Lukas Waidhas ist hauptberuflich als Krankenpfleger in der Eppendorfer Uniklinik angestellt und engagiert sich in seiner Freizeit in der Veddeler Poliklinik. Nächstes Jahr tritt er dort eine bezahlte Halbtagsstelle an. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg.
Gemeindeschwester? Gemeindepfleger? Oder doch „Community Health Nurse“, wie es im internationalen Gebrauch heißt? Auch wenn die passende Berufsbezeichnung derzeit nicht gefunden ist: Fest steht, dass die Poliklinik Veddel im nächsten Jahr einen medizinisch und sozial geschulten Betreuer einstellen wird, der sich um die Belange der schwächsten Bewohner im Stadtteil kümmern soll. Lukas Waidhas heißt der junge Mann, der diese Aufgabe übernimmt.
„Auf der Veddel gibt es viele alleinstehende, chronisch kranke oder in anderer Weise benachteiligte Menschen, die regelmäßige Hilfe benötigen“, sagt der gelernte Krankenpfleger.
Zu den Aufgaben der „Community Health Nurse“ zählen regelmäßige Hausbesuche sowie Beratungen bei medizinischen, rechtlichen und persönlichen Problemen – allerdings keine Krankenpflege. Sponsor der neu geschaffenen Stelle ist die Robert-Bosch-Stiftung. Die Laufzeit beträgt – vorerst – fünf Monate, der genaue Starttermin steht noch nicht fest.

Schön wäre
es natürlich, wenn wir die Stelle dauerhaft etablieren
könnten
Lukas Waidhas,
Krankenpfleger

Mit der Einstellung eines „Stadtteilbetreuers“ schließt die vor zweieinhalb Jahren gegründete Poliklinik eine lange Zeit offen gebliebene Lücke in ihrem Versorgungssystem: Bislang gibt es eine allgemeinärztliche Praxis, die an drei ganzen und zwei halben Tagen geöffnet hat. Weiterhin im Programm sind eine Gesundheits- und Sozialberatung (zweimal pro Woche), eine psychotherapeutische Sprechstunde (nach Vereinbarung), das Beratungscafé „Veddel Solidarisch“ (einmal im Monat) und seit Jahresbeginn zusätzlich die „Refugee Law Clinic“, die alle zwei Wochen ihre Pforten für geflüchtete Menschen öffnet.
Die „Community Health Nurse“ soll künftig auch die Menschen erreichen, die ansonsten mit ihren Sorgen und ihrem körperlichen Leid alleine bleiben würden. „Schön wäre es natürlich, wir könnten die Stelle dauerhaft etablieren“, sagt Waidhas. Möglicherweise wird die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) das Projekt mit einer Studie begleiten – in dem Fall wäre sogar die Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert. „Das würde uns natürlich ein besseres Standing gegenüber den Krankenkassen verschaffen“, sagt Waidhas.
Die Veddeler Poliklinik hat derzeit fünf Angestellte, davon zwei Ärzte. Insgesamt arbeiten 18 Personen ehrenamtlich mit. Die Angebote der Einrichtung sind durchweg kostenlos.

Hintergrund
Die Poliklinik in der ehemaligen Polizeikaserne am Veddeler Zollhafen ist ein stadtteilbezogenes, sozialmedizinisches Versorgungs- zentrum. Jeder, der zum Beispiel gesundheitliche Probleme hat, einen Vermittler für Behördenangelegenheiten sucht, Schwierigkeiten mit der Familie hat, oder möglicherweise unter psychischen Problemen leidet, kann die Einrichtung nutzen. Der Besuch ist kostenfrei, für medizinische Behandlungen kommen die Krankenkassen auf.
Ins Leben gerufen wurde die Poliklinik durch eine Gruppe junger Ärzte, Wissenschaftler, Juristen und Medienfachleuten: die „Gruppe für Stadtteil, Gesundheit und Verhältnisprävention e. V.“

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