In den vergangenen drei Wochen erkundete Stadtschreiberin Katelijne Gillis in Harburg Land und Leute. Sie wanderte an der Außenmühle, musste bei „Rosi“ im Binnenhafen fast eine Runde ausgeben, sah sich eine Vorstellung im Harburger Theater an und genoss in der Lämmertwiete einen vegetarischen Mittagstisch. Foto: gillis
Anzeige


Olaf Zimmermann, Harburg.
Eigentlich ist Katelijne Gillis in Aachen zu Hause. Dort lebt sie zusammen mit Mann und Sohn in einem Holzhaus auf einem Berg. Jetzt hat die in Antwerpen geborene Belgierin ihr Quartier für vier Monate in Hamburg aufgeschlagen, im Vorwerk-Stift, mitten im Karo-Viertel.
Warum? Katelijne Gillis ist „Hamburger-Gast 2019“. Sie hat sich für das mit monatlich 1.500 Euro dotierte Stadtschreiber-Stipendium beworben – und wurde ausgewählt. Seit Anfang August ist die Diplom-Übersetzerin, die fünf Sprachen beherrscht und für eine Firma, die ökologische Holzhäuser herstellt arbeitet, schreibende Hamburg-Entdeckerin.
In den vier Stipendiums-Monaten muss sie alle vier Wochen ein neues Gebiet erkunden. Erst vom Bergedorfer Schloss aus, dann von der Hausbar des Schmidt Theaters an der Reeperbahn, schließlich vom Harburger Binnenhafen aus.
Jetzt nähern sich bereits Katelijnes Harburg-Wochen ihrem Ende. Von einem kleinen Büro in der Kulturwerkstatt aus versuchte die Stadtschreiberin, einen Draht zu Harburg und den Menschen zu finden. Wie das geklappt hat, erfährt man auf ihrer Lesung in der Kulturwerkstatt, die am 3. November, 18.30 Uhr, im Rahmen des Harburger Kulturtags stattfindet.
Danach bricht die Stadtschreiberin dann zu ihrer letzten Station in die Zentralbibliothek der Bücherhallen auf.

❱❱ www.hamburg-gast.de

❱❱ www.stadtschreiberin.de

 

Der Hafen ist schön

Der folgende Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Blog, den Katelijne Gillis am 13. Oktober geschrieben hat.
Donnerstagmorgen nehme ich voller Tatendrang die S-Bahn und fahre nach Harburg. Es ist fast Mittag, ich mache nicht den gleichen Fehler wie letztes Mal, diesmal werde ich zuerst etwas essen. Ich spaziere Richtung Kulturwerkstatt und gehe auf dem Weg noch kurz ins Shukria-Restaurant hinein, in der Lämmertwiete. Wie sollen um Shivas Willen die Inder, die dieses Restaurant betreiben, so eine Adresse aussprechen? Nun, sie kochen gut und scheinen sich dort wohl zu fühlen. Ich auch. Nach dem Essen freue ich mich auf das schöne Hafengebäude.
Komisch ist, dass man kaum etwas Begeistertes über Harburg hört. Ich frage einen Mitvierziger auf einem Zebrastreifen. „Wo kommen Sie her und was
halten Sie von Harburg?“.
„äiamoi, aus Bayern, es ist schrääcklich hier“.
Zeit, diese Stadt zu untersuchen.
Sie hat schon mal zehn neue Polizisten. Braucht man die? Sie sollen aufpassen, dass keine Zigaretten weggeworfen werden, haben ihre Erfahrung als Koch, Soldat oder Seemann gesammelt und werden in Harburg der lokalen Präsenz angegliedert, wie die online-Zeitung Harburg-aktuell mitteilt.
Es gibt viele Baustellen, es gibt viel Verkehr, der aber jetzt flotter werden soll, viele Grüße von der Wilhelmsburger Reichsstraße, das hätten wir.
Der Hafen ist schön, und nicht so überlaufen wie in Hamburg. Frische Luft, viel grün, viel Freiraum. Aber kein Wunder, er ist weit weg von der Fußgängerzone, vom Einkaufzentrum. Man ist hier für sich. Die Kulturwerkstatt ist verlassen, ich bin dort, sehe aber keinen. Es liegen viele Prospekte aus, also genug kulturelle Angebote. Ich habe das Gefühl, dass man hier zwar viele Möglichkeiten hat, dass aber einiges bei der Bevölkerung nicht ankommt.
Es ist, wie wenn eine Gruppe von Leuten einkaufen geht, sie besorgen die besten Zutaten, legen alles auf den Tisch und haben keine Ahnung, wie es nun weiter gehen soll. Sie fangen an, hier und da etwas rauszupicken, ärgern sich, dass sie aus dem Rest nichts mehr machen können, haben keine Lust mehr. Das Ganze verkommt.
Döner ist keine Lösung, sorry. Ich bin mal nachts durch die Straßen gelaufen und habe beobachtet, wie das Fleisch angeliefert wird. die Heckklappe des LKWs geht auf, Wolken kalter Luft strömen wie Nebel durch die Straße. Unbekannte schultern schweigend das Fleisch, schwere, mannshohe Klumpen fest in weißer Plastikfolie gewickelt. Das perfekte Verbrechen.
Auf dem Rückweg gehe ich noch kurz beim Thailänder im Sand rein, es regnet total und ich will einfach einen Tee. Es ist schön warm dort, die Bedienung ist super nett und lächelt, bringt mir den Tee und noch etwas unglaublich Leckeres zu essen, ich weiß nicht mehr, wie es heißt, es ist gerade scharf genug, hat fröhliche frische Farben, ist knackig und kommt nicht vom Tier. Gut, beschließe ich, es läuft. Man hat
leckere Restaurants hier, freundliche Menschen, zehn neue Polizisten.
Ich werde mich hier schon amüsieren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here