Einfahrt zum Innenhof der Sillemstraße 48: Der selbst geschaffene „Künstlerhof“ ist von außen her kaum zu erahnen. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Eimsbüttel

Im Fall des vom Abriss bedrohten Gewerbehofs in der Sillemstraße (das Elbe Wochenblatt berichtete) hat sich nun noch einmal die Lokalpolitik zu Wort gemeldet. „Für uns als Grüne ist es wichtig, dass wir Künstler und Kreative in Hamburg halten, und dass wir dafür Räume und Flächen reservieren – auch in gefragten Wohngebieten wie Eimsbüttel“, sagt Stefanie Könnecke (Grüne Eimsbüttel).

Der angesprochene Hinterhof mit etwa 1.000 Quadratmetern Innen- plus Außenfläche wird derzeit – noch – von zwei Parteien genutzt: Eine muss im nächsten Jahr ausziehen, weil der gewerbliche Mietvertrag abläuft. Der zweite endet zwar erst einige Jahre später, allerdings fürchten die Nutzer und Bewohner, durch Baulärm vertrieben zu werden – falls zum Beispiel schon jetzt mit einem Teilabriss begonnen wird.
Zusammen mit der SPD hatten sich die Grünen in der abgelaufenen Legislaturperiode für den Erhalt des sogenannten „Künstlerhof“ eingesetzt.

„In Zeiten von Wohnungsnot und steigenden Mieten sind diese Kulturoasen inzwischen bedroht“, heißt es in der bezirklichen Drucksache vom Mai 2019. Heute seien diese Hinterhöfe gerade in den dichtbesiedelten Quartieren ein wichtiges Kapital für Investoren und Grundbesitzer, denn hier könne man gewinnbringend Wohnungsbau betreiben. „Im Gegensatz zu Wohnimmobilien, die inzwischen von der Sozialen Erhaltensverordnung geschützt werden, gibt es jedoch im Gewerberecht keine vergleichbaren Schutzinstrumente für Künstlergemeinschaften.“

Der Antrag fordert die Stadt Hamburg dazu auf, „Künstlergemeinschaften bei einem drohenden Immobilienverkauf zu schützen, indem die entsprechenden Flächen durch die Stadt aufgekauft werden“. Im weiteren Verlauf der Diskussion machten sich auch CDU und Linke für das Projekt stark und sprachen sich für einen Runden Tisch mit den Beteiligten aus. Weiterhin wurde der Senat aufgefordert, die betroffene Grundstücksfläche aus dem Wohnungsbau herauszunehmen – der nötige Bauvorbescheid für 27 Wohnungen liegt bereits seit vergangenem Jahr vor.

Die Verwaltung des Grundstücks weist noch einmal darauf hin, dass der Mietpreis über die Jahre extrem günstig geblieben sei. Bloß von einem „Künstlerhof“ oder einer „Künstlerkolonie“ (alle erwachsenen Bewohner sind künstlerisch-kreativ tätig) will man dort nichts wissen. „Das ist ein alter, maroder Gewerbehof – nichts weiter“, so die Meinung der Grundstücksverwaltung.

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