Mit seinem Gasspür-Gerät und einem Tablet-PC ausgerüstet, macht sich der Gasspürer auf den Weg durch die Straßen in Lurup. Foto: pr
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Ch. v. Savigny, Hamburg-West
In Lurup ist der Gasspürer unterwegs. Bis Oktober prüft er insgesamt 130 Kilometer der in der Erde verlegten Gasleitungen auf ihre Dichtigkeit. Der Gasspürer muss sehr gut zu Fuß sein, da er die Leitungen abläuft. Ein Tablet-PC zeigt ihm dabei die genaue Lage der Leitungen an. Einsatzleiter Stefan Kretschmer von Gasnetz Hamburg sagt: „Pro Saison kommt ein Gasspürer auf bis zu 700 Kilometer Fußweg. Das ist in etwa die Strecke von Hamburg nach Ingolstadt.“
Die sensible Spürnase steckt in dem Hightech-Gerät, das der Gasspürer mit sich trägt. Die Messsonde sieht aus wie ein Metalldetektor auf Rollen und saugt die Luft direkt über dem Boden an. Das Gasspürgerät auf dem Rücken des Spezialisten – man könnte es für einen Rucksack halten – schlägt schon bei der kleinsten Menge Gas in der Luft sofort an.
Seine elektronische „Nase“ misst im ppm-Bereich (parts per million). Besteht also unter einer Million Luftpartikeln nur ein einziger aus Gas, schlägt der elektronische Riecher an.

Mit seiner Sonde, die er an einem langen Handgriff über den Boden führt, sieht Stephan Albers ein bisschen so aus wie ein Schatzsucher. Doch der Mann mit der grauen Arbeitshose und der orangeroten Warnweste ist nicht auf der Suche nach Gold und auch nicht nach anderen wertvollen Metallen: Albers arbeitet als „Gasspürer“ bei der Gasnetz GmbH – dem Unternehmen, das sich um die insgesamt 7.900 Kilometer an Erdgasleitungen im Hamburger Boden kümmert.

Mit dem „Teppichwagen“ auf dem Gehsteig unterwegs

Albers sucht nach Lecks, nach winzigen Löchern in den Leitungen, über die das Gas entweichen könnte. Ungefähr so schnell wie ein langsamer Fußgänger gehen würde, schiebt der Gasspürer seine Sonde, den sogenannten „Teppichwagen“, über den Gehsteig. Es piept. „Falscher Alarm“, gibt Albers nach einem kurzen Augenblick bekannt. Nur ein abgestelltes Motorrad, dessen Benzinausdünstungen wohl noch nicht ganz verflogen waren. Superfein ist die „Nase“ der Messsonde, die die Luft über dem Erdboden absaugt. Das Gasspürgerät mit der Bezeichnung „EX-TEC HS 680“, das Albers auf dem Rücken trägt, schlägt an, sobald auch nur die kleinste Menge Gas in der Luft erkannt wird. Die Messung erfolgt im Parts-per-Million-Bereich („ppm“). „Bildlich gesprochen könnte das Gerät unter einer Million Tennisbällen den einen erkennen, der rot ist“, erläutert der Gasnetz-Mitarbeiter. Mal entdecken die Gasspürer ein Leck pro Woche, mal drei oder vier. „Das ist ganz unterschiedlich“, sagt Albers.

Etwa 160.000 Hamburger Haushalte sind an das Erdgasnetz angeschlossen. Damit werden vornehmlich Heizungen und Küchenherde betrieben. Der Endkunde bekommt immer Niederdruck-Gas, also etwa 60 bis 80 Millibar. Gewerbegebiete werden mit Mitteldruck (800 Millibar) versorgt. Lebensader der Gasversorgung ist jedoch die 1.000 Kilometer lange Hochdruckleitung (25 Bar), die sich ringförmig durch Hamburg zieht.

Erdgas besteht zu 95 Prozent aus Methan. Es ist nicht giftig, aber dafür leicht entflammbar. Zudem ist Methan völlig geruchlos. Damit die Betroffenen im Ernstfall rechtzeitig Alarm schlagen können, wird ein wenig Schwefel beigemengt. Das stinkt – nach Erdgas eben.

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