Sprach zu der Menge: Artur Tietgens, Stammesführer der Pfadfinder St. Andreas. Den 22-Jährigen verbinden viele sehr persönliche Ereignisse mit der Gemeinde. „Zum einen natürlich die Pfadfinder. Aber ich habe mich hier ganz bewusst mit 14 Jahren taufen lassen, habe meine Ehefrau bei den Pfadfindern kennen gelernt. Es trifft mich sehr, dass wir nun hier raus sollen. Zum Glück ist dies nun vom Tisch.“ Foto: Langenbach

Von Maren Langenbach. 200 Pfadfinder dürfen in der Kirchengemeinde St. Andreas in der Bogenstraße bleiben – zumindest vorerst. In anderen Gemeinden wäre man froh über engagierten Nachwuchs, in St. Andreas hatte man sie Mitte November zum 31. Dezember hinauswerfen wollen. Doch auf einer Infoveranstaltung für die Eltern der Sipplinge war Pastor Kord Schoeler zurückgerudert: „Wir werden sie nicht rauswerfen!“ Immerhin geht es um den ältesten und größte Stamm Hamburgs.

Die Gründe für die Kündigung blieben stets etwas unklar, von einem fehlenden Versicherungsschutz war die Rede und weiteren administrativen Problemen. Den drohenden Rauswurf wollten sich die jungen Christen nicht bieten lassen und kamen zu mehreren Mahnwachen zusammen. Unterstützung bekamen die Kinder und ihre Betreuer von anderen Stämmen aus Norddeutschland, Eltern und Anwohnern.

Bei Lagerfeuer, Gesang und kraftvollen Reden setzten sich über 300 Menschen vor der Kirche und den Gemeinderäumen in den vergangenen Tagen für den Stamm ein, der erst im September in der Gemeinde sein 70-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Mahnwachen, ein breites Presseecho sowie der Einsatz der Elternschaft hatten ihren gewünschten Erfolg.

Propst Martin Vetter betonte: „Der Kirchenvorstand wird sicherstellen und garantieren, dass der Versicherungsschutz für alle Kinder und Jugendlichen gewährleistet ist. Die Tür ist auf. Lasst uns das miteinander besprechen.“

Kirche und Pfadfinder planen nun, sich am „Runden Tisch“ allen Fragen zu stellen und Lösungen für einen gemeinsamen Weg zu finden. Bleibt die Frage nach dem plötzlichen Sinneswandel. „Zu unserer Stellungnahme kam es im Dialog vor allem mit den Eltern, die sich in großer Zahl an uns gewendet haben, einer Vielzahl abgewogener und engagierter Nachfragen“, so Pastor Schoeler. „Auf der Tagesordnung unserer nächsten Sitzung steht die Einbindung der Arbeit des Pfadfinderstamms in die Kirchengemeinde.“ Propst Vetter unterstreicht überdies: „Dem Kirchenvorstand geht es nicht um die Qualität der Pfadfinderarbeit, die ist beeindruckend.“

Damit am Ende für sie alles gut ausgeht, wollen die Pfadfinder weiter Präsenz zeigen, betont Stammesführer Artur Tietgens: „Der Kirchenvorstand soll sehen, dass wir nicht Gäste oder Fremde sind, sondern ein fester Teil der Gemeinde – und das schon seit 70 Jahren.“ Noch ein weiterer Aspekt zeigt, dass zwischen Pfadis und Kirche die Zeichen auf Versöhnung hindeuten: Auf dem alljährlichen Stammesfest der Pfadfinder am 1. Advent soll die Zusammenarbeit besonders gefeiert werden. Außerdem planen Pastor und Pfadfinder, einen gemeinsamen Gottesdienst zu organisieren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here