Das Saxopohon ist wieder hip. Anne La Sastra hat zwei Instrumente für Studioaufnahmen und Konzerte. Foto: bianca diez

M. Greulich, Grindelviertel

Anne La Sastra hat sich „Sing!“ auf den rechten Unterarm stechen lassen, als sie mit ihrer Lehrerausbildung fertig war. Sie ging in ein Tattoo-Studio auf St. Pauli und beschloss, es nicht mehr allen recht machen zu wollen. An diesen Vorsatz hat sie sich gehalten: Die Musikerin singt, steht mit ihrem Saxophon und einem DJ auf der Bühne, arbeitet tatsächlich wieder als Lehrerin und lebt am Rande des Grindelviertels.
„Ich könnte nicht in der Schule arbeiten, ohne meine Karriere als Musikerin weiterzuverfolgen“, sagt La Sastra. Sie unterrichtet Musik an der Stadtteilschule Ehestorfer Weg in Harburg. Dort sei die Resonanz auf eine Lehrerin, die nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, positiv. „Es gibt auch Schüler, die zu meinen Auftritten kommen“, sagt sie. Im Sommer hat sie Hamburg außerdem in Berlin würdig vertreten. Im Tempodrom feierte die Hamburger Landesvertretung ihr Sommerfest.

„Es war eine große Ehre für mich, als Hamburger Saxophonistin meine Stadt in Berlin musikalisch vertreten zu dürfen!“, sagt sie. Mittlerweile sei sie vor ihren Auftritten nicht mehr aufgeregt, in Berlin kam das Lampenfieder dann aber doch zurück. Es half, dass auch andere Hamburger Musiker dort waren, um die Stadt zu vertreten. „Mit Joja Wendt habe ich Tischtennis gespielt“, sagt sie. Und es hat la Sastra besonders gefreut, dass ihr Bruder im Publikum war.

Anne La Sastra ist in einem kleinen Dorf im Sauerland aufgewachsen. Ihr 2017 verstorbener Vater war Konzertpianist und Organist. Er war nicht spontan begeistert, als seine Tochter verkündete als Sängerin eine andere musikalische Laufbahn einschlagen zu wollen. Sie hat es durchgezogen und hat sich als weibliche Saxophonistin einen Namen gemacht, den sie sogar als Marke eintragen und schützen ließ, und der mittlerweile auch in ihrem Personalausweis steht.

Nach einigen Jahren Pause, wo es außerhalb des Jazz weniger eingesetzt wurde, ist das Instrument längst wieder so hip, dass 2019 als „Jahr des Saxophons“ firmiert. La Sastra steht mit dem leichteren Altsaxophon auf der Bühne, während sie im Tonstudio häufiger das Tenorsaxophon spielt. Beide Instrumente stammen von der Firma Henri Selmer aus Paris, deren Saxophone von Jazzgrößen wie Sonny Rollins gespielt werden.

Rund um das Grindelviertel fühlt sich die Vielbeschäftigte wohl, wenn man einmal von der stets angespannten Parkplatzsituation absieht. Sie joggt regelmäßig um die Alster und bekommt häufiger Lob für ihre Musik von den Nachbarn.

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