Brigitte Schulz und Heiko Schulz. Foto: cvs

Von Christopher von Savigny. WILHELMSBURG.
Eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Elbinsel feiert an diesem Wochenende ein Jubiläum: Die Honigfabrik wird 40 Jahre alt (s. nebenstehendes Programm). Das Wochenblatt sprach mit Brigitte Schulz (Organisation) und Heiko Schulz (Programmplanung) – übrigens weder miteinander verwandt noch verschwägert – über die anstehende Feier und über die Anfänge der „Hofa“.

Elbe Wochenblatt: Die Honigfabrik feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Worauf können sich die Geburtstagsgäste freuen?
Brigitte Schulz: Auf ganz viel! Wir haben jede Menge Konzerte mit internationalen Musikern im Programm, außerdem Kunstaktionen und Lesungen. Ein Zirkus aus Jena lädt zum Mitmachen ein. Abends ist dann jeweils Party angesagt. 40 Jahre: Das ist unserer Meinung nach eine gute Gelegenheit, es so richtig krachen zu lassen!

Wie kam es zur Gründung der Honigfabrik?
Heiko Schulz: Ich bin einer derjenigen, die seinerzeit dazugehörten. Wir waren eine größere Gruppe von jungen Leuten, vielleicht 30 bis 40 Personen, und alle so um die 16 bis 23 Jahre alt. Das Angebot vom Haus der Jugend (am Rotenhäuser Damm, d. Red.) war uns damals zu dröge geworden. Auf staatliche Sachen hatten wir keinen Bock mehr! Wir wollten unsere Ideen und Vorstellungen von Kultur und Politik umsetzen.
Die Honigfabrik als Standort hat sich angeboten, denn das Haus stand damals weitgehend leer. Nur unten war eine Spedition drin. Wir haben dann erstmal das Dachgeschoss besetzt. Im Laufe der Jahre haben wir uns dann immer weiter nach unten durchgearbeitet – bis uns schließlich ein paar Jahre danach das ganze Haus „gehörte“. Inzwischen sind wir ganz normale Mieter der Stadt Hamburg.

Was bietet die Honigfabrik heute?
Brigitte Schulz: Zum einen das tägliche Kulturprogramm. Darüber hinaus gibt es etliche Kurse und Gruppen, zum Beispiel für Yoga, Volkstanz, Qigong oder auch Chorsingen. Es gibt spezielle Angebote für Kinder und Senioren. Last but not least hat die Hofa immer viele Künstler zu Gast, die die Ateliers hier benutzen dürfen. Da sind immer spannende Gäste darunter: Etwa das „Archipel“ (ein schwimmendes Kulturprojekt, d. Red.) auf dem Veringkanal gleich hinter der Hofa. Ganz neu dabei ist die Gruppe „FabLab“, eine digitale Werkstatt, in der man alles Mögliche über 3-D-Druck und über digitale Musik lernen kann.

Wie finanziert sich das Haus?
Brigitte Schulz: Das Bezirksamt Mitte kommt für Miete, Personal- und Betriebskosten auf. Alles, was darüber hinausgeht, müssen wir selbst erwirtschaften. Die Künstler zahlen nur ihre Nebenkosten. Dafür haben sie die Verpflichtung, den Besuchern mindestens ein Drittel ihrer Zeit zur Verfügung zustellen. Unsere Geburtstagsfeier ist übrigens eine gute Gelegenheit, den Kreativen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen!

Ich stelle mir vor, dass sich in 40 Jahren ganz schön viel geändert hat. Erzählen Sie doch mal!
Heiko Schulz: Am Anfang war es natürlich auch anstrengend, weil vieles nicht so funktioniert hat, wie wir uns das vorstellten. Es war alles „Learning by Doing“. Aber dieser Prozess hat auch Spaß gemacht und dazu geführt, dass wir uns weiterentwickelt haben. Und heute stehen wir hier und feiern 40 Jahre Honigfabrik. Nicht schlecht, oder?

Brigitte Schulz: Wilhelmsburg hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Es leben hier deutlich mehr junge Leute, wovon wir natürlich auch profitieren. Auch in der Presse kommt die Elbinsel inzwischen viel besser weg.
Früher war es immer schwierig, überhaupt etwas Positives über Wilhelmsburg zu finden!

So wird gefeiert

Freitag, 20. September
19 Uhr: Ausstellungseröffnung „40 Jahre Honigfabrik“ mit szenischer Lesung,
Geschichten und Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten.
ab 22.30 Uhr: Party im Café Pause

Sonnabend, 21. September
ab 14 Uhr: Künstlerisches, Buntes und Schräges auf dem Hof, den Hausbooten, Ateliers, Werkstätten, auf der Schute und in der Autohalle. Mit dabei sind Creative Broedplaats De Blauwe Reiger Almere (Niederlande), Streetart, Jugendbrassband (Athen), Chasing Cookies (Wilhelmsburg) und die Gruppen Folkstanzwirbel, Musica Altona, Make Some Noiz (Athen).
ab 20.30 Uhr: Partynacht mit „Radio Sol“ aus Athen und „Reggaedemmi“ aus Hamburg (Reggae, Ska, Hip-Hop, Greek Folk).
23.00 Uhr: Aftershow-Party im Café Pause.

Sonntag, 22. September
12 Uhr: Lesung und Konzert „Die Geschichte der Swing-Jugend Wilhelmsburg und ihre Verfolgung während der Nazizeit“. Musik: Klotz Quintett
15 Uhr: Folkstanzwirbel (Konzert und Tanz)
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenlos.

Adresse: Honigfabrik,
Industriestraße 125-131.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here