Klima-Aktivisten von Extinction Rebellion Hamburg unterbrachen die Veranstaltung. Foto: pr

Rund 300 Besucher bei der Veranstaltung im Bürgerhaus – Kurze Einlage einiger Klima-Aktivisten

Von Sebastian Grundke, Wilhelmsburg.
Auf Einladung des Vereins Zukunft Elbinsel stellte sich Bürgermeister Peter Tschentscher einer Diskussion mit Wilhelmsburgern. So verlief der Abend mit Hamburgs Bürgermeister.

17 Uhr: Im großen Saal des Wilhelmsburger Bürgerhauses stehen 200 Stühle und auf der Bühne ein Rednerpult. Noch sind keine Gäste da. Moderator Hartmut Sauer bespricht sich mit dem Veranstalter und der Hausleitung. Er wirkt aufgeregt. Kurzfristig haben Mitglieder der Umweltschutzgruppe „Extinction Rebellion“ (ER) eine Art Performance angekündigt.

17.30 Uhr: Stefan Zins hängt im großen Saal Transparente auf, die sich gegen den Bau der Autobahn A26-Ost richten. Er wohnt in Moorburg und ist in einer Bürgerinitiative gegen die Autobahn aktiv.

17.45 Uhr: Nach und nach trudeln Journalisten, Fotografen und Kameraleute ein. Veranstalter Michael Humburg vom Verein „Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg“ geht nochmal das Protokoll durch. Er soll Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) um 19 Uhr vor der Tür begrüßen und dann zur Bühne führen. Einige Autos müssen noch vom Parkplatz weg, um Platz für die Limousine des Bürgermeisters zu machen.

18 Uhr: Inlandsprotollchefin Petra Schulz trifft in einem schwarzen Van ein. Sie bringt zwei Personenschützer für Tschentscher mit, die sich im großen Saal links und rechts der Bühne positionieren. Sie sind vom LKA für den Bürgermeister abgestellt.

18.15 Uhr: Die ersten Gäste kommen. Die Aussage einer Anwohnerin, die schon auf vergleichbaren Veranstaltungen war, ist typisch für die geringen Erwartungen der Bürger an den Termin: „Da wird geredet, geredet, geredet. Und dann darf man mal eine Frage stellen, auf die man dann eine politische Antwort bekommt, die nicht auf den Punkt ist.“ Die Politiker sollten sich nicht wundern, wenn dann alle AfD wählen würden. Sie selbst fände die ‚Faschos‘ allerdings furchtbar.

19 Uhr: Tschentscher kommt. Wie geplant begrüßt Humburg ihn auf dem Parkplatz und führt ihn zur Bühne. Der Saal ist jetzt voll, einige Gäste müssen stehen. Laut Veranstalter sind rund 300 Gäste da. Sauer stellt Tschentscher vor und begrüßt auch Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD), der in der ersten Reihe sitzt.

19.15 Uhr: Die Diskussion mit dem Bürgermeister beginnt. Vertreter verschiedener Initiativen tragen ihre Anliegen vor. Es um geht um Verkehr, Umweltschutz und sozialen Wohnungsbau. Tschentscher reagiert recht unterkühlt und taut nur nach und nach auf.

20 Uhr: Nun fängt die Fragestunde für die Bürger an. Erneut geht es um Verkehr, Umweltschutz und Bauvorhaben. Immer wieder gibt es Zwischenrufe („Was ist mit dem Wald?“), wenn der Bürgermeister etwas sagt. Die Fragenden bekommen meist Applaus – je provokanter die Frage, desto donnernder.

21 Uhr: Etwa zwei Dutzend Mitglieder von ER ziehen mit zwei großen Transparenten auf die Bühne. Hände und Kleidung der Aktivisten sind mit Kunstblut beschmiert. ER-Sprecherin Andrea Piper hält eine Rede zum Klimawandel. Dann überreichen die Aktivisten Tschentscher ein Buch. Der reagiert gelassen, alles bleibt friedlich.

