Till Haupt, Meike Schrader und Nadine Faulhaber (re.) leben und arbeiten auf dem Gewerbehof in der Sillemstraße 48. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Eimsbüttel
Im Innenhof der Sillemstraße 48 wachsen Apfel-, Birn- und Kirschbäume. Die Bewohner haben ein Hochbeet mit Tomaten, Zucchini und allerlei Kräutern angelegt. Für Kinder stehen Sandkasten und Spielhaus zur Verfügung, eine gemütliche Sitzecke unter Sonnenschirmen lädt zum Verweilen ein. Der Eindruck ist: Hier hat sich jemand richtig Mühe gegeben, sein Heim wohnlich zu gestalten.

Doch das Idyll mitten im Herzen von Eimsbüttel ist akut bedroht: Der Besitzer möchte die fast 100 Jahre alten Gebäude abreißen und Neubauten errichten lassen. „Das hat uns ganz schön durchgerüttelt“, sagt Nadine Faulhaber, Bewohnerin und Mutter zweier Söhne im Alter von neun und 13 Jahren. Seit zehn Jahren lebt die vierköpfige Familie in dem Gebäude, das vor Urzeiten mal eine Post war. Die fast 1.000 Quadratmeter Wohnfläche teilen sie sich mit einer Ateliergemeinschaft und einer Kunstsammlung.

Das Problem: Ein Wohnraummietvertrag wurde nie abgeschlossen – die Vereinbarung gilt lediglich für „Gewerbe mit Wohnmöglichkeit“. Der Vertrag von Nadine Faulhaber, Inhaberin des Kreativunternehmens Tusche Tiger, läuft zwar erst in sieben Jahren aus, doch die anderen Mietparteien haben bereits begonnen, ihre Sachen zu packen: Dazu gehören eine Kunstsammlung und die Ateliergemeinschaft 2½ von Künstler und Gängeviertel-Vorstand Till Haupt, der seine Zelte laut Vertrag spätestens im März 2020 abbrechen muss. Allerdings legen die Bewohner wert darauf, dass es ihnen gar nicht so sehr nur um ihr eigenes Schicksal gehe. „Die persönlichen Auswirkungen könnte man vielleicht verschmerzen“, sagt Haupt. „Aber ich frage mich, warum ein über viele Jahre gewachsener Künstlerhof mal wieder dem Wohnungbau geopfert werden muss. Es ist ein falsches Zeichen, das hier gesetzt wird!“

Bezirksversammlung
will den Hof erhalten

Mit der Bezeichnung „Künstlerhof“ kann Grundstücksverwalter André Ewert nichts anfangen. „Es handelt sich um eine alte Gewerbefläche – nicht mehr und auch nicht weniger“, sagt Ewert. Die Gebäude seien marode und hätten ihre maximale Nutzungsdauer erreicht. „Da sind Neubaupläne nichts Unübliches.“ Auf 27 Wohneinheiten lautet der Bauvorbescheid des Bezirksamts Eimsbüttel. Die Bezirksversammlung hatte sich allerdings im vergangenen Jahr einhellig für den Erhalt des Ensembles ausgesprochen. Seit Kurzem liegt dem Senat eine Empfehlung zur Nutzung des Vorkaufsrechts vor.

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