Nach dem gescheiterten Versuch, Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) aus dem Amt zu drängen, umarmten ihn die Genossen.

REINHARD SCHWARZ, EIMSBÜTTEL

Der Katja Husen zugedachte Blumenstrauß landete unbeachtet auf dem Fußboden. Er sollte der neu gewählten grünen Bezirksamtsleiterin überreicht werden. Doch es kam anders. Drei Abgeordnete versagten der grün-schwarzen Kandidatin ihre Stimme, das reichte nicht, um den amtierenden Verwaltungschef, Kay Gätgens (SPD), abzulösen. Ein Schock für Grüne und CDU. „Ihr Lieben: Es hat nicht gereicht“, twitterte Husen.
Es dauerte einige Zeit bei den überraschten SPD-Anhängern, bis ihnen dämmerte, dass die Abwahl von Gätgens missglückt war.

Dann aber gab es kein Halten mehr im großen Saal des Bezirksamts Viele stürmten nach vorne, um Gätgens zu gratulieren. Dieser schien noch eine zeitlang neben sich zu stehen, blickte wie betäubt ins Nichts. Dann hatte er sich wieder gefangen, den Tränen nahe. Fassungs- und Sprachlosigkeit hingegen bei den Abgeordneten und Anhängern von Grünen und CDU. Ihre Kandidatin war durchgefallen. Kurz nach der Abstimmung verließ Katja Husen mit Freunden den zwölften Stock des Hochhauses am Grindelberg 66.

Nachdem CDU und Grüne sich nach der Bezirkswahl auf eine Koalition geeinigt hatten, wollten sie Gätgens ablösen und Katja Husen wählen. Das sollte am vergangenen Donnerstag gleich zu Beginn der Bezirksversammlung geschehen. Grüne und CDU hatten eine rechnerische Mehrheit von 28 Mandaten. Zur Abwahl von Gätgens hätten 26 Stimmen gereicht, doch Husen erhielt nur 25. Ein Debakel für die grün-schwarze Koalition in Eimsbüttel.

Anschließend kursierten gegenseitige Schuldzuweisungen. Mittlerweile hat man sich bei Grün-Schwarz wieder gefangen und schaut nach vorne. „Faktisch haben drei grün-schwarze Abgeordnete nicht für Frau Husen gestimmt“, erklärt Ali Mir Agha, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Fraktion. „Weitere Spekulationen warum diese drei Stimmen fehlen, bringen weder Grün noch Schwarz nach vorn.“
Auch bei der CDU will man trotz des unglücklichen Starts die gemeinsame Arbeit fortsetzen, betont Rüdiger Kuhn, Fraktionschef der CDU: „Es hat sich im weiteren Verlauf der Sitzung gezeigt, dass unsere Mehrheit in der Bezirksversammlung weiterhin stabil ist. Es gibt keinen Grund zu sagen, die Zusammenarbeit ist wegen der gescheiterten Wahl von Frau Husen beendet.“

Gabor Gottlieb, Fraktionschef der SPD, sagte: „Erstmal geht die Sacharbeit weiter. Abgesehen davon ist das keine so ungewöhnliche Situation, ähnliche Konstellationen gibt es in vielen Städten und Gemeinden. Herr Gätgens wird selbstverständlich die Beschlüsse umsetzen mit seiner Fachexpertise.“
Die Abwahl des Bezirksamtsleiters ist indes noch nicht vom Tisch. CDU und Grüne wollen einen zweiten Wahlgang – die Frage ist nur, ob Katja Husen zu einer erneuten Kandidatur bereit ist. Kay Gätgens ist wieder im Amtsmodus, er stand am heutigen Mittwoch Journalisten Rede und Antwort. Thema war das Ergebnis einer Befragung von Bürgern zu den Umbaumaßnahmen an der Osterstraße.

2 KOMMENTARE

  1. Liebe Sozis,

    Nicht zu früh jubeln, am 19.12. wird Frau Husen dann gewählt. Ist zwar etwas unangenehm, aber besser etwas später als nie.
    Wäre ja auch bekloppt, wenn ein SPD Bezirksamtsleiter grün-schwarze Politik umsetzen sollte. Nur zur Info, Herr Gätgens ist ein SPD Apparatschik, der seit langem in der SPD tätig ist.

  2. Ich habe der Wahl beigewohnt und es war schon peinlich wie Herr Gätgens sich selbst gelobhudelt hat.
    Was hat denn die SPD gemacht, als sie 2011 die absolute Mehrheit errungen hat? Sie hat alle Bezirksamtsleiter ausgetauscht, sofern sie nicht eh schon SPDler waren und nun weinen sie dicke Krokodilstränen.

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