Mietervereinschef Siegmund Chychla. Foto: Reinhard Schwarz/stahlpress

Reinhard Schwarz, Hamburg-West

Einmal im Jahr flattert Mietern die Betriebskostenabrechnung ins Haus – nicht selten verbunden mit einer saftigen Nachforderung. Jede zweite Abrechnung der Nebenkosten sei aber fehlerhaft, schätzt der Deutsche Mieterbund. Die Betroffenen sollten ihre Abrechnungen daher unbedingt prüfen, rät Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. „Nur Betroffene, die sich rechtzeitig wehren, erhalten das Geld. Nach der geltenden Rechtsprechung verliert jeder Mieter seine Ansprüche, wenn er die Betriebskostenabrechnung nicht innerhalb von zwölf Monaten beanstandet.“

Dass es aber auch von Vorteil sein kann, wenn Hauseigentümer die Erstellung der Jahresabrechnung verschlampen, zeigt ein Fall aus Blankenese. Hier hatte es eine Vermieterin in der Simrockstraße fünf Jahre lang versäumt, eine Aufstellung der Betriebskosten zu verschicken. Nach ihrem Auszug forderte ein Mieter-Ehepaar die Rückerstattung aller im Voraus geleisteten Zahlungen. Erst daraufhin reagierte die Vermieterin und erstellte eine Abrechnung mit dem Ergebnis, dass das Ehepaar 7.103 Euro zurück erhielt. „Eine Nachzahlung hätten die Mieter nicht begleichen müssen, denn diese verjährt, wenn der Vermieter keine Abrechnung innerhalb eines Jahres nach Ablauf des Abrechnungszeitraums schickt“, stellt der Mieterverein klar.

Solche Fälle sind wohl eher selten. Im Fall von Cevdet Koblaz, der seit 1975 in einem Hochhaus in der Großen Bergstraße lebt, war es genau das Gegenteil. Brav zahlte er Jahr für Jahr Nachforderungen in Höhe von 80 bis 90 Euro. Doch seit dem Tod seiner Frau vor neun Jahren wurde der Rentner plötzlich mit Nachzahlungsforderungen zwischen 600 und 700 Euro konfrontiert. Er hielt diese Kosten für überhöht und verweigerte die Zahlung. Bei einer genauen Prüfung durch Paul-Hendrik Mann, Anwalt beim Mieterverein, stellte sich heraus, dass Koblaz auch mit Kosten belastet wurde, die allein die Gewerbemieter im Hause wie etwa Geschäfte und Einkaufsmärkte zu tragen hatten. „Dazu gehörte beispielsweise auch die Grundsteuer für Gewerbetreibende. Die ist nämlich höher als die von Wohnungsmietern“, erläutert Jurist Mann.

Jährlich entstünden allein in Hamburg den Betroffenen 20 Millionen Euro zusätzliche Kosten durch fehlerhafte Abrechnungen, schätzt der Mieterverein.

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