In den Lounges der Seemannsmission können die Crewmitglieder auch Einkäufe tätigen und mit ihren Familien telefonieren oder skypen. Foto: Peter breucker

Alicia Hagemann, Hamburg-WEST

Wenig Zeit für sich, kaum Sonnenlicht und eine Arbeit voller Stress, fern der Heimat: Alltag von Crewmitgliedern auf den Kreuzfahrtschiffen. Und die Zeit für einen Landgang ist häufig so kurz, dass Seeleute auf sogenannten „Seafarers’ Lounges“ angewiesen sind – also Cafés, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Dass es Seeleuten immer mehr an Freizeit mangelt, zeigt auch die Bilanz, die Markus Wichmann kürzlich vorstellte. Der Leiter der Seafarers’ Lounges, die die Deutschen Seemannsmission in den Hamburger Kreuzfahrtterminals betreibt, verzeichnet immer mehr Zulauf in seinen Einrichtungen. Circa 30.000 Crewmitglieder von Kreuzfahrtschiffen besuchten 2018 die Lounges in den Cruise Centern Steinwerder, Hafen-City und Altona – doppelt so viele wie 2015. Für Landgänge zu entfernteren Zielen fehlt oft die Zeit.

Ein langer Arbeitstag von bis zu zwölf Stunden (siehe Infotext) sei die Folge schwächerer Arbeitsschutzgesetzte. Diese gelten, da viele Kreuzfahrtschiffe unter der Flagge eines Landes wie Panama, den Bahamas oder Liberia fahren.
Für die Gäste ist die Arbeit vieler Angestellter nicht sichtbar, da ein Teil der Schiffsmannschaft unter Deck in der Küche oder im Waschraum arbeitet.

Erholung an Bord ist
kaum möglich

Oft handelt es sich um befristete Verträge von maximal neun Monaten. Laut Wichmann würden Seeleute sogar Arzttermine verschieben, aus Angst, den Vertrag nicht erfüllen zu können. „An Bord ist es kaum möglich, sich so von der Arbeit zu erholen, wie es Arbeitnehmer an Land können“, so Wichmann.

Die Seafarers’ Lounges bieten Crewmitgliedern Raum für Entspannung. Die Einrichtungen beschäftigen drei feste und rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter sowie zwei, die sich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes engagieren. Besucher finden in den Lounges die Muße, mit ihren Familien zu telefonieren, sich ungestört zu unterhalten oder einzukaufen. Besonders begehrt: asiatische Nudelsuppen, Kokosnuss-Wasser und Schokolade, aber auch Raumduft für die engen Kabinen, die sich mindestens zwei Crewmitglieder teilen müssen.

Von der Stadt selbst bekommen die Seeleute auf ihren Landgängen kaum was zu sehen, und so sagt Markus Wichmann: „Wenn die Seeleute an Hamburg denken, denken sie an die Seafarers’ Lounge.“

Drei Schichten am Tag
Auf großen Kreuzfahrtschiffen arbeiten mehr als 1.500 Menschen, dabei kommen drei Passagiere auf einen Angestellten. Auf Luxusschiffen liegt das Verhältnis von Personal zu Gästen etwa bei 1 zu 1,5. Die Folge sind lange Arbeitszeiten für die Schiffsmannschaft, teilweise drei Schichten pro Tag: von 8 bis 12 Uhr, 14 bis 17 und nochmal von 20 Uhr bis Mitternacht – sieben Tagen die Woche. „Diese Arbeitszeiten bringen den Lebensrhythmus der Seeleute durcheinander“, weiß Markus Wichmann, Chef der Seafarers’ Lounges.

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