Die Schüler der Grundschule Rungwisch kennen alle elf Haltepunkte des Schulexpress. Foto: jbd

J. Bannan, Eidelstedt

„Bis später, Papa“, ruft Anna und dreht sich mit einem Winken noch mal um, bevor sie sich unter das Schild „Schulexpress Grundschule Rungwisch“ stellt und mit den anderen Kindern zu kichern beginnt. „Genau so soll es sein“, sagt Verena Nölle, Initiatorin des Schulexpress aus Bremen und Mutter von vier Kindern, zufrieden. „Mit dieser Aktion möchten wir die Eltern animieren umzudenken und sagen: Es geht auch anders. Was gebe ich den Kindern, dass sie ihren Schulweg alleine gehen? Was gebe ich mir als Elternteil und letztendlich: Was gebe ich der Gesellschaft?“

Rund um die Schule Rungwisch gibt es elf Haltestellen, die den Kindern als Treffpunkte dienen. Dort trifft sich, wer gemeinsam zur Schule gehen will und in der Nähe einer Haltestelle wohnt. Wenn der Schulweg doch etwas länger ist, können die Treffpunkte auch als Elternhaltestelle genutzt werden. In diesem Fall bringen Eltern ihre Kinder zu einer der Haltestellen und die Kinder laufen den restlichen Weg zur Schule. So wird das Parken und Rangieren im Bereich der Schule vermieden und der Verkehr verteilt sich im Einzugsgebiet der Schule.

Erik Eiberger, Schulleiter der Grundschule Rungwisch, ist stolz darauf, dass seine Schule die erste in Hamburg ist, die das Konzept von Verena Nölle übernommen hat. „Wir möchten den Autoverkehr vor der Schule deutlich reduzieren. Die Zahl der Elterntaxis ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen“, erklärt er.
„Das Einzugsbiet der Schule hat sich vergrößert, rund 40 Elterntaxis bei 240 Schülern haben wir gezählt. Häufig bringen Eltern ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit zu Schule – diese Eltern können ihre Kinder nun an den Schulexpress-Haltestellen abgeben.“

Auch Verena Nölle weiß: „Jedes Auto, das im Bereich der Schule parkt, beeinträchtigt die Sicht der Kinder, die die Straße überqueren wollen. Und jedes Auto, das vor der Schule rangiert, stellt eine potenzielle Gefahrenquelle für die Schüler dar.“
Der Start der Aktion wurde in der Schule mit einem Projekttag zum Thema Verkehrssicherheit begleitet. „Unsere Schüler haben das Thema in den Klassen vorbereitet, die Haltestellen kennengelernt, eine Straßenkarte erarbeitet und Laufpartnerschaften gebildet,“ so Erik Eiberger.

Noch mehr Unterstützung hätte sich der Schulleiter von der Polizei erwünscht. „Toll wäre es gewesen, wenn wir die sogenannten ,gelben Füße’ auf dem Weg hätten aufbringen dürfen; hier wurde uns jedoch mitgeteilt, dass diese Art von Markierungen einen grundsätzlichen Weg suggerieren würden und dass den Kinder so die Selbstständigkeit genommen wird, die verkehrliche Situation zu beurteilen und entsprechend zu reagieren. Diese Entscheidung bedauern wir. Natürlich werden wir mit den Kindern weiterhin das richtige Gucken trainieren.“

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