Szene aus dem Spiel Werder Bremen II: Der AFC verlor mit 1:2. Foto: stahlpress

Von Volker Stahl. Fünfte Niederlage in Folge, zuletzt zwei Platzverweise beim 0:3 gegen Eintracht Norderstedt, Abstiegsrang. Nach dem fulminanten Start in die Regionalliga Nord sehnen die Fußballer von Altona 93-Coach Berkan Algan die Winterpause herbei: „Die würde uns gut tun.“

Obwohl bei der sportlichen Leitung an der Griegstraße nach dem Absturz auf Tabellenplatz 17 Katzenjammer angesagt ist, ist das Umfeld intakt. Der Trainer sitzt trotz der Niederlagenserie fest im Sattel, es gibt keine Störfeuer und die Fans kommen weiter in Strömen ins Stadion. Mit durchschnittlich 1.264 Zahlenden pro Heimspiel belegt Altona 93 in der Zuschauertabelle hinter den Ligakonkurrenten VfB Lübeck, VfB Oldenburg und Heider SV den vierten Platz. „Wenn Menschen den Fußball lieben, kommen sie hierher auf die Adolf-Jäger-Kampfbahn“, erklärt der ehemalige AFC-Ligaspieler Klaus Stertz (70) den anhaltenden Zuspruch. Altona 93 ist zuletzt punktlos, aber sexy!

Es nervt kein 90-minütiger Ultra-Singsang

Und das hat Gründe. „Altona 93 ist eindeutig die Nummer drei im Hamburger Fußball – allein schon wegen des Zuschaueraufkommens und der Resonanz in der Presse. Da kommen Vereine wie Concordia oder Dassendorf nicht mit“, sagt Andreas Wellhöfer (62), der Ende der 1970er-Jahre in der Reserve des AFC gespielt hat, „hier ist ein bürgerliches Publikum, dazu ein paar Linke. Einige neigen dem HSV zu, einige dem FC St. Pauli. Die Adolf-Jäger-Kampfbahn ist ein Sammelbecken für vom Profifußball Enttäuschte.“

Auf dem sogenannten „Zeckenhügel“ stehen ehemalige St. Pauli-Fans wie Doktor Mabuse, der einst die Totenkopffahne ans Millerntor schleppte, und auf der Gegengeraden hat der „Black Bloc“ seit 20 Jahren seinen Stammplatz – ebenfalls Abtrünnige des Kiezklubs. Auch Burkhard (45) hat vor zwei Jahrzehnten die Fankutte gewechselt, als der FC St. Pauli trotz des Abstiegs aus der Bundesliga die saftigen Eintrittspreise beibehielt: „In Altona kann man gemütlich neben netten Leuten stehen und sein Bier trinken. Außerdem nervt kein 90-minütiger Ultra-Singsang.“

Altona-93-Devotionalien sind in Altona allgegenwärtig

Doch nicht nur in der Fußballgemeinde genießt der Verein einen guten Ruf. „Dass Altona 93 eine extreme Anziehungskraft im Stadtteil Altona hat, konnte ich nach meinem Umzug nach Altona recht schnell feststellen“, erzählt Tim Heicks, zweiter Vorsitzender des an der Max-Brauer-Allee ansässigen SC Teutonia 1910, „durch Altona und Ottensen kann man eigentlich nicht laufen, ohne irgendwelche Passanten mit Shirts oder Caps mit Altona 93-Aufdruck zu entdecken.“

Den besonderen Reiz des Clubs macht aus – und das ist kein Klischee – dass ihm Altpunker wie Doc Mabuse und der aktuelle CDU-Spitzenkandidat zur Bürgerschaftswahl 2020, Marcus Weinberg, gleichermaßen die Daumen drücken. Weinberg kickte von 1975 bis zur B-Jugend 1982 beim FC St. Pauli, besitzt Dauerkarten für den Kiezklub und Altona 93: „Das ist kein Widerspruch“, betont Weinberg, „Altona 93 ist ein Traditionsverein. Mir gefällt, dass hier verschiedene Milieus vertreten sind. Schön wäre es, wenn der Verein höher spielen würde. Perspektivisch gehört er eigentlich in die dritte Liga.“ Nun ja, zunächst heißt die Mission: Klassenerhalt in Liga vier!

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrte Redaktion,
    Hallo Herr Stahl
    Hallo Herr Wellhöfer,
    habe Ihren Bericht betreffend AFC 93 gelesen. Ja es ist ein Traditionsverein und Herr Stahl bringt ein Buch
    über Teutonia 1910 auf den Markt.
    Aber weshalb berichtet NIEMAND über TEUTONIA 05 ????. Platz 2 in der Oberliga !! Und da Dassendorf wie
    jedes Jahr nicht aufsteigen will/möchte liegt es auf der Hand, das WIR gute Chancen haben AFC abzulösen:-).
    Die Teutonen kommen aus OTTENSEN. Altonas Spielwiese liegt in Bahrenfeld.
    Es wäre doch mal angebracht über schwarz/weiß zu berichten.!!!
    WIR SIND DER WESTEN……….! Ps: 1.12. Teutonia 05: Dassendorf 11:30.
    Gruss Ralf

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