Helmut Korf (li.), Thomas Rieckmann (2. v. re.) und Matthias Anton-Retzlaff (re.) wohnen seit vielen Jahren im Veddeler „Warmwasserblock“. Askin Ayvaz (2. v. li.) vertritt seine Eltern, die hier leben. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, VEDDEL
Die Wohnungen in dem Klinkergebäude zwischen der Straße Am Gleise und der Wilhelmsburger Straße sind nicht im allerbesten Zustand: Manche Wände sind schimmelig, zeitweise fallen die Heizungen aus, ebenso das warme Wasser. Trotzdem bezeichnen die Mieter ihren Wohnblock, in dem etwa 300 Menschen leben, als den Veddeler „Warmwasserblock“ – weil er eines der ersten Schumacher-Gebäude in der Hansestadt war, das über fließend Warmwasser verfügte. Seit Ende 2018 steht die Wohnsiedlung auf der Veddel unter Ensembleschutz.

In der Zeit, in der ich hier wohne, ist
praktisch nichts gemacht
worden
Helmut Korf,
Mieter

Trotzdem ist die Zukunft des 1929 erbauten Häuserblocks mehr als unsicher: Aufgrund des mäßigen Gebäudezustands möchte die Saga, die die Immobilie erst vor vier Jahren von der Stadt übernommen hatte, den „Warmwasserblock“ möglicherweise abreißen und an gleicher Stelle Neubauwohnungen errichten. „Wir sind schockiert“, sagt Helmut Korf, seit knapp 20 Jahren Mieter auf der Veddel. Das Gebäude sei im Grunde „topfit“, müsse aber dringend saniert werden. „In der Zeit, die ich hier wohne, ist praktisch nichts gemacht worden“, sagt Korf. „Dabei hat die Saga als städtisches Wohnungsunternehmen den öffentlichen Auftrag, sozialen Wohnraum zu schaffen und ihre Denkmäler zu pflegen. Wir wollen eine ernsthafte Prüfung über Optionen des Erhalts“, bekräftigt der Bewohner.
Für Ärger sorgt auch die Tatsache, dass die Saga nur sehr spärlich Informationen preisgibt. Nachdem viele Mieter bereits 2018 „unter der Hand“ von den möglichen Abrissplänen erfahren hatten, trat das Unternehmen erst Anfang diesen Jahres mit einem Brief an die Betroffenen heran. Man teilte den Bewohnern mit, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben worden sei, und dass mit keinerlei Maßnahmen vor Mitte 2020 zu rechnen sei. Ein Gespräch zwischen Saga und Vertretern der Anwohnerinitiative vor zwei Wochen blieb ohne Ergebnis.
Gegenüber dem Wochenblatt sagte Saga-Sprecher Michael Ahrens: „Die SAGA Unternehmensgruppe kann aktuell noch nicht verbindlich sagen, ob die Sanierung des Gebäudes oder ein Abriss mit anschließendem Neubau das Ergebnis der aktuellen Abstimmungsrunden mit den zuständigen Behörden ist. Wir können aber zusagen, dass es vor Frühjahr 2021 zu keinen Baumaßnahmen kommen wird. Alle Mieterinnen und Mieter erhalten – egal welche Lösung am Ende umgesetzt wird – ein Rückkehrrecht in ihre Wohnungen.“

Ensembleschutz
Wenn es um den Erhalt einer Gruppe von Gebäuden geht, „die räumlich und architektonisch im Zusammenspiel historisch erhaltenswert erscheinen“, dann spricht man von „Ensembleschutz“.
Ensembleschutz kann dabei helfen, historisch gewachsene Ortsteile und Plätze in ursprünglicher Form zu bewahren. Auf die Weise können auch Gebäude geschützt sein, die das Denkmalschutzamt für sich allein nicht als schützenswert einstufen würde.
Der Ensembleschutz erfüllt jedoch nicht so umfassende Kriterien wie der Denkmalschutz. Grob gesagt muss bei Ensembleschutz lediglich das Gesamtbild bleiben (also z. B. die Fassade). Der Denkmalschutz hingegen bezieht sich im Normalfall auf das ganze Haus.

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