Eines der „harmloseren“ Fotos: Ein totes Lamm wird im Wasserbottich entsorgt. Grausamere von verwesenden Kadavern am Deich und übel verletzten, unbehandelten Schafen – liegen dem Elbe Wochenblatt vor. Foto: pr

Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg.
Die Vorwürfe sind so schrecklich, dass man es kaum glauben kann, aber schockierende Fotos untermauern den Verdacht: Über Monate soll der Schäfer vom Moorwerder Hauptdeich seine Tiere vernachlässigt und gequält haben, behauptet der Hamburger Tierschutzverein HTV. Als Mitschuldigen mach der HTV das Bezirksamt Mitte aus: Meldungen von Zeugen hätten dem Amt schon monatelang vorgelegen, seien aber von der Behörde ignoriert worden.
Etwa 1.000 Schafe der Morwerderer Schäferei sollen die Grasnarbe auf den Deichen festtreten und das Gras kurz halten. Die Schäfer werden dafür von der Stadt bezahlt. Doch Zeugen haben dem HTV berichtet, der Schäfer misshandele und vernachlässige die Schafe und seine Hunde. „Tote Lämmer liegen auf den Weiden, Tiere mit gebrochenen Gliedmaßen werden sich selbst überlassen und sterbend wie Abfall entsorgt und Schafe ohne Betäubung getötet“, heißt es in einer Mitteilung des HTV.
Am 1. September habe einer der Hütehunde ein Schaf gerissen und ihm Teile des Gesichts weggebissen. Laut Zeugenaussage sei das Tier anschließend durch den Schäfer erstochen worden. Derartig schockierende Zeugenberichte, dokumentiert durch zahlreiche grausige Fotos toter und verletzter Tiere, liegen dem HTV nach eigenen Angaben in großer Zahl vor: Mehr als 100 Filme und Fotos gingen nach einem Aufruf ein.
Hat sich das Bezirksamt Mitte mitschuldig an dieser offenbar mindestens monatelagen Tierquälerei gemacht? Der Tierschutzverein sagt: Seit dem 31. Mai habe man versucht, das Amt zu einem effektiven Eingreifen zu bewegen, aber weder den Zeugen noch dem HTV sei geantwortet worden.
Immerhin: Der Amtstierarzt hatte den Schäfer wohl schon am 10. Mai, 27. Mai und 25. Juni kontrolliert. „Seit Mai 2019 wurden engmaschig mehrere Nachkontrollen durchgeführt und weitere mündliche und am 14. August eine schriftliche Anordnung erlassen“, sagt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland. Aber: „An den gesetzeswidrigen Zuständen änderte sich aber nichts“, behauptet HTV-Sprecher Sven Fraaß.
Inzwischen hat das Bezirksamt „einen Anfangsverdacht bezüglich eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetzanzeige gegen den Schäfer gestellt“, will sagen: den Schäfer bei der zuständigen Wasserschutzpolizei angezeigt. Nur die Behörden in Paderborn, dem Heimatort des Schäfers, können dem Schäfer die Tierhaltung verbieten. Weiland: „Der Kreis Paderborn wird von hier informiert.“
Der mit dem Schäfer abgeschlossene Drei-Jahres-Vertrag wurde inzwischen durch den Bezirk gekündigt. Hatte man vor Vertragsabschluss geprüft, ob der Mann zuverlässig ist und genug über Schafhaltung weiß?
Der Schäfer habe am 15. April eine Genehmigung für das Treiben von Schafen gemäß Paragraf 10 Viehverkehrsverordnung vom Kreis Paderborn bekommen. „Von seiner Sachkunde und Zuverlässigkeit konnte ausgegangen werden“, sagt Sorina Weiland.
Wird das Gras an Moorwerder Deichen in Zukunft wuchern?
Sorina Weiland beruhigt: Mehrere Schäfer bemühen sich um Beweidungsverträge
mit der Stadt, man habe die Wahl.

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