Einschüchterne Atmosphäre: Der Umweltausschuss der Bürgerschaft hatte die Klimaschützer ins Rathaus eingeladen. Foto: pr

ALICIA HAGEMANN, HAMBURG

Sie wollen gehört werden: Seit einem halben Jahr gehen Hamburger Schüler und Studenten freitags auf die Straßen, demonstrieren für Klimaschutz. Ein Bestreben der Protestierer: der Dialog mit Hamburger Politikern. Mitte August kamen sie dem Ziel näher: Der Umweltausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft lud einige Fridays for Future-Vertreter zum Gespräch ins Rathaus ein. Die Demonstranten präsentierten zum ersten Mal den kompletten Inhalt ihres Forderungskatalogs.

Im Festsaal des Rathauses warteten die Ausschussmitglieder angespannt auf die Forderungen der Klimaschützer. Zahlreiche Medienvertreter saßen bei der Sitzung im Publikum. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie erklärte die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel. Arnaud Boehmann von Fridays for Future beklagte, dass nach wie vor zu wenig getan werde: „Wir haben bereits 20 Jahre seit den ersten Klimaverträgen verloren.“

„Teilweise wurden wir
abgfertigt und belehrt“

Auf einige Forderungen reagierten die Politiker durchaus positiv, darunter: der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder Maßnahmen innerhalb der Bildungspolitik, Aufklärung von Schülern zu Umweltfragen.

Als es aber um den Hamburger Hafen oder den Flughafen ging, wurden die Forderungen von den Abgeordneten kritischer gesehen. Forderungen wie die Reduktion des Flugverkehrs. ,,Das braucht Zeit“, hieß es dann. ,,Es hieß, wir würden zu emotional reagieren. Dabei ist unsere Emotion eine Konsequenz aus den Fakten“, so Boehmann. Der Student ist seit Mai aktiver Teil der Fridays for Future–Bewegung. Als Pressesprecher redet er bei öffentlichen Veranstaltungen und übernimmt zudem organisatorische Aufgaben.

Mit vielen Themen hätten sich die Ausschussmitglieder laut Boehmann, reflektiert und sachlich auseinandergesetzt. Teilweise müsse man aber eben doch dagegen ankämpfen nicht abgefertigt zu werden. Boehmann: „Belehrungen der Politiker sind auch nicht ganz ausgeblieben.“ Generell wünscht sich Fridays for Future noch mehr „Kommunikation auf Augenhöhe“, so Boehmann. „Wir wollen nicht als Schüler mit kleinen Herzenswünschen betrachtet werden.“
Besonders wichtig ist für den Studenten auch die Forderung nach einem Vetorecht für die Umweltbehörde: Anstatt eines Finanz-Budgets solle es ein CO2-Budget geben, das auf alle Behörden verteilt werden würde. Die Umweltbehörde könnte von ihrem Vetorecht Gebrauch machen, sobald ein anderes Ressort das CO2-Ziel nicht einhält. Ähnliches plant die Bundesumweltministerin für die Bundesregierung.

Das Hauptziel der Klimaaktivisten in Hamburg ist laut Boehmann nach wie vor: ,,die Gedanken so zu verändern, dass die Leute die Dringlichkeit der Klima-Situation verstehen.“ Das Gespräch mit der Hamburgischen Bürgerschaft sei ein Meilenstein auf dem Weg dahin gewesen.

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