Mahnwache vor dem LPT-Labor. Foto: pr
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Andreas Göhring, Süderelbe.
Selten hat eine Demo so viel verändert. Wenige Tage nach dem Marsch von mehr als 7.000 Tierfreunden zur Zentrale des Laboratoriums für Pharmalogie und Toxikologie (LPT) am Redderweg in Neugraben haben sich die Ereignisse überschlagen: Erst wird bekannt, dass LPT offenbar Ergebnisse ihrer Tierversuche manipuliert hat, dann soll plötzlich die Außenstelle in Mienenbüttel (Landkreis Harburg) dichtgemacht werden. Das Leiden von Hunden, Affen und anderen Tieren ist damit noch lange nicht beendet. Jetzt hat die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den LPT-Leiter eingeleitet.
Am Wochenende wurde bekannt, dass regelmäßig Tiere aus dem Labor in Mienenbüttel nach Neugraben und zurück transportiert worden sind. Die Bürgerschaftsabgeordnete  der Grünen, Christiane Blömeke, hat darauf mit einer Kleinen Anfrage reagiert. Sie will unter anderem wissen, ob der Senat Hinweise darauf hat, dass Hunde, Katzen oder Affen in Neugraben ohne Genehmigung für Versuche eingesetzt wurden.
Was hinter den Mauern des LPT in Neugraben wirklich passiert, war bisher kaum bekannt. 2015 machten die Grünen und die Linke in der Bezirksversammlung Harburg einen ersten Versuch, das Geheimnis zu lüften. Sie wollten, dass mehrere Abgeordnete das Labor am Redderweg besichtigen dürfen. Doch schon der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Etwa zur gleichen Zeit posierten die SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Birgitta Schulz und Matthias Czech zusammen mit der Mahnwache vor dem Labor für ein Pressefoto. Es war gerade Wahlkampf.
Zwei Jahre später ergab die Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Birgit Stöver erste Hinweise, dass es in den insgesamt sechs Hamburger Laboren nicht immer mit rechten Dingen zuging. Bei rund 50 Kontrollen in den Jahren 2011 bis 2016 gab es immer wieder Beanstandungen – vor allem wegen der Tierhaltung und der Versuchsdurchführung.
Wie schwer es ist, stichhaltige Informationen zu bekommen, musste Dr. Gudrun Schittek, Bezirksabgeordnete der Grünen, im Frühjahr 2019 erfahren. Sie wollte, dass Vertreter der Gesundheitsbehörde und des LPT-Labors im Fachausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Rede und Antwort stehen. Doch die Behörde lehnte das ab. Begründung: „LPT ist ein privates Unternehmen, bei dem hinsichtlich von Auskünften datenschutzrechtliche Vorschriften zu beachten sind. Damit ist die Auskunftsfähigkeit der Überwachungsbehörden beschränkt und in vielen Punkten auf die Zustimmung des Unternehmens angewiesen.“

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