010 hatten sie und ihr Mann den alten Kahn (Baujahr 1921) über Ebay-Kleinanzeigen im 200 Kilometer entfernten Wittenberge entdeckt, wo er zuletzt als Fähre gedient hatte. Für 8.000 Euro wechselte das marode Wasserfahrzeug den Besitzer. Die Überführung nach Hamburg – ein einziges Abenteuer: „Das Schiff war voller Spinnen, nach drei Kilometern kochte der Motor“, berichtet sie. „Aber mit ausreichend Ankerbier haben wir das irgendwie überstanden.“
Zuhause angekommen, schraubten die Eheleute zunächst das Namenschild der „Mathilde“ ab – und fanden darunter die Bezeichnung „Tiger“. Scherbring und Broertjes machten daraus die Zusammensetzung „Tiger-Tilde“: Einerseits ein gefährliches Raubtier, andererseits ein gemütliches und verlässlichen Zuhause – ungefähr so klingt der Name jetzt. In mühevoller Arbeit wurden neue Eichenplanken eingezogen, eine Kombüse installiert und ein Schreibtisch gebaut, den man per Handgriff als Bett umfunktionieren kann. Als Heizung dient ein Bundeswehr-Ofen, der mit Öl befeuert wird. Das Schiff sei ein „Eurograb“, sagt Scherbring. Etwa 70.000 Euro haben die beiden in ihre „Tiger-Tilde“ gesteckt – bisher. „Denn wenn man ein Schiff gern hat, dann ist es eigentlich nie fertig“, findet sie.

Das Schiff war
voller Spinnen, nach drei Kilometern
kochte der Motor. Aber mit ausreichend Ankerbier haben
wir das irgendwie
überstanden
Daniela Scherbring zur
Überfahrt der Ex-Barkasse

Drittes Familienmitglied ist „Seemann“, ein achtjähriger Magyar-Viszla- und Deutsch-Kurzhaar-Mischling. Der dunkelbraune Vierbeiner ist ein guter Wachhund (was auch an den Genen liegt), verbellt zuverlässig ungebetene Gäste, die sich zum Beispiel nachts im Hafen herumtreiben, und macht ansonsten einen ausnehmend freundlichen Eindruck. Seemann ist – passend zu seinem Namen – überaus seefest, läuft problemlos auf schwankenden Planken umher und fährt sogar gerne Boot. Das Hafenbecken, das Scherbring und ihr Mann gepachtet haben, ist nach ihm benannt: „Seemann’s Pier“. Knapp 40 Liegeplätze stehen hier zur Verfügung, sie werden an Segler und Yachtbesitzer vermietet. Freie Plätze sind rar: „Wir sind eigentlich immer ausgebucht“, berichtet Scherbring.
Am liebsten würden die PR-Lady und ihr Mann auf Dauer im Binnenhafen bleiben, doch die Pacht – der Vertrag läuft noch bis 2037 – verteuert sich alle paar Jahre um 25 Prozent. Die Voraussetzungen könnten besser sein, findet Scherbring. „Der Wunsch des Bezirksamts ist es ja, dass die Hafenanlagen erhalten bleiben, aber dann muss man auch die Grundlagen dafür schaffen“, sagt sie.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here