Mario Bloem und Veronika Pramor. Foto: KP flügel

Von KP Flügel. Die Initiative „St. Pauli-Code Jetzt“ hatte in den Ballsaal im Millerntor-Stadion geladen. Über die gespitzte Frage, ob es sich bei dem Neubauprojekt „Paulihaus“ an der Ecke Neuer Pferdemarkt/Neuer Kamp um einen „netten Nachbarn oder um einen Kieztrojaner“ handelt, diskutierten Kathrin Guthmann (Restaurant Maharaja), Andreas Köpke (Hamburg Invest), Farid Müller (Grüne), Oliver Sträter (SPD), Heike Sudmann (Linke) und Christoph Schäfer (PlanBude). Mit „großem Bedauern“ stellten Veronika Pramor und Mario Bloem, beide von der einladenden Initiative fest, dass die auch angesprochenen Unternehmen des Baukonsortiums der Einladung nicht gefolgt waren.

Veronika Pramor möchte als Anwohnerin die Art und Weise, wie Bauvorhaben im Viertel durchgesetzt werden, nicht akzeptieren. Seit 2015 sei trotz des vom Bezirksamt Hamburg-Mitte als Richtlinie vereinbarten St.-Pauli-Codes festzustellen, „dass sich Investoren nicht daran halten und eine Information der Öffentlichkeit nicht stattfindet“. Zu viel werde hinter verschlossenen Türen geplant. Seit über drei Jahrzehnten wohnt Mario Bloem im Karoviertel. In seiner Eigenschaft als Stadtplaner hielt er einen Vortrag zum Thema Stadtentwicklung. Das Paulihaus sei ein Beispiel, dass Investoren „versuchen ohne Bürgerbeteiligung ein Bauprojekt genehmigt zu bekommen. Leider gibt es politische Vertreter, die diesen Investoren die Möglichkeit dazu bieten.“

Es brauche aber Politiker, findet Mario Bloem, „die sich bei Bauprojektvorschlägen für ein Beteiligungsverfahren einsetzen. Eine Einbeziehung der Anwohner bringe bessere Ergebnisse. Das hat sich gezeigt bei der Planung der Rindermarkthalle, die heute platt wäre, wenn die Bürger nicht aufgestanden wären. Heute sagt jeder, toll, dass wir sie haben. Und jetzt passiert daneben wieder genau das Gleiche, dass hier so etwas in den Dutt gehauen werden soll.“

„Die Seele und die Essenz des Viertels erhalten und die verbindliche Durchsetzung des St. Pauli-Codes“ möchte Veronika Pramor erreichen: „Es geht um Toleranz, auch Raum zu schaffen für Menschen, die woanders nicht unterkommen, um ein soziales Miteinander, um eine Kultur, nicht alles neu zu machen und das Alte zu bewahren. Das wird uns ja auch von den Bewohnern mit ihren 2.300 Einreichungen widergespiegelt.“ Da das Neue nicht das habe, was das Alte in sich trage, den Flair, den Kiez-Bezug und meistens nicht das Herz, gelte es, das Maharaja und das Gebäude zu erhalten, denn das habe ein Herz“, betont Bloem.

Noch bestehen dazu reelle Chancen. Eine Baugenehmigung ist bis jetzt nicht erteilt. Mit überwältigender Mehrheit nahmen die Teilnehmenden eine Resolution an, die sich einsetzt für einen Stopp der Planungen, einen ergebnisoffenen Dialog mit echter Beteiligung der Öffentlichkeit und für einen Bebauungsplan für St. Pauli Nord.

Der St.-Pauli-Code:
1. Unterschiedlichkeit statt Homogenität
2. Kleinteiligkeit für unterschiedliche Läden, Lokale, Begegnungsräume
3. Günstig statt teuer
4. Originalität und Toleranz
5. Schmuddeliger Glamour statt Hoch-Glanz
6. Freiraum ohne Konsumzwang

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