Regine Seemann, Schulleiterin der „Schule An der Burgweide“ in Kirchdorf Süd, steht vor dem Eingang zu ihrem Büro. In der Hand hält sie zwei Urkunden von Preisen, die ihre Schule in diesem Jahr für Integration und Inklusion gewonnen hat. Foto: pr

Sebastian Grundke, Wilhelmsburg.
Die Grundschule „An der Burgweide“ ist anders als andere Grundschulen. Sechs Jahre lang wird hier in inklusiven jahrgangsübergreifenden Klassen gemeinsam gelernt. Auch in diesem Jahr wurde die Schule mit Preisen für Integration und Inklusion ausgezeichnet. Und doch ist für Schulleiterin Regine Seemann die Schulwelt hier in Kirchdorf-Süd keineswegs in Ordnung – wie das folgende Interview zeigt.

Sie haben mit Ihrer Schule schon wieder Preise gewonnen. Was machen Sie besser oder anders als andere Schulen? Wir sind die einzige Schule hier auf der Elbinsel in Wilhelmsburg, die auch Kinder mit Förderbedarf bei der geistigen Ent-
wicklung hat. Wir haben also viele Kinder mit speziellem Förderbedarf, die bei uns gemeinsam mit anderen Schülern, mit normalen Regelschülern, lernen. Was immer normal in dem Zusammenhang auch bedeutet. Wir unterstützen die Vielfalt noch, indem wir zum Beispiel auch jahrgangsübergreifend arbeiten. Da sind wir auch die einzige Schule hier, die das macht. Wir haben also eine Jahrgangsmischung von Stufe eins bis drei. Die Kleinen lernen also gemeinsam. Und auch die Schüler der Stufen vier bis sechs lernen gemeinsam.

Was bewirkt die Mischung beim Alter? Das soziale Klima in den Klassen oder Lerngruppen – so nennen wir das hier – ist bei uns sehr gut. In den Gruppen gibt es natürlich Kinder, die schneller oder langsamer lernen als andere. Aber durch die Altersmischung fällt es nicht so sehr auf, wenn ein Kind langsamer lernt. Weil auch Kinder in seiner Lerngruppe aus unteren Klassenstufen sind, die auf seinem Niveau sind. Dadurch gibt es weniger Konkurrenz und ein besseres soziales Klima.

In diesem Halbjahr haben Sie rund 15.000 Euro an Preisgeldern eingesammelt. Wie viel Geld müssten die Preise bringen, wenn es nach Ihnen ginge? Hier ist ein Hortgebäude auf dem Schulgelände, das seit sechs Jahren leersteht. Die Förderschule nebenan steht seit zwei Jahren auch komplett leer. Wir hätten gerne, dass zumindest das Hortgebäude renoviert wird. Wenn wir jetzt zum Beispiel den Deutschen Schulpreis gewinnen würden, der mit 100.000 Euro dotiert ist, dann könnte man mit dem Geld den Hort flottmachen. Aber mit dem Geld, das wir bisher gewonnen haben, können wir auch schon einiges verbessern oder schöner machen.

Und weshalb stehen die Gebäude leer? Ich weiß es nicht. Unser Wunsch ist es, bis zur zehnten Klasse quasi hochzuwachsen. Das wird aber nicht genehmigt, weil nicht klar ist, ob wir in Wilhelmsburg genügend Schülerinnen und Schüler haben, um eine weitere Stadtteilschule auszulasten. Dann könnten wir unsere Schülerinnen und Schüler, auch die mit speziellem sonderpädagogischen Förderbedarf, bis zu ihrem Schulabschluss behalten. Und sie müssten sich nach der Klassenstufe sechs keine neue Schule suchen.

Ihre Schüler würden Sie also gerne bis zur zehnten Klasse halten, in den Räumen der ehemaligen Förderschule zum Beispiel? Genau. Wir haben auch eine entsprechende Stellungnahme zum Schulentwicklungsplan dazu abgegeben. Aber diese wurde abgelehnt. Stattdessen verfallen die Gebäude. Wir wissen nicht einmal, ob die nicht doch irgendwann abgerissen werden. Wir sind in die Pläne leider nicht eingeweiht.

Ist es üblich, dass die Schulbehörde sich da nicht in die Karten schauen lässt? Es ist natürlich so, dass die Kommunikation mit der Behörde da ist. Aber es wird eben gesagt, dass hier wegen der Schülerzahlen keine neue Stadtteilschule gebraucht wird. Es geht rein nach den Zahlen. Das ist in diesem Fall so.

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