Julita Jönnson ist an den Rollstuhl gefesselt und kann sich nicht um ihren kranken Mann kümmern. Gegen den vom Gericht bestellten Betreuer erhebt sie schwere Vorwürfe. Foto: karin istel

Von Karin Istel, HARBURG.
Julita Jönnson sitzt in ihrem Rollstuhl und ist verzweifelt. „Ich kann mich nicht um meinen Mann kümmern“, sagt die Harburgerin mit einem Schluchzen in der Stimme. „Wie soll ich das machen?“ Die 63-Jährige kann sich nur unter größten Schmerzen wenige Schritte fortbewegen. Das Problem: Ihr Mann Dieter leidet an Gedächtnisverlust und lässt niemanden an sich heran. „Er weigert sich, sich zu waschen oder sich umzuziehen. Also hat er einen Betreuer bekommen. Doch der kümmert sich um nichts“, beschreibt Julita Jönnson. „Ich halte das nicht mehr aus!“
Das Drama begann im April 2017. „Ich kam mit einem komplizierten Oberschenkelbruch ins Krankenhaus. Mein Mann hat nicht begriffen, dass ich im Krankenhaus war, obwohl ich mit einem Rettungswagen abgeholt wurde“, sagt Julita Jönnson. „Da ist mir bewusst geworden, dass mit meinem Mann etwas nicht stimmt.“ Seit diesem Unfall sitzt sie im Rollstuhl, ist gehbehindert, braucht selbst ärztliche Versorgung. „Beim Betreuungsverein Harburg habe ich dann einen Antrag gestellt, dass mein Mann einen Betreuer bekommt.“
Das Amtsgericht Harburg bestellte Rechtsanwalt Friedbert Schönfeld. „Er soll sich um
die Gesundheitsfürsorge meines Mannes kümmern, die ambulante Versorgung organisieren. Doch er hat sich nur um die Vermögensvorsorge gekümmert“, erhebt Jönnson schwere Vorwürfe gegen den Betreuer.

Das Ehepaar Jönnson lebt getrennt in
der ehelichen Wohnung.
Friedbert Schönfeld,
Rechtsanwalt und
eingesetzter Betreuer

Doch das ist noch nicht alles: „Mein Mann lässt keinen an sich heran, er wäscht sich nicht, wechselt seine Kleidung nicht und
kotet sich ein. Doch das hat den Betreuer nicht interessiert. Ich will einen anderen Betreuer, denn ich kann nicht mehr!“, so Julita Jönnson.
Was sagt Rechtsanwalt Schönfeld zu all den Vorwürfen? „Aufgrund der anwaltlichen Schweigepflicht, die mich als Betreuer bindet, kann ich zu diesem Vorgang keine Auskunft geben.“ Doch eines stellt er noch klar: „Das Ehepaar Jönnson lebt getrennt in der ehelichen Wohnung.“ Das bedeutet: Die Jönnsons leben zwar noch gemeinsam in einer Wohnung, aber jeder führt seinen eigenen Haushalt. Dazu sagt Julita Jönnson: „Wir sind seit 35 Jahren verheiratet.“
Jetzt soll ein Gutachten klären, ob Dieter Jönnson in einer
geschlossenen Pflegeeinrichtung untergebracht werden kann.

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