Neben dem Harburger Mercedes-Benz Werk soll ein Logistikzentrum entstehen, das durch einen Investor errichtet und dann von Mercedes angemietet wird. Foto: daimler.com

Von Andreas Göhring, Hamburg-Süd.

Mercedes-Benz setzt auf Elektroautos. Wichtige Teile sollen am Standort
Bostelbek verbaut werden. Dafür werden weitere Flächen benötigt – das 1935 gegründete Werk im Hamburger Süden muss erweitert werden.
Das Problem: In Bostelbek kommt dafür nur noch eine Fläche in Frage. Sie ist rund 21 Hektar groß, liegt nordwestlich des Werksgeländes zwischen den Gleisen der Hafenbahn, dem Fürstenmoordamm und der A7. Bei dem Areal handelt es sich um ökologisch höchst wertvolle Niedermoorböden. Sie sind Lebensraum für eine Reihe von stark gefährdeten Tierarten.
Andererseits soll alles getan werden, um die aktuell rund 2.700 Arbeitsplätze zu erhalten. Das Werk spielt im Verbund aller Mercedes-Werke eine herausragende Rolle. In Bostelbek werden Achsen, Lenksäulen, Leichtbauteile und Komponenten für die Abgastechnologie produziert, vor allem aber Teile für Elektroautos. In jedem Pkw der Marke Mercedes-Benz wird mindestens ein Produkt aus dem Werk in Bostelbek verbaut.
Das Werk braucht dafür im Jahr rund 470.000 Tonnen Rohmaterial, und das muss auch in Zukunft angeliefert, gelagert und zum richtigen Zeitpunkt in der Produktion verwendet werden.
Deswegen soll in direkter Werksnähe ein Logistikzentrum mit Gleisanschluss entstehen. Die rot-grüne Koalition in Harburg will die Erweiterung möglich machen, will einen maßgeschneiderten Bebauungsplan (Heimfeld 54) aufstellen lassen, will aber auch einen umfangreichen Ausgleich für 21 Hektar Natur. Geeignete Flächen für einen Ausgleich könnten in den Naturschutzgebieten Moorgürtel (Süderelbmarsch) und Neuländer Moorwiesen oder südlich des Neuländer Baggersees gefunden werden.
Außerdem soll das Logistikzentrum klimaneutral angelegt werden. Grüne und SPD schlagen außerdem vor, die Einrichtung einer neuen S-Bahnstation Bostelbek zu prüfen. Darüber würden sich nicht nur die Bostelbeker-Siedler, sondern auch die Mitarbeiter von Daimler und der Betriebe im hit-Technopark freuen.

Kann auf der 21 Hektar großen Fläche neben dem Mercedes-Werk ein Logistikzentrum gebaut werden?
Die Umweltbehörde konnte bis Redaktionsschluss keine Antwort liefern und verwies auf den Bezirk. Nach Auskunft des Bezirksamtes soll auf der Fläche der Landschaftsschutz aufgehoben werden. Der Eingriff in die Natur müsse ausgeglichen werden, eventuell müssen spezielle Schutzmaßnahmen für einzelne Tierarten getroffen werden.
Ohnehin können „diese ökologisch hochwertigen Flächen nur in Anspruch genommen werden, um gezielt dem Standort und den
Arbeitsprozessen des ansässigen Automobilherstellers zu dienen. Diese direkte Koppelung an den bestehenden Betrieb ist im Verfahren sicherzustellen.“
Für eine „normale“ beliebige Logistiknutzung steht diese Fläche nicht zur Verfügung“, heißt es aus dem Bezirksamt.

Geschützte Tiere und Pflanzen im Bereich Heimfeld 54
2019 wurden Untersuchungen durchgeführt, eine genaue Auswertung wird erst im ersten Quartal 2020 vorliegen.
„Festzuhalten ist aber bereits jetzt, dass das Plangebiet nahezu flächendeckend gesetzlich geschützte Biotoptypen gemäß Paragraf 30 Bundesnaturschutzgesetz aufweist“, teilt das Bezirksamt auf Anfrage mit. Unter anderem finden auf dem Gelände in Bostelbek Fledermäuse Nahrung, Amphibien überwintern und leben hier im Sommer, im Böschungsbereich leben Haselmäuse, im Gewässer die „zierliche Tellerschnecke“. Daneben gibt es Tagfalter, Libellen und Heuschrecken.

2 KOMMENTARE

  1. Meiner Meinung nach kann man für Niedermoorböden keinen Ausgleich schaffen. Jedenfalls keine x-beliebige Fläche/Lage. Sie sind zu besonders und müssen erhalten bleiben. Arbeitsplätze hin oder her. In naher Zukunft gibt es eh keine Autos mehr, dh man braucht auch keine Werke dafür. Hier würde etwas zerstört, was nicht wieder gut zu machen ist.

  2. In dem Maße, in dem der Fahrzeugbauer mehr Elektroantriebe verbaut, wird er höchstwahrscheinlich weniger Bestellungen für Verbrennungsmotoren verbuchen. Die dadurch frei werdenden Produktionsflächen sollten vorzugsweise für die Fertigung der Alternativtechnologie umgewandelt werden – anstelle immer neuen Naturflächenverbrauchs. Es muß doch heute immer zuerst zugunsten Gottes Schöpfung und erst dann über die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit entschieden werden!

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