Stilvoll auf die Bahn warten: Der ehemalige Wartesaal im Harburger Fernbahnhof wird heute für Kunstausstellungen genutzt. Foto: KVHBF

Gaby Pöpleu, HAMBURG-SÜD.
Den Michel kennt jeder Hamburger, und auch das Bismarck-Denkmal ist den meisten ein Begriff. Auch in Harburg stehen bedeutsame Bauwerke, die an Vergangenes erinnern. An den Tagen des Offenen Denkmals vom 6. bis zum 8. September öffnen viele von ihnen für Sonderveranstaltungen. Eine Auswahl:
– Das Kontor- und Wohnhaus Kanalplatz 6 wurde 1854 vom Harburger Kaufmann L. W. Brammer als Wohnhaus mit damals als „Comptoir“ bezeichnetem Büro erbaut. Heute wird das Haus am Rande des Hafens vom Verein Kulturwerkstatt genutzt. Teile der
historischen Kontorausstattung sind erhalten. Geöffnet Sonntag, 12 bis 18 Uhr. Um 15 Uhr gibt’s Einblicke in die Bau- und Firmengeschichte.
– Im prunkvollen ehemaligen Wartesaal der Ersten Klasse des Harburger Bahnhofs ist heute ein Kunstverein untergebracht. Der Raum ist einer der wenigen erhaltenen Versammlungsräume mit freistehender Deckenkonstruktion und die letzte historische Bahnhofswartehalle Hamburgs. Am Sonnabend führen um 12.30, 14 und 15.30 Uhr Bahnhofs- und Eisenbahnexperten herum. Geöffnet ist Sonnabend von 12 bis 18, Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
– Der Liebherr-Portalkran am Lotsekai von 1972 symbolisiert die industriell-gewerbliche Epoche der etwa 1.000-jährigen Geschichte des Harburger Binnenhafens. Denkmalgerecht saniert ist der betriebsbereite und begehbare „Kulturkran“ heute ein Open-Air-Veranstaltungsort. Geöffnet ist Sonntag von 12 bis 18 Uhr, mit Führungen, Schaukranen und musikalischem Frühschoppen um 12 Uhr.
– Der blaue Peiner-Werftkran W40 wurde 1960 für sechs Tonnen Nutzlast gebaut und von der Firma Neven und Grube Lotsekai für den Umschlag von Futtermitteln eingesetzt. Die Kulturwerkstatt Harburg hat ihn übernommen, 2016 wegen der Kai- und Oberflächensanierung abgebaut und instand gesetzt.
Später soll er für Schau-Kranungen in Betrieb genommen werden. Am Sonntag von 12 bis 18 Uhr sind laufend Führungen.
– Der Speicher am Kaufhauskanal, heute ältester Großspeicher Hamburgs, wurde 1827 gebaut. 1881 musste das damalige „Neue Kaufhaus“ dem Bau der Eisenbahn nach Stade weichen, wurde an seinem jetzigen Standort in der Blohmstraße 22 wieder aufgebaut. Heute finden hier Kulturveranstaltungen statt. Geöffnet ist am Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Führungen beginnen laufend nach Bedarf.
– Das Friedrich-Ebert-Gymnasium wurde 1928 gegründet und ist das zweitälteste Gymnasium Hamburgs. Schulgebäude und Halle enstanden 1929/30 nach Entwürfen von Nicolas van Taack-Takranen.
Die Backsteingebäude gelten als typische Bauhausbauten, verwirklichten die Prinzipien von Hamburgs Baudirektor Fritz Schumacher für neue Schulgebäude. Geöffnet am Sonntag von 14 bis 17 Uhr, mit Führungen.
– Seit 1994 liegen ehemals segelnde Berufsfahrzeuge im Kutterhafen Finkenwerder am Köhlfleet Hauptdeich. Die stählernen Ewer „Frieda“ und „Johanna“ transportierten Baumaterial aus den Ziegeleien der Unterelbe, Obst und Gemüse aus dem Alten Land und Stückgüter wie Kisten und größere Gepäckstücke. Außerdem zu sehen: der kleine Haseldorfer Ewer „Die Veränderung“, der ehemalige Fischkutter „HF 329 Wilma“ und die ausrangierte Hafenfähre „Altenwerder“. Geöffnet ist am Sonnabend von 11 bis 17 Uhr, am Sonntag bis 16 Uhr, mit Führungen nach Bedarf.
– Die von Fritz Schumacher 1926 entworfene Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder wurde 2014/15 renoviert. 2016 legte man Dekorationsmalerei am Bogensturz frei. Die Kapelle wird heute von der Finkenwerder Geschichtswerkstatt für Ausstellungen und andere Veranstaltungen genutzt. Außerdem besuchen viele Schulklassen den geschichtsträchtigen Ort mit Kriegsgräbern aus zwei Weltkriegen. Am Tag des Offenen Denkmals sind außerdem Art-Brut-Collagen von Anja Scheffler-Rehse, Metallskulpturen von Jens Homann und Nachtfotografien von Hendrik Schomburg zu sehen. Geöffnet ist am Sonnabend von 11 bis 18 Uhr, am Sonntag bis 16 Uhr. Führungen werden nach Bedarf angeboten. Mit Familienprogramm. E Das ehemalige Hannoversche Amtshaus, Kirchdorfer Straße 163, wurde 1724 auf den Grundmauern des Schlosses der Groten erbaut. Davon sind noch der Gewölbekeller sowie der Burggraben vorhanden. Heute informiert dort ein Museum über Geschichtliches der Elbinsel Wilhelmsburg. Geöffnet ist am Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Führungen – auch für Blinde – nach Bedarf, mit Familienprogramm. Um 10 Uhr beginnt ein Open Air-Gottesdienst vor dem Amtshaus.
– Die Windmühle „Johanna“, Schönenfelder Straße 99a, wurde 1875 als zweistöckiger Galerieholländer errichtet und ist heute das Wahrzeichen der Elbinsel Wilhelmsburg. Die reetgedeckte Mühle mit steinernem Unterbau wird auch gern als „Hochzeitsmühle“ genutzt. Sie besitzt noch eine umfangreiche und funktionsfähige technische Ausstattung, bestehend aus vier Mahlgängen, Elevator, Sichter, Silos, Mischer, Sackaufzügen und Getreidequetsche. 1997/98 restaurierte der Mühlenverein das technische Denkmal vollständig. 2013 wurde das Backhaus nach historischem Vorbild neu erstellt. Die Mühle, Mühlenladen und Backhaus sind am Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Mit Vorführungen der Mühlentechnik und Familienprogramm.
– Die katholische Kirche plante für das nach der Flutkatastrophe neu entstandene Zuzugsgebiet Kirchdorf eine Kirche mit Gemeindezentrum. Das 1974 fertiggestellte Werk von Jo Filke ist Maximilian Kolbe, einem in Ausschwitz ermordeten polnischen Priester, gewidmet. Besonders auffällig: die sich zum Himmel empor windende Turm-Spirale. Anfang 2015 entwidmet, wird die Kirche künftig den Aktivitäten der Malteser dienen. Derzeit wird der Innenraum ausgebaut und die Fassade saniert. Für die Umgestaltung des Innenraums fand 2016 ein Wettbewerb statt. Die Gewinner „LH Architekten“ führen am Denkmaltag um 13 Uhr durch das Gebäude. Treffpunkt ist vor dem Eingang der benachbarten Pflegeeinrichtung
Das vollständige Programm mit allen Denkmälern gibt’s unter

❱❱ www.denkmalstiftung.de/
denkmaltag

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