Eingerahmt von Enkelin Andrea Kirsten (l.) und der zwölfjährigen Urenkelin Hannah (r.) freut sich Wilma Pagel auf ihren 100. Geburtstag. Foto: sl

Sabine Langner, Harburg.
Als Wilma Pagel am 24. November 1919 geboren wurde, war der Erste Weltkrieg gerade mal ein Jahr vorbei. Sie war fünf Jahre alt, als sie ihr erstes Fahrrad bekam. „Das war schön“, erinnert dich die alte Dame. Und praktisch.
Denn damals lebte die Familie am Volkswohlweg und die Schule lag in der Maretstraße. Ein weiter Weg, wenn man ihn zu Fuß gehen musste. Für einen Pfennig konnten sich die Kinder damals ein paar Salmis kaufen. Die wurden kunstvoll wie ein Stern auf die Hand geklebt, so dass man sehr lange daran lecken konnte. Nur von den Lehrern erwischen lassen durfte man sich nicht.
1934, mit 15 Jahren, war die Schule vorbei. Wilma Pagel fing an, in der Heimfelder Schlachterei Fritz Elend zu arbeiten. Als der Zweite Weltkrieg losging und die Menschen Bezugsscheine brauchten, um Lebensmittel zu kaufen, saß sie an der Quelle. „Da gab es einen Kunden, dem habe ich immer ein bisschen mehr gegeben. Dafür habe ich dann von ihm eine Wohnung am Alten Postweg bekommen. Das war Schummel“, erzählt die Seniorin vergnügt.
Mitten im Krieg heiratete sie ihren ersten Mann. 1943 kam Tochter Monika zur Welt. Aber das Glück hielt nicht lange. Der Ehemann desertierte und wurde später aufgehängt im Wald gefunden. Bis heute weiß Wilma Pagel nicht, ob er von eigener Hand gestorben ist oder umgebracht wurde.
Auf jeden Fall war es schwierig für die junge Frau, mit einem kleinen Kind allein zurecht zu kommen. Das änderte sich erst, als sie ihren zweiten Mann Willi kennen lernte. Die beiden heirateten 1946. 1947 kam Sohn Günter zur Welt, ein Jahr später Tochter Gisela. Komplett war die Familie aber erst 1962, als Nesthäkchen Susanne dazu kam.
Mittlerweile hatte Willi Pagel sich mit einem Schrott- und Eisenhandel an der Bremer Straße selbstständig gemacht. Ehefrau Wilma führte die Bücher. Inzwischen ist Willi lange tot, Wilma Pagel wohnt seit neun Jahren in der Seniorenresidenz am Petersweg. „Die Augen wollen nicht mehr so richtig, das Laufen fällt mir auch schwer“, erzählt sie.
Auf ihren Geburtstag freut sie sich sehr. Ihre vier Kinder wollen kommen und sicher auch einige der fünf Enkelkinder und drei Urenkel. „Meinetwegen können alle trinken, was sie wollen“, sagt die Jubilarin. „Ich werde ja sicher nicht noch mal 100 Jahre alt“.

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