Der unweit gelegene Bucherhof steht unter Denkmalschutz. In seinem „Nahbereich“ darf laut Aussage der Anwohner nicht gebaut werden. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Osdorf

Sorge bei den Anwohnern der Düsterntwiete: Das Grundstück nördlich der Hausnummer 24 – bislang von den Nachbarn und deren Kindern als Treffpunkt und Spielplatz genutzt – soll demnächst bebaut werden. Zwei Mehrfamilienhäuser sind geplant, vor Ort hängt bereits ein Schild mit der Werbung eines deutschlandweit bekannten Massivhaus-Herstellers. Kurzfristig angeordnete Halteverbotszonen kündigen Baustellenverkehr an.
Die Osdorfer sind alles andere als begeistert: „Der Platz ist eine der wenigen freien Flächen, die wir noch haben“, sagt Anwohner Mathias Sinhuber. „Er sorgt für den sozialen Zusammenhalt, jeden Sommer wird hier ein Nachbarschaftsfest gefeiert.“ Auch als Stellfläche für Pkws werde der – zum Teil geteerte – Platz benötigt. „Warum spielt sowas bei der Entscheidung der Baubehörde keine Rolle“, ärgert sich Sinhuber.

Rückblick: Bereits 2006 hatte der Eigentümer ein ähnliches Bauvorhaben beim Amt angemeldet – war aber damit gescheitert, weil er keine Stellplätze nachweisen konnte. „Inzwischen ist man als Bauherr laut Gesetz nicht mehr dazu verpflichtet, für Parkplätze zu sorgen“, erklärt Sven Hielscher, Fraktionschef und Bauexperte der Altonaer CDU. „Dies und die Tatsache, dass Hamburg dringend neue Wohnungen benötigt, hat dazu geführt, dass das Vorhaben genehmigt wurde.“

Geplant sind demnach zwei Häuser mit jeweils drei Stockwerken. Weil laut Bebauungsplan („Osdorf 40“) nur zwei Stockwerke erlaubt sind, wurde nach Auskunft von Sven Hielscher eine Befreiung erteilt.
Gegen diese Genehmigung haben die Anwohner nun Widerspruch beim Bezirksamt eingelegt. Ihre Einwände: „Laut Kaufvertrag für unsere Häuser steht uns der Platz als Pkw-Stellfläche zu“, sagt Hyma Roskamp, eine der Antragstellerinen. Weiterhin monieren die Anwohner, dass der Denkmalschutz des unmittelbar angrenzenden „Buscherhofs“ – ein altes Bauernhaus am Bockhorst – unterlaufen werde.

„Der frühere Eigentümer hat sich jahrelang bemüht, auf seinem Grundstück zu bauen, durfte es aber aus Denkmalschutzgründen nicht“, erinnert sich Roskamp. Warum das Denkmalschutzamt in diesem Fall sein Okay gegeben habe, könne sich keiner der Anwohner erklären. Bezirksamt Altona sowie Denkmalschutzamt haben auf die Anfrage des Elbe Wochenblatts bis Redaktionsschluss nicht reagiert.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo, vielen Dank für diesen Bericht zum Thema „Nachverdichtungswahnsinn“! Hier werden erneut unter Missachtung bestehender baurechtlicher Gesetzgebung sowie den Belangen des Denkmalsschutzes unter politischem Zwang pauschal Baugenehmigungen erteilt. Im Anschluss werden die Einwände der Anwohner ignoriert und verschleppt, und so sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden.

    Leider verlieren wir damit erneut eine bisher toll funktionierende Nachbarschaft, Kinder die täglich gemeinsam vor der Haustür spielen, auf Bäume klettern und auf der Grünflache (Wildnis) die Natur erforschen und Abenteuer erleben. Gebaut wird erneut eine Luxusimmobilie, die auf keinen Fall dazu geeignet ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

    Herzlichen Glückwunsch an die Stadt Hamburg, die sich selber mit dieser Baupolitik die Grundlage der so großen Beliebtheit dieser Stadt entzieht: nämlich ein schöner und grüner Ort zum Leben zu sein!

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