Kandidatin der grünen Bezirksfraktion: Katja Husen (43) soll neue Bezirksamtsleiterin werden. Foto: pr

Fast täglich ist etwas von Katja Husen auf dem Onlinekurznachrichtendienst zu lesen. Die designierte Eimsbütteler Bezirksamtsleiterin sagt: „Twitter mag ich total gerne.“ Mehr als 20.000 Tweets über politische Themen, Feminismus, Wissenschaft oder Fußball hat sie abgesetzt, nicht alles hat den Bezirksabgeordneten der CDU Eimsbüttel gefallen.

Da die Grüne bei der für den morgigen Donnerstag, 28. November, angesetzten Wahl die Stimmen aller CDU-Parlamentarier braucht, haben sie über jede aus Sicht der Christdemokraten problematische Meinungsäußerung gesprochen. War es für HSV-Anhänger noch zu verschmerzen, dass Katja Husen regelmäßig den FC St. Pauli am Millerntor anfeuert, knirschte es bei Themen wie Bürgerrechte oder Extremismus schon heftiger. „Ich halte das staatliche Gewaltmonopol für richtig“, sagt Husen. Deshalb teile sie nicht linksautonome Positionen, dieses Monopol in Frage zu stellen. Aber die Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus, wie sie in der CDU häufiger zu hören sei, könne sie angesichts der Einschüchterungsversuche von Rechtsextremen gegen Politiker und Journalisten nicht verstehen.

Bei den Diskussionen half es, dass Katja Husen gut zuhören kann und sich viel Zeit für
den neuen Koalitionspartner nahm. Im persönlichen Gespräch vermag sie ihre Positionen ausführlich und verständlich zu erklären. So konnte Husen die CDU-Abgeordneten überzeugen, sie zu wählen.

„Kompetent, authentisch und nahbar“ möchte sie agieren, sagt die Biologin, die ein Institut am UKE leitet. Zum Treffen mit dem Redakteur in der Nähe des UKE ist sie aus Altona mit dem Rennrad gefahren, bei Regen hätte sie sich in den überfüllten HVV-Bus gequetscht. Ihr muss keiner etwas über die Ampelschaltungen an der Eimsbütteler Straße erzählen, sie steht dort selber fast täglich an der roten Ampel.

Der Fahrradhelm liegt gerade fünf Minuten auf dem Tisch, als sie von einer Studie aus Kopenhagen berichtet, wo die Menschen im Durchschnitt gesünder seien, weil sie mit dem Fahrrad fahren. Bereits Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke und sein Nachfolger Kay Gätgens (beide SPD) konnten die Wirksamkeit der rot-grünen Veloroutenstrategie auf ihrem Tre-ckingrädern erproben. „Es ist besser geworden in den vergangenen zehn Jahren, aber wir müssen mehr tun“, findet Husen.

Läuft morgen alles wie erwartet, wäre die 43-jährige die erste Frau auf dem Posten der Bezirksamtsleitung am Grindelberg. Von ihrer zwölfjährigen Tochter weiß sie, dass die Jugendlichen Greta Thunberg bewundern, weil sie den Erwachsenen Paroli biete. Unter der Veränderung des Mikroklimas in Großstädten werden vor allem Kinder und Ältere leiden, weiß sie. „Die Wähler erwarten, dass wir auch auf Bezirks-ebebene etwas gegen die Klimakrise tun.“

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