Der Ehestorfer Heuweg ist ab Höhe „Sennhütte“ bis Ende September voll gesperrt. Foto: pr
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Untergrund ist nicht stabil genug – Behörden überrascht

Wolfgang Wittenburg, SÜDERELBE.
Damit hatte niemand gerechnet. Der Ehestorfer Heuweg, die wichtige Verbindung zwischen Neugraben und dem Landkreis Harburg, ist komplett gesperrt – voraussichtlich bis zum 28. September. Ursprünglich war die Sperrung für Dezember angekündigt, aber der instabile Untergrund machte eine kurzfristige Vollsperrung erforderlich.
Dabei hatten die Planer im Vorfeld auf der 1,96 Kilometer langen Strecke zwischen den Seitenstraßen Wulmsberg und Hohlredder – um den Untergrund zu testen – insgesamt 15 Bohrungen gemacht. Nun kam auf einem 200 Meter Abschnitt eine böse Überraschung ans Tageslicht: Unter einer Betonschicht kurz vor der Landesgrenze zu Niedersachsen sind Reste von Braunkohle, Hochofenschlacke und unerwartete Leitungen im Erdreich aufgetaucht.
Das bedeutet: Der Untergrund ist für die geplante einfache Fahrbahndecken-Erneuerung zu unsicher. Jetzt ist ein deutlich aufwändigerer „Vollausbau“ erforderlich. Damit ist der Zeitplan für die seit März laufenden Bauarbeiten zur Erneuerung von Entwässerung, Rad- und Fußwegen und Fahrbahnen komplett hinfällig. Baufirmen können den Termin nicht einfach verschieben, haben meist Folge-Aufträge. Für die Stadt Hamburg werden die Arbeiten deutlich teurer und dauern länger.

15
Bohrungen
zur Unter-
suchung des Untergrunds
waren durchgeführt worden

Auch die ursprünglich für Dezember geplante Vollsperrung ist vom Tisch. Stattdessen muss der Ehestorfer Heuweg wahrscheinlich im ersten Quartal 2020 zweimal für ein Wochen-ende von Freitag bis Sonntag für den Verkehr dicht gemacht werden.
Zwischen 7.000 und 11.000 Kraftfahrzeuge passieren die Straße werktags, Pendler müssen jetzt lange Umwege in Kauf nehmen. Anlieger können ihre Grundstücke schlecht erreichen.
Anwohner monierten auch schon das langsame Tempo der Arbeiten. Warum wird nicht – wie angekündigt – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet? „Es gibt keine Arbeitskräfte dafür“, ist Ortspolitikerin Beate Pohlmann „zu Ohren gekommen“.
Bis zur Hamburger Wirtschafts- und Verkehrsbehörde sind diese Probleme nicht durchgedrungen: Sprecherin Susanne Meinecke teilte mit, dass „die Beschwerdelage über die Baustelle sehr überschaubar ist.“ Man habe Infoblätter an die Anwohner verteilt, auf denen vier Telefonnummern ständen. Unter denen könnten Fragen gestellt und Beobachtungen gemeldet werden.
Der zweite, südliche Bauabschnitt bis zur B73 ist weiter in der Planung und soll im Herbst bei einer Info-Veranstaltung öffentlich erörtert werden, kündigt Meinecke an.

Das sagen die Anwohner
Uwe Hansen, Journalist: Das ist ein Skandal! Jedes Schulkind weiß, dass hier ein Bergwerk und ein Stollen waren. Es wurden zu wenig Bohrungen gemacht, weil Dilettanten am Werk sind. Wenn Pflegedienste den Kunden wegen der Verkehrsumstände kündigen, ältere Menschen darauf aber angewiesen sind, dann stimmt etwas im Lande gewaltig nicht!

Wibke Bein-Wierzbinski, Erziehungswissenschaftlerin: Mich trifft diese Vollsperrung doppelt, als Mutter und Unternehmerin. Für mich ist es unglaublich schwer zu verstehen, dass man erst jetzt diesen Dämpfer verpasst bekommt. Ich schlage vor, die Schule sollte sich mal in einer Projektgruppe damit befassen, was so eine Baustelle für die Umwelt bedeutet.

Kurt Staudt, Pensionär: Wir sind auf Krawall gebürstet! Wie kann man eine Straße so kurzfristig komplett sperren? Was ist mit den Zusagen? Es gibt hier einige ältere Anwohner, die auf Pflegedienste angewiesen sind, die können so schnell gar nicht reagieren. Neben dem großen Ärgernis ist das für mich aber auch eine Gelegenheit, Nachbarn zu treffen.

Marlies Hartung, Lehrerin: Begeistert bin ich absolut nicht! Mit der Einbahnstraßen-
Regelung ging es noch, nun aber werde ich auf der anderen Seite der Sperrung parken müssen. So habe ich einen längeren Weg zu Fuß, auf dem ich meine schwere Tasche und andere Unterrichtsmaterialien zu tragen habe. Aber das muss wohl alles so sein.

Julian Dierks, Gruppenleiter Elbe-Werkstätten: Diese Vollsperrung bedeutet für uns persönlich: Wir werden früher aufstehen müssen. Wir müssen mehr Zeit für den längeren Fahrtweg einplanen, und dazu kommt der nicht zu unterschätzende finanzielle Mehraufwand fürs Benzin. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Bauplanung solche Auswirkungen auf unsere Familie hat.

 

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