Auf dem Grundstück Preußerstraße 4 lebte Siegfried Lenz. Heute steht hier ein Neubau. Foto: Istel

Seit Wochen läuft „Deutschstunde“ in den Kinos. Die Verfilmung des Romans von Siegfried Lenz zeigt, wie aktuell das Werk des Schriftstellers auch fünf Jahre nach seinem Tod noch ist. Lenz lebte jahrzehntelang in einer Villa in der Preußerstraße 4. Doch was erinnert heute noch an den wohl berühmtesten Othmarschener im Stadtteil?

Wer die Reventlowstraße vom S-Bahnhof Othmarschen in Richtung Jungmannstraße geht und dann links in die Preußerstraße einbiegt, sieht erst mal viele Baufahrzeuge. Das dreigeschossige Haus auf dem Eckgrundstück Nummer 4 wird derzeit ausgebaut. Doch Siegfried Lenz hat in diesem Haus nie gewohnt. Nach seinem Tod im Oktober 2014 verkauften es seine Erben. Zur Jahreswende 2017/18 wurde das „Lenzhaus“ abgerissen, machte einem modernen, dreistöckigen Neubau mit drei Mietwohnungen Platz.

Warum setzte sich die Stadt nicht dafür ein, das das Haus wie im Falle jenes des Ehepaares Loki und Helmut Schmidt als Museum erhalten wird? „Der schlechte Zustand des Hauses sowohl innen wie auch außen, dessen baulicher Zustand jahrelang vernachlässigt worden war, gab keinen Anlass für seinen Erhalt“, sagt Martin Roehl, Sprecher des Bezirksamtes Altona. Auf Deutsch: Das Haus war heruntergekommen und marode. Und es stand nicht unter Denkmalschutz.

Lenz war einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Vielfach ausgezeichnet, ist er weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Doch in Othmarschen erinnert nichts mehr an ihn. Diese geschichstlose Gedankenlosigkeit will der Bürgerverein Flottbek-Othmarschen (BVFO) nicht hinnehmen. „Wir setzen uns schon seit Jahren dafür ein, dass die Preußerstraße nach Siegfried Lenz umbenannt wird“, sagt Christoph Beilfuß, Archivar des BVFO. Ende 2016 stellte der Verein einen Antrag auf Umbenennung. Doch passiert ist bislang nichts.

„Meiner Kenntnis nach gab es im hiesigerseits zuständigen Ausschuss noch keine Einigung, mit welcher Fläche Herr Lenz geehrt werden soll“, so Roehl. Es steht also seitens der Bezirksversammlung noch nicht fest, was dem Senat zur Umbenennung vorgeschlagen werden soll: die gesamte Straße oder ein Platz im Stadtteil.

 

Biographie: Siegfried Lenz am 17. März 1926 in Lyck (Ostpreußen) geboren. Seit 1951 lebte er als freier Schriftsteller in Hamburg. Zu Lenz größtem Erfolg wurde dabei der 1968 erschienene Roman „Deutschstunde“, der auch international Beachtung fand. Sein Inhalt: der junge Siggi Jepsen erzählt die Geschichte seines Vaters, eines norddeutschen Polizisten, der es im Nationalsozialismus für seine Pflicht hält, das Malverbot seines Freundes Nansen zu überwachen – um jeden Preis. Lenz schrieb auch Hörspiele, Theaterstücke, Essays und erzählungen. Seine Bücher wurden in rund 30 Ländern und in 22 Sprachen veröffentlicht. Er verstarb am 7. Oktober 2014 in Hamburg. Quelle: DTV/KI

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