Das Vorkommen der Mückenfledermaus in Sinstorf wirft reichlich Pläne durcheinander. Foto: NABU / Eckhard Grimberger
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Hamburgweit größte Population der streng
geschützten Mückenfledermaus entdeckt

Von Sabine Langner, Harburg.
Sie sind so klein wie ein Stückchen Schokolade, wiegen nur rund fünf Gramm und sind für Tierschützer eine kleine Sensation: In den seit rund einem Jahr leer stehenden Schulgebäuden am Sinstorfer Weg hat sich eine Kolonie Mückenfledermäuse mit mindestens 200 Tieren angesiedelt und zieht in einer so genannten Wochenstube ihren Nachwuchs groß. Fledermaus-Experte Niels A. Reinecke vom Nabu ist sich sicher, dass bisher nirgendwo in Hamburg eine so große Population dieser streng geschützten Art nachgewiesen wurde.

Eigentlich sind sie auch
standorttreu, das heißt,
sie kommen
zurück
Marco Sommerfeld,
Nabu

Was für Tierschützer Grund zum Jubeln ist, bringt die Pläne der Hamburger Schulbehörde gehörig durcheinander. In den nächsten Monaten sollten Gutachter prüfen, ob die alten Gebäude der Schule am Sinstorfer Weg saniert oder gleich durch einen Neubau ersetzt werden sollen. Aber mit einer Fledermaus-Kolonie im Gebäude passiert erst mal gar nichts. „Die Planungen der Schulbehörde für das Schulgelände sind noch nicht abgeschlossen, aber die Existenz der Wochenstubenkolonie wird dabei berücksichtigt werden“, sagt Björn Marzahn, Pressesprecher der Umweltbehörde.
Einfach umsiedeln kann man die Tiere nicht. „Es ist schwierig, die Tiere alle einzufangen“, sagt Marco Sommerfeld (Nabu). „Eigentlich sind sie auch standorttreu, das heißt, sie kommen zurück.“
Bleibt die Möglichkeit, im Winter an den Gebäuden zu arbeiten, denn die Fledermäuse nutzen ihre Wochenstube nur in den Monaten April bis Ende Juli. Allerdings ist nicht klar, wo genau die Tiere ihren Winterschlaf verbringen. Möglicherweise auch in der Nähe ihrer Wochenstuben. Fest steht bisher nur, dass jede Arbeit an den Schulgebäuden unter „fledermauskundlicher Begleitung“ stattfinden muss. „Alle Beteiligten stehen in engem Austausch, um die Fledermäuse bestmöglich zu schützen“, so Björn Marzahn weiter.

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