Erzbischof Stefan Heße, hier bei einem Besuch an der Katholischen Schule Harburg, wird im September über die Zukunft der Schule entscheiden. Foto: schommer
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Wenig Hoffnung auf ein Weiterbestehen der Schule –
Erzbischof entscheidet im September – Schüler sammeln weiter Spenden

Olaf Zimmermann, HARBURG.
Seit 150 Jahren gibt es in Harburg eine Katholische Schule (KSH). Doch jetzt scheinen die Tage dieser Privatschule gezählt. Im September wird das Erzbistum Hamburg verkünden, ob die KSH weitergeführt wird. „Ich habe wenig Hoffnung“, meint Peter Meinke, Diakon im Ruhestand der Harburger St. Maria-St. Joseph-Gemeinde. „Das Erzbistum spielt nicht mit offenen Karten. Vermutlich ist die Schließung längst beschlossene Sache.“
Hintergrund: Das finanziell in Schieflage geratene Erzbistum muss sparen. Deshalb werden sechs der 21 Katholischen Schulen geschlossen, darunter die Katholische Schule Neugraben und das Niels-Stensen-Gymnasium. Der Katholischen Schule Harburg und der Sophienschule wurde eine Gnadenfrist bis Januar 2020 eingeräumt.
Wie viel Geld wird konkret für die Erhaltung der KSH benötigt? Vor einigen Monaten waren laut Erzbistum 15,4 Millionen Euro erforderlich, jetzt ist der Bedarf gestiegen. Um in den Räumen des Niels-Stensen-Gymnasiums eine Grund- und Stadtteilschule aufzubauen, belaufen sich die Investitionen auf „mehr als 20 Millionen Euro“, teilt Christoph Schommer, Sprecher des Erzbistums, mit.

In einigen
Jahren hat das Erzbistum keine Schulden, aber auch keine Gläubigen mehr.
Peter Meinke,
Diakon im Ruhestand

Gibt es finanzielle Unterstützung für die Katholische Schule Harburg von Stellen innerhalb der katholischen Kirche? Von finanzstärkeren Bistümern oder gar aus Rom? Bislang zumindest offenbar nicht. Christoph Schommer: „Das Erzbistum Hamburg befindet sich derzeit in Gesprächen, um alle Möglichkeiten zu prüfen.“
Die Spendensammlung in Harburg läuft auf Hochtouren. Mehr als 60.000 Euro kamen bereits zusammen. „Wir hoffen, dass dieses Geld unserem Erzbischof Heße endgültig zeigt, dass für die Vielfalt der Schullandschaft diese Schule bestehen bleiben muss“, sagt Daria Wolf (Pfarrgemeinderat St. Maria-St. Joseph).
Von der Millionenspende, über die sich die Sophienschule freuen darf, kommt kein Euro in Harburg an. Die Spende ist zweckgebunden für die Sophienschule.
Wie geht es jetzt weiter? Im September beschäftigt sich der Wirtschaftsrat des Erzbistums mit der Katholischen Schule Harburg, mit dessen Entwicklungsmöglichkeiten, mit dem standortgebundenen Spendenpotenzial – und gibt eine Empfehlung, auf deren Grundlage der Erzbischof eine Entscheidung treffen wird.
„Das Erzbistum hat ein klares Ziel: Erhalt und Weiterentwicklung der Katholischen Schule Harburg“, so Schommer. „Sollte dies nicht gelingen, werden alle Grund- und Stadtteilschüler trotzdem an dieser Schule ihren Schulabschluss machen können.“
Der ehemalige Polizei-, Notfall- und Flughafenseelsorger Peter Meinke, seit 1961 Mitglied der Gemeinde St. Maria-St. Joseph, nimmt kein Blatt vor den Mund: „In einigen Jahren hat das Erzbistum keine Schulden, aber auch keine Gläubigen mehr.“
Trotz der ungewissen Aussichten sammeln die KSH-Schüler  weiter Spenden. Am Freitag, 30. August, findet in der St- Maria Kirche am Museumsplatz von 9 bis 15 Uhr ein Song-Marathon statt. Jedes Kind sucht für jedes gesungene Lied Sponsoren.

Zahlen
Derzeit besuchen 531 Schüler die Katholische Schule Harburg: 21 Vorschüler, 232 Grundschüler sowie 278 Stadtteilschüler.
Im August wurden 53 Erstklässler eingeschult, 2018/19 waren es 54, 2017/2018 noch 73. Das Schulgeld liegt, abhängig vom Familieneinkommen, zwischen zehn und 100 Euro. „Das Erzbistum ist der günstigste Privatschulträger in Hamburg“, sagt Christoph Schommer (Erzbistum Hamburg, Sprecher Schulen).

1 KOMMENTAR

  1. Also bei 20 Millionen Investitionsbedarf sehe ich keine Zukunft. Müssen diese Investitionen wirklich sein? Derzeit schwimmt die Stadt Hamburg Dank hoher Steuereinnahmen im Geld. Da kann kein privater Träger mithalten. Die katholische Kirche in Hamburg ist vergleichsweise arm, kämpft mit Kirchenaustritten und hat jahrelang über die eigenen Verhältnisse gelebt. Sich an Stadtteilschulen zu orientieren, ist aus meiner Sicht irrig. Wenn den Verantwortlichen wirklich an der Weitergabe des Glaubens gelegen ist, müssen sie das katholische Profil schärfen und dürfen sich nicht von den tollen Neubauten staatlicher Schulen blenden lassen.

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