Das Berufsbildungswerk in der Reichsbahnstraße ist Teil des städtischen Perspektiv-Kontors, der nun privatisiert werden soll. Foto: archiv/tp
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Ch. v. Savigny, Eidelstedt

Also doch: Trotz des Protests der Linke-Fraktion aus Eimsbüttel (das Elbe Wochenblatt berichtete) hat nun die Stadt den Verkauf der Unternehmensgruppe Perspektiv-Kontor Hamburg (PepKo)
bekanntgeben, zu der unter anderem das Berufsbildungswerk (BBW) Eidelstedt gehört. Neue Träger sind das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) und die in Hamburg ansässige aquinet health service GmbH, ein IT-Dienstleister im Bereich Gesundheitswesen.
Dem Verkauf muss abschließend noch die Bürgerschaft zustimmen.

Das Berufsbildungswerk Hamburg in der Reichsbahnstraße ist ein Ausbildungsunternehmen für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf – also für diejenigen, die zum Beispiel gesundheitlich oder psychisch eingeschränkt sind oder über keine Berufsausbildung verfügen. Derzeit werden 21 Ausbildungsberufe angeboten, darunter Metallbauer, Fahrradmonteur, Tischler, Friseur und Verkäufer. Die Dauer der Ausbildung beträgt zwischen zwei-und dreieineinhalb Jahren. Am Standort Eidelstedt arbeiten 170 Beschäftigte.

Die Linke-Fraktion hatte sich gegen die Verkaufspläne ausgesprochen, weil sie befürchtet, dass durch die Privatisierung der wirtschaftliche Aspekt allzusehr in den Vordergrund geraten könnte. „Es sollte alles dafür getan werden, dass diese beruflichen Qualifizierungen in staatlicher Hand bleiben“, sagt Linke-Fraktionschefin Manuela Pagels. „In einer nach den Plänen des Senats dann privaten Einrichtung, die vor allem die Kosten im Blick habe, würden insbesondere Betroffene mit Lernschwierigkeiten durch das Raster fallen, die eine angemessene Beratung und Betreuung benötigen.“

Auch die Bürgerschaftsfraktion der Partei äußerte Kritik: „Die mit dem Verkauf angestrebte konzeptionelle Neuaufstellung kann ich so nicht erblicken. Das sieht mir eher nach einem Preiskampf aus, der auf Dauer zu Lasten der Qualität geht“, sagt Carola Ensslen (Linke).
Nach Angaben der Stadt war der Verkauf nötig geworden, weil sich der PepKo-Konzern seit Jahren in einer finanziellen Schieflage befindet. Bei einer Fortsetzung des Betriebs durch die öffentliche Hand hätte eine Insolvenz mit dem Verlust von Arbeitsplätzen gedroht, so die Senatsmitteilung. In einem aktuellen Antrag in der Bezirksversammlung fordert die Linke-Fraktion Eimsbüttel die Sozialbehörde (BASFI) dazu auf, „dafür Sorge zu tragen, dass ein qualitativ hochwertiges Rehabilitationsangebot in Hamburg sowie die Angebote am Standort Eidelstedt erhalten bleiben oder bei Bedarf ausgebaut werden“.

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