Die Rettungswege müssen so hergerichtet sein, dass auch die Evakuierung nicht gehfähiger Personen von den Gleisanlagen möglich ist, hatte die Feuerwehr gefordert. Foto: rotschuh
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Heftige Kritik vom Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg: Keine Chance für Gehbehinderte, wenn bei einem Unfall Hunderte S-Bahn Fahrgäste evakuiert werden müssen? 

Siegmund Borstel/Zukunft Elbinsel. WILHELMSBURG. Für den Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg gibt es bei der neuen Trasse der Reichsstraße erhebliche Sicherheitsmängel.
„Zur Neuenfelder Straße führt eine neue Treppe. Sie soll die Flucht aus dem Gleisbereich ermöglichen, im Falle der Evakuierung von Zügen oder von Unfällen auf der Strecke – die hoffentlich nie kommen, aber auf die man vorbereitet sein muss. Die Treppe ist 1,60 Meter breit und hat 50 Stufen. Außer ihr gibt es noch eine Tür in der Lärmschutzwand, durch die man auf einen kleinen gepflasterten Bereich zwischen Lärmschutzwand den hohen Schutzplanken vor der vierspurigen neuen Wilhelmsburger Reichsstraße gelangen kann“, sagt Michael Rotschuh (Zukunft Elbinsel).
Die Feuerwehr hatte bei der Planfeststellung für die Wilhelmsburger Reichsstraße und die Umbaumaßnahmen der Bahn Bedingungen gestellt: Im Falle eines Unfalls können sich bis zu 1.000 Menschen im Bereich der Gleise befinden. Flucht- und Rettungswege müssen darauf ausgelegt sein. Auch müssen die Rettungswege so hergestellt sein, dass eine Evakuierung von gehbehinderten Personen möglich ist.
Was passiert wirklich, wenn 500 oder 1.000 Menschen auf diesem Weg aus dem Gefahrenbereich fliehen müssen? Rotschuh: „Sie müssten zunächst über mehrere Gleise klettern, um zur Treppe zu gelangen. Und: 50 Stufen, das ist für viele schon im Normalfall schwierig. Wie ist es nach einem Unfall, nach einer Evakuierung eines Zuges, bei dem in der Regel alle durch viele Wagen zu einer einzigen geöffneten Tür gelangen müssen? Wer verliert, wenn sich Hunderte von Menschen an dieser Treppe drängeln, wie wird Panik verhindert, wie sie bei der Love Parade in Duisburg zu vielen Toten geführt hat?
Keine falschen Kompromisse bei Sicherheitsthema
Die Forderungen nach barrierefreien Fluchtwegen hatte das Rechtsamt der Verkehrsbehörde 2013 abgelehnt: „Die Fluchtwege auf Bahngelände können wegen der Gleise nicht barrierefrei sein. Sie müssen dies allerdings auch nicht.“
Rotschuh: „Die Aussage bedeutet in ihrer Konsequenz, dass nicht gehfähige Menschen kaum Chancen auf Flucht und Rettung haben.“ Die Verantwortung für die Gefahrenabwehr, den Brandschutz und den Katastrophenschutz liegt bei der Stadt. Vor einer eventuellen Freigabe der neuen Reichsstraße muss gründlich geprüft werden, ob alles Notwendige für die Sicherheit auf der neuen Doppeltrasse von Bahn und Schnellstraße getan ist. „Gibt es Sicherheit nicht nur für die, die fit sind, sondern auch für die alten und ganz jungen, die gehbehinderten, die beeinträchtigten, die langsamen Menschen?“, fragt Michael Rotschuh.
„In einer Großübung könnte die Flucht von 1.000 Menschen aus dem Gleisbereich geprobt werden. Beim Sicherheitsthema darf man keine falschen Kompromisse eingehen.
Vielleicht muss das Konzept und die Infrastruktur für die Notfälle vor einer Freigabe der Straße nachgebessert werden, das ist bei dem Wilhelmsburg nicht anders als beim Berliner Flughafen.“

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