Bürgerbeteiligung als Theaterstück: die Autorin und Projektverantwortliche Dagrun Hintze. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Bahrenfeld

Spreewaldgurken dürften den allermeisten Hamburgern schonmal auf den Teller gekommen sein. Ebenso der „Broiler“ – das an vielen ostdeutschen Imbissbuden angebotene und allzeit gern verspeiste Brathähnchen. Auch den Begriff „Plaste und Elaste“ hat man vielleicht schonmal gehört. Schwieriger wird es mit Pittiplatsch und Schnatterinchen – zwei Figuren aus dem Ost-Kinderfernsehen. Welcher Norddeutsche kennt die schon?

30 Jahre nach der Wiedervereinigung startet das Lichthof-Theater in der Mendelssohnstraße jetzt ein Stück, das die allgegenwärtige „Mauer in unseren Köpfen“ ein wenig kleiner machen möchte: Das Projekt „Rübermachen – ein interkulturelles Training für Ost-und Westdeutsche mit 30 Jahren Verspätung“ startet im September und wendet sich an alle Hamburger, die ein „begründetes Interesse am Kulturaustausch zwischen Ost- und Westdeutschland“ mitbringen. Partnerbühne ist das WUK („Werkstätten und Kultur“) Halle. Interessenten können sich noch bis Sonntag, 8. September, anmelden (s. u.).

Hintze hatte bereits „Staging Democracy“ inszeniert

Die Projektidee stammt von der Theaterautorin Dagrun Hintze, die für das Lichthof-Theater bereits mit Erfolg das Bürgerbeteiligungsschauspiel „Staging Democracy“ konzipiert hat. Das Stück hatte großen Anteil daran, dass die Bahrenfelder Bühne letztes Jahr den Barbara-Kisseler-Preis entgegennehmen durfte.

„Die Spaltung ist nach wie vor da“, sagt Hintze, die zuletzt ein Jahr am Dresdner Theater gearbeitet hat und dabei nicht nur mit offenen Arme empfangen wurde. „Ich habe kapiert, dass man als Wessi mindestens dreimal so freundlich sein muss“, berichtet sie.

Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen von Chemnitz hätten schließlich den Ausschlag gegeben. „Schon als 16-jährige Austauschschülerin auf dem Weg in die USA habe ich damals so etwas wie Verhaltensregeln in die Hand bekommen. Warum sollte das nicht auch hier funktionieren?“

Die angekündigten „interkulturellen Trainings“ finden an zwei Wochenenden statt – einmal in Halle, einmal in Hamburg. Dort sollen sich die Teilnehmer (jeweils neun) näher kennenlernen, ihre gegenseitigen Lebensgeschichten vergleichen und Konflikte herausarbeiten. Aus den Ergebnissen entsteht im Anschluss ein Theaterstück. „Die Proben- und Aufführungstermine stehen bereits fest – obwohl wir noch nichts in der Hand haben“, sagt Hintze. „Das ist jedesmal wieder ein Abenteuer.“

❱❱ Interessenten ab 18 Jahre schicken ihre Bewerbung,
in der sie ihre Beweggründe für die Teilnahme schildern, bis einschließlich Sonntag, 8. September, an das Lichthof-Theater.
Kontakt und Infos:
www.lichthof-theater.de/ruebermachen.html

Zeitplan:
Sonnabend, 21. September: Auswahl-Workshop
Sonnabend, 5. Oktober:
Kennenlerntreffen der Hamburger Gruppe
Wochenende 11. bis 13.
Oktober: Interkulturelles Training in Halle
Wochenende 1. bis 3. November: Interkulturelles Training in Hamburg
März 2020: Probenbeginn für das Theaterstück

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