Auch wenn es ab und an anders aussieht: Am Ende gewinnt immer der Automat. Foto: BZgA

Telefonaktion zur Glücksspielsucht: Experten der
Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung beantworteten Fragen der Wochenblatt-Leser

Von Birgit Malchow, Hamburg/Berlin.
Glücksspiel bringt selten Glück. Diese Erfahrung haben offensichtlich viele Wochenblattleser gemacht – entsprechend rege war die Nachfrage bei der Telefonaktion zum Thema Glücksspielsucht. Hier eine Übersicht über die häufigsten Fragen und die Antworten der Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Wir unterstützen unseren Sohn (19) finanziell während seiner Ausbildung. Jetzt kam heraus, dass er online um Geld spielt. Was können wir dagegen tun? Er ist volljährig
Sagen Sie ihm klar und deutlich, dass Sie seine Ausbildung gern finanzieren, nicht aber sein Glücksspiel. Spielt er trotzdem weiter, können Sie Ihre finanzielle Unterstützung verändern, zum Beispiel die Miete direkt an den Vermieter und die Ausbildungskosten direkt an die Fachschule überweisen. Vielleicht lässt sich das Geld für Nahrungsmittel auch in kleine, wöchentliche Raten verteilen. Kündigen Sie aber keine Veränderungen an, zu denen Sie nicht wirklich bereit sind. Sie müssen komplett dahinterstehen, sonst werden Sie nicht ernst genommen.

Mir graut vor einem solchen Gespräch. Er ist unser einziger Sohn …
So ein Gespräch ist nicht angenehm. Aber wenn Sie das Geld weiter wie bisher fließen lassen unterstützen Sie de facto das Glücksspiel Ihres Sohnes. Bei der Vorbereitung auf ein solches Gespräch können Sie sich Hilfe holen, zum Beispiel bei Beratungsstellen, die auf Glücksspielsucht spezialisiert sind. Unter www.check-dein-spiel.de finden Sie eine Rubrik für Angehörigen, in der Sie neben weiteren Informationen auch Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in Ihrer Nähe angezeigt bekommen.

Mein Sohn (29) wohnt noch bei mir. Er verdient gut, spielt aber nächtelang am Computer und hat dabei viele Geld verloren. Auf meine Einwände reagiert er überhaupt nicht. Das macht mich regelrecht krank. Was kann ich tun?
Loslassen – Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann. Nur er selbst kann entscheiden, ob er spielen will oder nicht. Bisher sind ihm daraus ja keine gravierenden Nachteile entstanden. Sie lassen ihn mietfrei bei sich wohnen, kaufen ein, machen sauber… Er wird sein Leben bestimmt nicht ändern wollen. Es mag hart klingen, aber eine Chance auf Veränderung hat er nur, wenn Sie Ihren Service einschränken. Sie können von ihm Kostgeld und einen Anteil an der Miete verlangen und sie können ihn in die Hausarbeit einbeziehen. Wenn er sich diesen Maßnahmen verweigert wäre zu überlegen, ob ein gemeinsames Wohnen Ihnen noch guttut.

Bisher fand ich es ganz gut, dass mein Freund mit Pokern Geld verdient. Aber in letzter Zeit verliert er immer öfter, spielt aber immer mehr. Kann daraus eine Sucht werden?
Leider ist die Suchtwirkung des Glücksspiels nicht so bekannt wie beispielsweise die von Heroin. Um es klar zu sagen: Die Gefahr ist groß, dass Ihr Freund in eine Sucht mit allen negativen Folgen abrutscht. Vielleicht hat er schon selbst das Gefühl, dass ihm durch das Spiel zu viel Geld verloren geht, und Sie können ihn dazu bewegen, über Wege aus der Sucht nachzudenken. Beratungsstellen, die sich auf Glücksspielsucht spezialisiert haben, wären für ihn eine gute Anlaufstelle. Adressen stehen unter www.check-dein-spiel.de.

Mein Nachbar ist Türke. Wir sind befreundet. Er zockt extrem viel am Computer, will das nicht mehr, kommt aber nicht davon los. Wo findet er Hilfe? Er spricht sehr schlecht deutsch.
Kostenloste Beratung in türkischer Sprache bei Glücksspielsucht findet man auch unter www.check-dein-spiel.de

Telefonberatung zur
Glücksspielsucht:
Tel 0800/1372700 (Mo-Do 10-22 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr)
❱❱ www.check-dein-spiel.de
❱❱ www.spielen-mit-verantwortung.de
❱❱ www.bzga.de/infomaterialien

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