Liane Melzer bei einem Interview in der Redaktion des Elbe Wochenblatts im Januar 2016. Foto: archiv/cv
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M. Greulich, Altona

In diesem Büro führte einst Max Brauer die Amtsgeschäfte der Stadt Altona, später nahmen einige Bezirksamtsleiter hinter dem imposanten Schreibtisch Platz. Liane Melzer ist die erste Frau, die aus dem Amtszimmer im Altonaer Rathaus die Geschicke des Bezirks lenkt. „Nach fast 100 Jahren Frauenwahlrecht war das mal an der Zeit“, sagt Melzer. Nach fast sechs Jahren endet die Amtszeit der 66-jährigen Juristin am 31. August aus Altersgründen.

In einem Hintergrundgespräch mit Journalisten erinnerte sich Melzer in eben diesem Büro an den Start ihrer Amtszeit, die 2013 ein Jahr vor der 350-Jahr-Feier Altonas begann. „Das war beeindruckend“, so Melzer. Die in der Geschichte der Stadt praktizierte Glaubensfreiheit machte sie sich durchaus zum Vorbild, was Toleranz betrifft.

Es gab und gibt Bezirksamtsleiter, die als Macher inszenieren und öffentlichkeitswirksam auf den Tisch hauen. Liane Melzer agiert zurückhaltender, „hanseatischer“, wie es der Kollege vom NDR formulierte. Doch wenn es darum ging, Altonaer Interessen gegen Forderungen aus dem Senat zu verteidigen, staunten einige über ihre Hartnäckigkeit.

Gesprächen mit den oft sehr selbstbewusst auftretenden Bürgern des Bezirks ist die gute Zuhörerin nie ausgewichen. Als im Herbst 2015 viele Flüchtlinge ankamen, nahm sie an einigen Veranstaltungen teil, in denen auch Gegner der geplanten Unterkünfte in Rissen Kritik übten. „Das war ziemlich heftig, es gab große Ängste. Gleichzeitig aber auch eine enorme Hilfsbereitschaft und große Offenheit.“

Der Beschluss, den langen Deckel bis nach Othmarschen zu bauen, nennt Liane Melzer die schönste Entscheidung während ihrer Amtszeit. Der „Altonaer Konsens“ unter den selbstbewusst auftretenden Abgeordneten der Bezirksversammlung war eine wichtige Voraussetzung.

„Tief getroffen“ hat sie hingegen der Tod des einjährigen Tayler, der von seinem Stiefvater so heftig geschüttelt wurde, dass er verstarb. In der Folge wurden freie Stellen im allgemeinen sozialen Dienst, der sich um Taylers Familie gekümmert hatte, neu besetzt. Ebenfalls eine sehr traurige Situation war der Tod eines Bezirksamtsmitarbeiters im Zuführdienst, der im Dezember 2018 durch einen Brandanschlag eines psychisch Kranken starb.

Ein Auseinanderdriften der Stadtteile des Bezirks befürchtet Melzer nicht. Im Gegenteil: Die Sozialdemokratin findet, dass der „Drittelmix“ beim Wohnungsbau dazu führe, dass die Stadtteile näher zusammengerückt seien. Für eine bessere Durchmischung der Bevölkerung helfe es, dass im sozial schwächeren Lurup Eigentums- und im reicheren Rissen Sozialwohnungen entstanden seien.

Für ihren ab September beginnenden Ruhestand freut sich Liane Melzer auf Theater- und Konzertbesuche. „Ich habe nicht den Eindruck, dass mir langweilig werden wird“, sagt sie.

Liane Melzer
wurde am 6. Juni 2013 zur ersten weiblichen Bezirksamtsleiterin in Altona gewählt. Sie erhielt als Kandidatin von SPD und Grünen 29 von 50 Stimmen in der Bezirksversammlung. Bis 2008 war sie Sozialdezernentin in Altona, ehe sie für fünf Jahre als Senatorin nach Rostock ging.
Während ihres Jurastudiums in Hamburg war noch nicht abzusehen gewesen, dass sie einmal Verwaltungschefin für 260.000 Altonaer werden würde. In Genf und Paris hatte die gebürtige Aschaffenburgerin Geschmack an der Arbeit im Ausland gefunden – vor allem in Paris, wo sie eine Referendariatsstation bei einer linken Gewerkschaftsjuristin absolvierte.

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