21.10 Uhr: Humburg verabschiedet Tschentscher und bedankt sich für sein Kommen. Vor der Tür des Saals verteilen Aktivisten und engagierte Bürger Flyer und Aufkleber. ER-Sprecherin Andrea Piper: „Für uns war das eine sehr erfolgreiche Aktion, weil wir Aufmerksamkeit auf Klimakatastrophen lenken konnten.“

21.30 Uhr: Die Stimmung unter Veranstaltern und den letzten Gästen ist gelöst. Jeder scheint froh, dass letztlich alles gut gegangen ist. Manuel Humburg sagt: „Allein, dass der Bürgermeister überhaupt gekommen ist, ist ein großer Erfolg für uns. Umso mehr, dass er sich den Fragen der Bürger gestellt hat.“ .

Die Antworten des Bürgermeisters zu A26-Ost, B-Bahn-
erlängerung, Mieten.
Bei strittigen Themen blieb Peter Tschentscher bei seiner bisherigen Linie, erhoffte Zugeständnisse blieben aus. Ein Überblick.

Finanzierung einer neuen Köhlbrandbrücke
Tschentscher: „Wir brauchen natürlich eine neue Köhlbrandquerung. Ich bin im Austausch mit dem Bundesverkehrsminis-terium darüber, wie wir das gemeinsam finanzieren. Der Bund hat uns schon bei der ersten Köhlbrandbrücke finanziell geholfen, und er sollte es auch wieder tun.“

Autobahn A26
„Da befürchte ich, dass Sie größere Sorgen haben, als man haben sollte. Da sind wir an einem Punkt, an dem wir wahrscheinlich heute Abend nicht einig werden. Wenn die A26 eines Tages fertig würde, würde sie viel Verkehr aufnehmen, der sich jetzt noch durch Wilhelmsburg drängelt. (…) Hier werden wir darauf achten – die Planung läuft ja noch – dass wir zum Beispiel versuchen, möglichst vieles als Tunnel auszugestalten.“

U-Bahn bis nach Wilhelmsburg
„Als ich Senatsmitglied wurde, haben wir gesagt, dass die U-Bahn weiter geführt werden muss, mindestens erstmal bis zu den Elbbrücken. Damit der Hauptbahnhof auch entlastet wird. (…) Doch wir müssen erst mal gucken, wie wir mit dem Kleinen Grasbrook vorankommen. Das wäre die nächste Station. Und dann müssen wir mal gucken, ob wir sie nach Wilhelmsburg weiterführen können. Ehrlich gesagt ist das aber nichts, was wir konkret planen.“

Waldrodung im Spreehafenviertel
„Es gibt eben Entwürfe, die zeigen, wo wir in Wilhelmsburg noch attraktive Quartiere entwickeln können. (…) Wir haben dem Naturschutzbund alle Pläne und Flächen gezeigt, die wir in den nächsten Jahren angehen. Und wir haben uns darauf verständigt, dass wir darauf achten werden, dass immer da, wo wir Grünflächen in Anspruch nehmen, darauf achten, im Austausch an anderen Stellen neues Grün schaffen.“

Steigende Mieten in Wilhelmsburg
„In Wilhelmsburg sind Zweidrittel der Mietwohnungen entweder städtische Wohnungen oder Genossenschaftswohnungen. Und da hat mich ein wenig besorgt gemacht, was zu lesen war: Nämlich, dass die Saga um den Wilhelmsburger Bahnhof herum die Mieten erhöht hätte, um 17 Prozent. Und dann habe ich die Saga gebeten, das mal aufzuklären. Und das Ergebnis ist: Die haben 900 Wohnungen in diesem Bereich, und die Mieten sind nicht um 17 Prozent gestiegen, sondern um drei Prozent.“

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank für den Überblick über den Abend! Wir haben uns sehr über den Artikel gefreut. Als aus England stammende Bewegung kürzt sich Extinction Rebellion mit XR ab. Und da wir uns ohne Hierarchien organisieren, haben wir keine offiziellen Sprecher*innen, die für die Bewegung sprechen. An diesem Abend habe ich nur zufällig das Statement verlesen. Aber es ist toll, dass wir so ein positives Feedback vom Publikum erhalten haben!

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