Dieses mittlerweile restaurierte Hölle-Fenster entdeckte Stadtarchivar Wolfgang Vacano 2015 in einem beklagenswerten Zustand im ehemaligen „Woodpecker“ in der Max-Brauer-Allee. Ursprünglich hieß die Kneipe „Zur Tonne“ (1938). Foto: Altonaer Stadtarchiv/Wolfgang Vacano

Von Reinhard Schwarz. Er ist fast vergessen, dabei haben viele seine Werke schon mal gesehen: Gemeint ist der Altonaer Glasmaler Karl Hölle (1871-1846). Er hat zahlreiche farbenprächtige Bilder geschaffen, wie etwa im Treppenhaus des Altonaer Museums. Auch im Bergedorfer Rathaus befinden sich Glasmalereien des Künstlers, der seine Hinterhofwerkstatt in der damaligen Allee 181 (Max-Brauer-Allee) hatte. Heute befindet sich dort ein schmuckloser Wohn- und Geschäftsbau mit Waschcenter und Discounter. Die Wohnung Hölles und seiner Frau Minna befand sich in der Hausnummer 191, an der Ecke Eggerstedtstraße.

Über das Leben des Künstlers ist wenig bekannt. Geboren in Ostpreußen, zog er zunächst nach Geesthacht und später nach Altona. Da die Altonaer Handwerkskammer im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört und das Archiv vernichtet wurde, gibt es kaum offizielle Unterlagen über Karl Hölle.

Stadtarchivleiter Wolfgang Vacano ist bemüht, das Andenken des Glasmalers zu bewahren. Er ist Mitglied im Karl-Hölle-Kreis, einer kleinen Gruppe von derzeit fünf Mitgliedern. Vacano ist auch ständig auf der Suche nach Zeugnissen und Hinterlassenschaften des Glasmalers. So wurde er vor geraumer Zeit im Bergedorfer Rathaus fündig und konnte dort Glasmalereien Hölles begutachten. Eine kleine Sensation war auch eine Entdeckung vor Ort, in der Max-Brauer-Allee. In der ehemaligen Kneipe „Woodpecker“ fand Vacano 2015 eine Arbeit Hölles aus dem Jahr 1938. Das Werk zeigt eine üppige Szenerie mit deftigen Würsten und gefüllten Bierkrügen. Signiert wurde es vom Künstler mit dem Schriftzug „Karl Hölle, Glasmaler, Altona“. 1938 hieß die Kneipe passend „Zur Tonne“. Das Glasbild wurde von Vacano sowie von Praktikanten restauriert und befindet sich seit 2015 im Besitz des Stadtarchivs. Hölle gestaltete um 1930 auch zehn Fenster im Restaurant des (alten) Altonaer Stadttheaters in der Königstraße, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde – ebenso die Glasbilder. Auch im Haus der Altonaer Handwerkskammer in der Goethestraße existierten Glasmalereien von Hölle. Auch sie wurden im Krieg zerstört.

Relativ bekannt ist auch eine Arbeit Hölles im Trenthorster Herrenhaus in Bad Oldesloe, das einst dem Margarinefabrikanten Friedrich Bölck gehörte. Dieser wurde mit der Herstellung und dem Vertrieb des pflanzlichen Brotaufstrichs reich. Hölle verewigte sich dort mit Glasbildern im Stil des Art déco und Expressionismus. Überhaupt wirken die frühen Bilder Hölles aus den 1920er-Jahren und vor dem Ersten Weltkrieg sehr modern. Erstaunlich ist das breite thematische Spektrum Hölles: Derbe Wirtshausbilder wechseln sich ab mit Landschaften, auch Aufträge zur Gestaltung von Kirchenfenstern übernahm der vielseitige Künstler.

Erhalten geblieben ist auch ein Prospekt, in dem Hölle für sich mit den Worten wirbt: „Kunst mit Glas“ muss vom Geist der Zeit getragen sein. „Glühende Farbenpracht, dann wieder vornehm zurückhaltende Farblosigkeit, vereint mit angewandten Sondertechniken, wie Schliff, Glasschnitt, Ätzung, geben dem Glas seine sinngemäße Geltung. Meine Werkstatt ist in jedem Bedarfsfalle gerne bereit, Vorschläge auszuarbeiten und ist auch in der Lage, geschmacklich wie werklich, nur Bestes zu liefern. Gegebene Entwürfe werden mit der gleichen Hingabe behandelt wie meine eigenen, um eben jede Arbeit auf eine Höchstleistung zu bringen. Eine über zwanzigjährige Erfahrung steht mir zur Seite.
Ich bitte, bei nächster Gelegenheit von mir Vorschläge einzuholen. Mit vorzüglicher Hochachtung. Karl Hölle.“

❱❱ Altonaer Stadtarchiv, Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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