Rund 432.000 Euro hat Grün-Weiß Eimsbüttel für den Bau des Kunstrasenplatzes ausgegeben. „Den Kredit müssen wir noch fünf Jahre abzahlen“, sagt GWE-Geschäftsführer Jürgen Hitsch. Foto: oz

Olaf Zimmermann, Hamburg

Nur wenige Vereine besitzen eigene Sportanlagen, noch weniger Clubs eigene Kunstrasenplätze. Grün-Weiß Eimsbüttel (GWE) und der Harburger Turnerbund (HTB) gehören dazu – und habe beide das gleiche Problem. Ihre Kunstrasenplätze sind mit Gummigranulat befüllt. Die Verwendung dieses umweltschädlichen Materials möchte die EU möglichst schnell deutlich reduzieren. Sogar über die Sperrung von Kunstrasenplätzen wird spekuliert. Welche Auswirkungen hätte das für die beiden Vereine?
Der Kunstrasenplatz auf der Sportanlage Tiefenstaaken, der Heimat von Grün-Weiß Eimsbüttel, entstand im Jahr 2011. 432.000 Euro wurden verbaut, stolze 80 Prozent finanzierte der Verein selbst. „Den Rest müssen wir noch fünf Jahre abzahlen“, sagt GWE-Geschäftsführer Jürgen Hitsch. „Unser Kunstrasen war damals das beste, was es gab. Befüllung mit Kork war noch kein Thema.“

Rund 25 GWE-Teams spielen und trainieren auf dem Kunstrasen, der sich immer noch in einem tadellosen Zustand befindet. „So ein Platz soll zwischen 12 und 15 Jahre halten“, erzählt der GWE-Geschäftsführer, „wir schaffen hier bestimmt neun Jahre mehr.“

Einem möglichen Verbot von Gummigranulatbefüllungen auf Kunstrasenplätzen steht Jürgen Hitsch aufgeschlossen gegenüber. „Wir sind ja auch Teil dieser Welt, die Mikroplastik-Problematik betrifft uns alle.“ Die Umrüstung auf eine umweltverträgliche Korkbefüllung würde rund 100.000 Euro Kosten. „Dafür benötigen wir Unterstützung durch den Bezirk“, so Geschäftsführer Hitsch und fügt an: „Wir machen Sozialarbeit im Stadtteil.“

Der Harburger Turnerbund hat seine beiden Kunstrasenplätze an der Jahnhöhe bereits 2008 für insgesamt 700.000 Euro errichtet. „Sämtliche Umweltvorschriften wurden berücksichtigt. Auch heute bestehen keine abweichenden Umweltvorschriften“, stellt HTB-Geschäftsführer Torsten Schlage klar. 34 Fußballmannschaften trainieren und spielen auf den Plätzen, auch die American Football-Teams sowie die eine Cricket-Mannschaft.

Die beiden HTB-Plätze haben das Ende ihrer Nutzungszeit fast erreicht. Thorsten Schlage: „Wir gehen von einem Ersatzbedarf zwischen 2020 und 2025 aus. Ein Verbot des Neubaus von Kunst-rasenplätzen mit Gummigranulat wird, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren kommen. Deswegen sehen wir keinen akuten Handlungsbedarf.“
Wenn dann auf den HTB-Plätzen der Kunstrasen ausgetauscht werden muss, soll auf jeden Fall eine Variante ohne Gummigranulat verwendet werden.

Gummigranulat auf Kunstrasenplätzen:
in Hamburg kaum ein Thema

Das umstrittene Material liegt nur auf neun städtischen und sieben vereinseigenen Sportanlagen

In Hamburg gab es 2018 insgesamt 88 städtische Kunstrasenplätze. Neun dieser Plätze sind mit Gummigranulat verfüllt. Dieses Material wurde auch auf sieben vereinseigenen Anlagen benutzt. Von den betroffenen städtischen Plätzen kann das Gummigranulat problemlos entfernt und durch Quarzsand ersetzt werden.

Die Kosten dafür belaufen sich auf 5.000 bis 10.000 Euro pro Großspielfeld.
Warum werden zunehmend Kunstrasenplätze gebaut? Sie können wesentlich intensiver genutzt werden als Naturrasenplätze: zwischen 2.000 bis 2.500 Stunden pro Jahr, Naturrasenplätze kommen auf 400 bis 800 Stunden/Jahr. „Der Bau von Kunstrasenplätzen ist ein Beitrag zur effizienteren Flächennutzung und zur Reduktion des Flächenverbrauchs“, heißt es aus der Umweltbehörde.

Kunstrasenplätze unterscheiden sich in Bauweise und Baumaterial. Das als Einstreumaterial verwendete Gummigranulat, das bereits wegen des Gehalts an krebserregenden „Polyaromatischen Kohlenwasserstoffen“ (PAK) in die Kritik geraten war, zählt laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts mit zu den Hauptverursachern der Meeresverschmutzung durch Mikroplastik. „Dieses Kunststoff-Einstreugranulat wird in Hamburg auf öffentlichen Kunst-rasen-Spielfeldern bereits seit Jahren nicht mehr verwendet“, teilt die Umweltbehörde mit.

Seit 2010/2011 werden öffentliche Kunstrasenplätze in Hamburg in der Regel mit Quarzsand verfüllt. „Dieser erfüllt die städtischen Ansprüche an Sportfunktion, Wirtschaftlichkeit, Haltbarkeit, Pflege und Nachhaltigkeit und schafft zudem einheitliche Verhältnisse im Stadtgebiet“, so die Umweltbehörde.

Zwischen 2014 und 2018 wurde im Rahmen eines Pilotprojektes auf vier Sportanlagen die Verwendung von Korkgranulat statt Quarzsand getestet. Mit Erfolg. „Sofern Granulat als Füllstoff sportfunktionell erforderlich ist, soll in Hamburg nach aktuellem Sachstand Korkgranulat zur Anwendung kommen“, erklärte ein Behördensprecher auf Anfrage.

Kunstrasenplätze mit Gummigranulat
Die folgenden neun städtischen Spielfelder wurden mit Gummigranulat befüllt: Bezirk Mitte: Feldstraße, Öjendorfer Weg,
Bezirk Altona: Sternschanze (Dänenweg)
Bezirk Eimsbüttel: Bundesstraße, Hohe Weide, Lokstedter Steindamm (2 Plätze)
Bezirk Bergedorf: Auf dem Sülzbrack, Gramkowweg.
Vereinseigene Sportflächen mit Gummigranulat-Verfüllung.
In den Bezirken Harburg und Nord sind keine städtischen Spielfelder betroffen.

Vereinseigene Spielfelder mit Gummigranulat
Bezirk Eimsbüttel: FC St. Pauli Leistungszentrum Kollaustraße (2 Plätze); FC St. Pauli Leistungszentrum Brummerskamp; ETV Sportplatz Lokstedter Steindamm;  Grün-Weiß Eimsbüttel Sportplatz Tiefenstaaken
Bezirk Harburg: HTB Jahnhöhe (2)

Problem Mikroplastik
Tausende Tonnen kleinster Plastikteilchen verschmutzen die Weltmeere, werden dort von Meerestieren gefressen, ziehen Umweltgifte an. Als Hauptverursacher dieser nicht einmal fünf Millimeter großen Mikro-
plastik genannten Partikel gelten unter anderem der Reifenabrieb von Pkw, Abrieb von Bitumen im Asphalt sowie Verwehungen von Kunstrasenplätzen.

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