Lebensgefährlich: Obdachlose, die bei Eiseskälte unter einer Brücke schlafen müssen. Foto: panthermedia
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Erste Frostnächte in Hamburg – eine große Gefahr für Obdachlose. Knapp 2.000 Menschen leben in Hamburg ohne Dach über dem Kopf. Die Stadt bietet auch in diesem Jahr ein Winternotprogramm an. Doch reicht das aus, um zu verhindern, dass Menschen auf Hamburgs Straßen erfrieren? 780 zusätzliche nächtliche Schlafplätze stehen bis Ende März zur Verfügung. Das sind ungefähr so viele wie im vergangenen Jahr.
Der Städtische Betreiber Fördern und Wohnen stellt 650 Übernachtungsplätze in zwei Großeinrichtungen zur Verfügung: Davon befinden sich 400 Schlafplätze in der Friesenstraße 22. Hunde sind in der Unterkunft nicht erlaubt, müssten über Nacht im benachbarten Tierheim Süderstraße abgegeben werden. In der Kollaustraße 15 gibt es 250 Schlafplätzen. An beiden Standorten gibt es außerdem 100 Reserveplätze.

Die Unterkünfte sind von 17 Uhr bis 9.30 Uhr geöffnet, tagsüber sollen Tagesaufenthaltstätten genutzt werden. Der Schlafplatz kann aber jeden Abend wieder aufgesucht werden. In den Übernachtungseinrichtungen gibt es verschließbare Schränke, Kleiderkammern, Essensausgaben und Waschmöglichkeiten.

Weitere 130 Schlafplätze gibt es in Wohncontainern bei 23 Kirchengemeinden an 27 Standorten. Sie sind zwar staatlich finanziert, werden aber ehrenamtlich betreut. Diese bei den Obdachlosen erfahrungsgemäß begehrten Plätze werden durch das Diakonische Werk per Losverfahren vergeben, sind dauerhaft besetzt.

Einige Probleme sind noch ungelöst: Nichtdeutsche mit einem Wohnsitz im Ausland haben keinen Anspruch auf einen warmen Übernachtungsplatz, kritisieren beispielsweise die Obdachlosen-Zeitung Hinz&Kunzt und das Diakonische Werk.

Könnte man nicht genug Plätze für alle anbieten, indem man die gerade frei gewordenen Räume des Wohnschiffes „Transit“ im Harburger Binnenhafen nutzt? Es „stehen ausreichende Kapazitäten zur Verfügung.“, sagt BASFI-Sprecher Martin Helfrich. Außerdem gehe es „um weit mehr als nur zusätzliche Betten – die entsprechende Infrastruktur muss ebenfalls zur Verfügung stehen“, heißt: Sie muss bezahlt werden. Und Sozialverbände und die Linke kritisieren: Auch in diesem Winter sind die Einrichtungen nur von 17 bis 9.30 Uhr, also nur nachts geöffnet. Tagsüber könnten zwar Tagesaufenthaltsstätten aufgesucht werden, doch die seien von den Übernachtungshäusern zu weit entfernt und böten nicht genug Plätze.

Obdachlosigkeit in Zahlen:
In Hamburg lebten laut einer von der Sozialbehörde in Auftrag gegebenen Studie im März 2018 1.910 Menschen auf der Straße. Seit 2009 (1.029 Obdachlose) hat sich die Zahl damit fast verdoppelt. Außerdem hat sich die Zusammensetzung deutlich verändert: 2009 waren 70 Prozent der Obdachlosen Deutsche, 2018 nur noch 36 Prozent. 62 Prozent der Nichtdeutschen kamen aus Osteuropa, vor allem aus Polen und Rumänien. Der Anteil der weiblichen Obdachlosen ist seit 2009 erstmals geringfügig von 22 Prozent auf knapp 20 Prozent gesunken. (Quelle: BASFI)

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