wurde im Dezember 2011 von der jüdischen Gemeinde zum Hamburger Landesrabbiner gewählt. Foto: Armin Stroiakovski

Von Karin Istel. Anfang Oktober wollte ein rechtsextremer Täter in die Synagoge von Halle eindringen, um dort Gläubige zu töten. Er scheiterte an der massiven Holztür. Fühlen sich die 2.500 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Hamburg nach diesem Anschlag in Halle noch sicher? Das Elbe Wochenblatt hat bei Landesrabbiner Shlomo Bistritzky nachgefragt.

Elbe Wochenblatt: Haben die Gemeindemitglieder Angst nach dem Anschlag von Halle?
Shlomo Bistritzky: Halle, das ist ein Extremfall. Die Mitglieder der Hamburger Gemeinde fühlen sich hier sicher. Viele Leute betrachten den Vorfall von Halle als einen Einzelfall. Sollten solche Angriffe jedoch häufiger vorkommen, müssen wir schauen, wie wir darauf reagieren.

Das Rabbinat und die Schule hier am Grindel werden polizeilich bewacht. Wie fühlt man sich, an Wachposten vorbei zu gehen?
Das ist für mich ganz normal. Es wird zur Gewohnheit, bewacht zu werden. Die Polizei ist Teil des Alltags, wie in Israel.

Zeigen die Mitglieder ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde?
Viele Gemeindemitglieder beteiligen sich sehr aktiv am Leben der jüdischen Gemeinde und zeigen damit ihre Verbundenheit. Hier in Eimsbüttel leben die meisten Hamburger Gemeindemitglieder. Viele von ihnen tragen aber keine Kippa, an der man sie als Juden erkennen könnte.

Es wird darüber nachgedacht, die ehemalige Synagoge am heutigen Joseph-Carlebach-Platz, vormals Bornplatz, wieder aufzubauen. Sie wurde von den Nationalsozialisten 1938/1939 zerstört.
Es wäre ein interessantes Projekt, die zerstörte Synagoge am Bornplatz wieder aufzubauen. Auch aus touristischen Motiven könnte das für Hamburg interessant sein. Von außen wird der Neubau wie die ehemalige Synagoge aussehen, der Innenraum wird aber anders gestaltet sein. Die frühere Synagoge hatte 1.200 Sitzplätze. Unsere Gemeinde wächst zwar, aber diese Anzahl von Plätzen wäre zu viel. Jetzt sind 500 Plätze geplant, dazu Veranstaltungs- und Begegnungsräume und vielleicht ein jüdisches Museum.“

Am 9. November fand zum sechsten mal die Aktion „Grindel leuchtet“ statt, bei der Anwohner Kerzen neben die Stolpersteine stellen. Wie stehen Sie dazu?
Ich finde die Initiative sehr schön und interessant. Es ist ein sehr positives Projekt, das bis heute eine private Initiative ist, das könnte man erweitern.

Kann man in Hamburg jüdischen Alltag leben?
Um in Hamburg einen jüdischen Alltag zu leben, gibt es noch viel zu tun. Es gibt einige koschere Geschäfte, aber wir sind immer noch am Anfang. Es fehlt viel, um einen richtigen jüdischen Alltag zu führen. In Paris beispielsweise, kann man erst einmal in eine koschere Bäckerei gehen und einkaufen, und hat dann die Möglichkeit, an mindestens zehn Orten zu verschiedenen Zeiten zu beten. Das wünschen wir uns auch für Hamburg.

 

Shlomo Bistritzky wurde in Jerusalem geboren und wuchs in Safed im Norden Isaels auf, wo sein Vater Levi Oberrabbiner war. Er studierte in New York und Manchester. 1999 hat er in Berlin jüdisches Gesetz studiert und dort auch seine Ordination als Rabbiner erhalten. 2003 kam er mit seiner Frau Chani nach Hamburg, um hier die jüdische Gemeinde zu unterstützen. Seit Ende 2011 ist Shlomo Bistritzky Landesrabbiner von Hamburg.
Quelle: Jüdische Gemeinde Hamburg

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