Ch. v. Savigny, Ottensen

Am vergangenen Wochenende ist in Ottensen der Startschuss für ein Verkehrsprojekt gefallen, das bundesweite Beachtung gefunden hat: Die Straßen rund um den Spritzenplatz bleiben bis Februar nächsten Jahres für den motorisierten Verkehr gesperrt – Fußgänger und auch Radfahrer (in Schrittgeschwindigkeit) haben somit ab sofort die Möglichkeit, die Fahrbahn in ihrer ganzen Breite zu nutzen.

Sinn und Zweck des Versuchs „Ottensen macht Platz – Flanierquartier auf Zeit“ ist es, Alternativen für den Autoverkehr aufzuzeigen. Die Bezirksversammlung Altona hatte im März ihr Einverständnis für das zuvor lange diskutierte Projekt gegeben.

Auch die Bürgerinitiative „Ottenser Gestalten“ hatte sich im Vorfeld für ein autofreies oder zumindest autoärmeres Ottensen eingesetzt. „Prinzipiell begrüßen wir das Vorhaben, weil es den Fußgängern den Raum zurückgibt, den sich das Auto in den letzten Jahren genommen hat“, sagt Johannes Michaelsen, einer der Initiatoren.

Doch die Ottenser Gestalten üben auch Kritik. „Im Grunde ist es eine Einzelmaßnahme, die mehr Probleme schafft, als sie löst“, so Michaelsen. Zwar habe die Verwaltung den Anwohnern Ersatz für die weggefallenen Stellplätze angeboten, doch die Ini befürchtet trotzdem, dass der Parkplatz-Suchverkehr deutlich zunehmen wird. „Anwohner, Besucher und Lieferanten werden verstärkt in den Nebenstraßen unterwegs sein, um dort einen freien Platz zu finden“, befürchtet Michaelsen.

Was fehle, sei ein übergreifendes Verkehrsleitsystem, dass den gesamten Autoverkehr im Stadtteil in vernünftige Bahnen lenke. Unter anderem setzen sich die „Ottenser Gestalten“ für Anwohnerparken ein. Weiterhin werden Radwege gefordert. Vielerorts mache Kopfstein-pflaster das Radfahren unbequem und bei regennasser Fahrbahn sogar gefährlich. Insgesamt verspreche das Projekt weitaus mehr, als es einlösen könne: „Das autofreie Ottensen, als das es ursprünglich angekündigt wurde, bleibt auch weiterhin Wunschdenken“, so Michaelsen.

Info
Bis zum 29. Februar 2020 sind die Bahrenfelder Straße zwischen Klausstraße und Alma-Wartenberg-Platz, die Ottenser Hauptstraße zwischen Spritzenplatz und Mottenburger Straße sowie jeweils ein Teil der Großen Rainstraße und der Erzberger Straße autofrei. Ausnahmen: Taxis sowie Lieferfahrzeuge (zwischen 23 und 11 Uhr) dürfen die gesperrten Abschnitte nutzen, ebenso Anwohner, die über einen Hinterhof- oder Tiefgaragenparkplatz verfügen. Radfahrer dürfen durch, E-Scooter-Fahrer jedoch nicht.
In drei Parkhäusern in der Umgebung stellt die Stadt vergünstigte Stellplätze für Dauerparker zur Verfügung (ab 75 Euro pro Monat). Kurzzeitparker haben die Auswahl zwischen sechs Parkhäusern. Auf Parkmöglichkeiten soll verstärkt hingewiesen werden.

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