Regisseur Ali Hakim vor dem Zeisekino in Altona, wo die Filmpremiere von „Bonnie & Bonnie“ über die Bühne ging. Foto: cvs
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Eine Liebe gegen alle Konventionen: Sarah Mahita („Kiki“, re.) und Emma Drogunowa („Yara“) in „Bonnie & Bonnie“. Foto: pr

Seinen ersten Film bezeichnet Ali Hakim (34) gerne als „Liebeserklärung“ an den Stadtteil. „Dabei zeigen wir überhaupt nicht die schönen Seiten von Wilhelmsburg, sondern vielmehr das Rauhe, Düstere. Irgendwelche finsteren Hafengegenden zum Beispiel, oder das Bahnhofsviertel mit Graffiti an den Hauswänden.“ Jungregisseur Ali Hakim lebt seit 20 Jahren auf der Elbinsel, gerade hat sein Kinofilm „Bonnie & Bonnie“ in Hamburg Premiere gefeiert.
„Wenn ich früher in der Schule erzählt habe, dass ich in Wilhelmsburg wohne, sagten meine Mitschüler immer: ‘Zu gefährlich – dort möchte ich nicht leben!’“, erinnert sich der großgewachsene junge Mann. Er selbst habe den Stadtteil jedoch nie so erlebt. „Wilhelmsburg ist zwar rauh, dreckig und irgendwie unperfekt – aber genau so mag ich es!“
„Bonnie & Bonnie“ ist trotz der (gewollten) Namensähnlichkeit mit „Bonnie & Clyde“ kein Gangsterfilm, auch wenn die beiden Hauptdarstellerinnen hier und da mal gegen das Gesetz verstoßen, indem sie etwa eine Flasche Alkohol mitgehen lassen. Es geht um die Liebe zwischen zwei jungen Frauen – der 16-jährigen Albanerin Yara (gespielt von Emma Drogunowa) und der 18-jährigen Deutschen Kiki (Sarah Mahita) – und um ihren Kampf gegen gesellschaftliche Konventionen.
Lediglich 21 Tage hatte das Filmteam Zeit, um den Streifen abzudrehen. „Viel zu wenig“ sei das gewesen, sagt Hakim, der daher improvisieren muss-te. „Aus der Not heraus“ seien sie abends manchmal spontan auf die Reeperbahn gefahren oder in eine Kneipe gegangen, um dort weiterzudrehen. Nicht einmal sein Team habe gewusst, was er vorhatte. „Aber am Ende hat es immer super geklappt“, berichtet der Regisseur. Überhaupt seien die spontanen Ideen immer die besten gewesen. „Aus Chaos entsteht Kreativität“: Vielleicht könnte man so Hakims Lebens- und Arbeitsphilosophie umschreiben.
Als vierjähriges Kind floh Ali Hakim 1989 mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Deutschland. Sein Hang zum Geschichtenerzählen führte ihn – über Umwege – an die Hamburger DMA-Medienakademie, später als Regiepraktikant zu RTL. Sein nächster Film soll wieder in einem „dreckigen“ Stadtteil spielen – in Billstedt.“ „Diesmal wird es eine Kömödie“, verrät er. Ganz in der Nähe hat Hakim übrigens auch seine Produktionsfirma. Sie heißt „Let’s be awesome“ – zu deutsch: „Lass uns großartig sein“.
„Bonnie & Bonnie“ (D 2019) läuft im Zeise (Friedensallee), im Studio (Bernstorffstraße) und im Cinemaxx am Dammtor.

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