Sammelstelle für Verlustsachen: Im Zentralen Fundbüro in der Bahrenfelder Straße werden jährlich 40.000 bis 50.000 verlorene Gegenstände abgegeben. Foto: pr
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Erfahrungsbericht: Wie eine wertvolle Kamera den Weg zurück zu ihrem Eigentümer fand

Ch. v. Savigny, Bahrenfeld/Wilhelmsburg

Es gibt Dinge, von denen man zuweilen träumt: Dass man draußen spazierengeht und dabei feststellt, man ist komplett nackt. Oder dass man als Erwachsener nochmal zusammen mit Kindern die Schulbank drücken muss. Schrecklich peinliche Geschichten, aus denen man schweißgebadet aufwacht, und am Ende gottfroh ist, dass sie nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Kürzlich ist mir ein solcher Alptraum im echten Leben zugestoßen. Um es kurz zu machen: Ich hatte meine gesamte – sündhaft teure – Kameraausrüstung irgendwo auf dem Heimweg per Fahrrad (von Wilhelmsburg nach Altona) liegengelassen. Schlimmer geht’s eigentlich nicht. Ein wirtschaftlicher Totalschaden – mindestens.

Großer Dank an den unbekannten Finder

Was tun? Nachdem sich die erste Panik gelegt hat und ich meine Wohnung (vergeblich) einmal komplett auf den Kopf gestellt habe, dämmert es mir: Es kann nur auf der Hafenfähre passiert sein. Ein schneller Anruf bei der Hadag – der Betreibergesellschaft – bringt leider nichts ein. Gerade heute habe er eine Ladung verlorener Gegenstände zum Fundbüro gebracht, berichtet mir ein freundlicher Herr am anderen Ende der Leitung. Dass er sich partout nicht an eine schwarze Fototasche erinnern kann, stimmt mich wenig zuversichtlich.

Es folgt ein trübseliges Wochenende. Vor lauter Stress werde ich krank. Obwohl meine Erwartungen gen Null tendieren, schleppe ich mich am Montag ins Fundbüro. Irgendjemand wird das Teil einfach mitgenommen haben, denke ich. Doch dann geschieht das Wunder: Die Kamera liegt im Regal, heil und unversehrt.

Nachdem ich die Umstände meines Verlusts und auch die Bilder auf der Speicherkarte genau beschreiben kann, erhalte ich die Tasche zurück – gegen nur sechs Euro Gebühr. Viel zu wenig, denke ich: Gleich am nächsten Tag überweise ich 50 Euro an das Hamburger Spendenparlament. Tausend Dank auch an dieser Stelle an den – mir leider unbekannten – Finder! Toll: Ich habe nicht nur mein Eigentum, sondern auch den Glauben an das Gute im Menschen zurückerhalten – und der ist schließlich mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

 

Das sagt das Fundbüro

Laut eigener Auskunft landen pro Jahr etwa 110 bis 120 Fotoapparate und -ausrüstungen in den Regalen des Zentralen Fundbüros (Bahrenfelder Straße). Rund ein Viertel aller verlorenen Gegenstände wird von den Besitzern wieder abgeholt. Wenn nicht, gilt Folgendes: Die allgemeine Aufbewahrungsfrist beträgt sechs Monate, bei Fundsachen aus Bus und Bahn jedoch nur zwei Monate. Auch Dinge, die auf den Fähren der
Hadag gefunden werden, können aus Platzgründen höchstens acht Wochen im Fundbüro verbleiben. Anschließend werden die Gegenstände „ausgemüllt“. Das bedeutet: Was noch gut ist, wird versteigert – alles andere wandert in den Müll.
Platzmangel ist ein großes Problem: „Es gibt immer mehr öffentliche Orte, an denen Menschen ihre Sachen liegenlassen können. Car-to-go oder Moia zum Beispiel, oder auch neue Geschäfte“, berichtet Ralf Heitmann, Hauptsachbearbeiter und Auktionator des Fundbüros. Allein die Menge an verlorenen Tüten und Stoffbeuteln machten „18 laufende Meter“ pro Monat aus. Das wertvollste Stück, das er jemals versteigert habe, sei eine Rolex-Uhr gewesen, sagt Heitmann. „Neuwert vielleicht 15.000 Euro – bei uns ging sie für 7.000 Euro weg. Da hat der Käufer in jedem Fall einen guten Schnitt gemacht.“ cvs

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