Carsten Schmidt, Vorsitzender des Wilhelmsburger Mühlenvereins, zeigt auf die sogenannte Galerie. Der Umlauf ist wegen Pilzbefall und Fäule derzeit für Besucher gesperrt. Foto: grundke

Sebastian Grundke, Wilhelmsburg.
Die Windmühle „Johanna“ steht seit dem Zweiten Weltkrieg unter Denkmalschutz und wurde später aufwändig restauriert. Im Interview erklärt der Vorsitzende des Wilhelmsburger Windmühlenvereins, Carsten Schmidt, wie er mehr Schulklassen in die Mühle holen möchte und wofür er momentan Spenden sammelt.

Weshalb hat die Windmühle den Namen Johanna?
Das war die letzte Müllerin hier – oder vielmehr die Frau des letzten Müllers. Sie hieß Johanna Sievers und war die Frau von Müllermeister Erwin Sievers. Die hatten die Mühle von 1936 bis 1961 und haben sie dann an die Stadt verkauft. Frau Sievers wohnte hier dann aber noch nebenan. Als wir 1992 begannen, uns mit der Mühle zu beschäftigen, haben wir sie dann miteinbezogen. Sie hatte alles Technische auch noch voll drauf.
Auch die Wiederinbetriebnahme 1998 hat sie noch mitbekommen. Und weil sie dabei so toll mitgeholfen hat, haben wir die Mühle dann nach ihr benannt. Es ist sogar in Hamburg und Teilen Schleswig-Holsteins verbreitet, einer Mühle einen weiblichen Vornamen zu geben. Manchmal sind es die Standorte oder auch nordische Gottheiten – und manchmal ist eben die Müllerin Namensgeberin.

Und woher Ihr großes Interesse an Geschichte?
Ich bin hier im Stadtteil ja aufgewachsen und Freunde von mir waren im Museum der Elbinsel engagiert. So bin ich da irgendwie hineingewachsen: Ich habe da dann mitgearbeitet, und so nach und nach hat sich die Entwicklung verselbständigt.

So wird man dann Vorsitzender eines Windmühlenvereins?
Also, ich war damals, in den 1980er-Jahren, Vorstandsmitglied im Heimatverein des Museums der Elbinsel Wilhelmsburg und bin heute noch passives Mitglied. Ich habe dann einen Artikel über die Mühle für die Zeitschrift des Museums, ‚Die Insel‘, geschrieben. So begann die Auseinandersetzung mit der Mühle. Damals war sie nicht windgängig, wie man das nennt. Sie hatte auch erhebliche äußere Mängel, so dass auch von der Galerie mal ein kleineres Teil herunterfiel. Es war also schon zehn vor zwölf und klar, dass etwas gemacht werden musste. Das hatten wir damals erkannt. Aber um Fördermittel einzuwerben brauchte es eine eigene Rechtsform. Dazu haben wir dann den Windmühlenverein gegründet, am 1. Dezember 1992.

Das ist nun 27 Jahre her, die Windmühle ist restauriert. Was müsste denn noch gemacht werden?
Die Galerie ist ja die zentrale Ebene, von der aus die Mühle bedient wird, die Bremse und die Klappenregulierung zum Beispiel. Bei der jährlichen Wartung haben wir nun leider festgestellt, dass wir Pilzbefall und in einzelnen Bereichen auch verschiedene Arten von Fäule haben, vor allem an den Laufbrettern und auch teilweise an den Balken der Unterkonstruktion. Es besteht keine Einsturzgefahr, aber für Besuchergruppen ist die Galerie deshalb trotzdem gesperrt. Und zwar im Prinzip seit Ende des vergangenen Jahres.

Wie viel wird die Instandsetzung kosten?
Das ganze wird so ungefähr 71.000 Euro kosten. Aber es ist auch nicht ganz einfach, dafür einen Mühlenbauer oder eine geeignete Zimmerei zu finden. Wir haben selber momentan etwa 10.000 Euro, die uns dann aber an anderer Stelle fehlen würden. Von daher wäre es toll, wenn sich noch der eine oder andere Spender finden würde. Wir haben ein Spendenkonto und hier im Eingangsbereich der Mühle steht außerdem eine Spendentruhe.

Was gibt es für Besucher eigentlich zu sehen?
Dazu muss ich etwas ausholen. Wir haben damals ja zunächst ein Nutzungskonzept gemacht, so dass wir die Mühle im Erbbaurecht übertragen bekamen. Das Konzept besagt vereinfacht, dass wir aus der Windmühle das „Hamburger Mühlenmuseum Windmühle Johanna“ machen wollen. Das hat verschiedene Bausteine. Dazu gehört die Funktionsfähigkeit der Mühle, die wir wieder hergestellt haben. Wir mahlen selber wieder Weizen und schroten auch Roggen. Wir können auch Dinkel vermahlen. Diese und andere Produkte bieten wir auch in unserem Shop an.

Die Mühle ist also mehr als nur ein Denkmal?
Unbedingt. Sie steht zwar seit 1941 unter Denkmalschutz, ist aber inzwischen sozusagen ein lebendes technisches Kulturdenkmal. Wir haben 2013 ja auch ein Backhaus in Betrieb genommen und können nun den Weg vom Korn zum Brot aufzeigen. Dort stellen wir auch verschiedene Backwaren her. Der Bau ist anderen Backhäusern nachempfunden und hat den Verein insgesamt eine Viertelmillion Euro gekostet.
Ein weiterer Baustein ist, dass wir aus Mühle und Back-haus einen außerschulischen Lernort machen wollen. Wir hatten schon immer Führungen, aber nun haben wir gemeinsam mit Museumspädagogen ein Konzept dazu erarbeitet.

Wann wird es dieses neue Angebot geben?
Einen ersten Probelauf hat es schon gegeben, wir wollen aber noch einen zweiten machen. Ich denke, dass wir Anfang des nächsten Jahres damit an den Start gehen werden. Wir wollen das auch offiziell anerkennen lassen und werden das Konzept dazu noch an die Schulbehörde herantragen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here