Zentrum des Archipels: die Barkasse „Lore“. Fotos: CVS
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WILHELMSBURG.
Das Archipel ist kein Ort für sportlich Ungeübte: Hier geht es eine Bordwand hinauf, dort wieder hinunter, manchmal muss man über eine Reling klettern oder einen größeren Schritt über offenes Wasser machen. Ganz am Ende des Veringkanals, gleich hinter der Honigfabrik, hat das vor vier Jahren gegründete Archipel (wörtlich „Inselgruppe“) festgemacht – laut eigener Homepage „eine Plattform für Selbstorganisation“.
Derzeit besteht es aus einer Schute, in deren urigem und leicht muffig riechendem Schiffsbauch mehrmals wöchentlich Konzerte über die Bühne gehen, einer fahrbaren Barkasse namens „Lore“ und der noch recht neuen, aus mehreren Pontons zusammengebauten „Urlaubsinsel“. Finn, einer der Initiatoren und ehemaliger Kunststudent, erläutert die Projektidee: „Wir möchten die Freifläche ‘Wasser’, die im Prinzip allen gehört, neu beleben. Das tun wir, indem wir Nachbarn und Anwohner zu uns einladen, zusammen lernen und uns austauschen.“
Das Kollektiv des Archipels besteht aus etwa 40 bis 50 – überwiegend jungen – Leuten, die aus ganz Europa (Deutschland, Frankreich, Italien) auf die Elbinsel gekommen sind. Auch Geflüchtete, etwa aus dem Senegal, sind darunter. Was sie eint, ist der Wille, etwas Kreatives zu schaffen.

Alles an Bord wurde mit viel Liebe zum Detail hergerichtet: So gibt es zum Beispiel auf der „Schute“ eine selbstgebaute Küche und eine Bibliothek. Für die „Urlaubsinsel“ wurden vier aus dem Schrott gerettete Pontons entrostet, gestrichen und miteinander verschweißt. Belegt sind sie mit 140 Jahre alten Fußbodendielen. Besonders bei gutem Wetter lädt die Ponton-Insel dazu ein, sich einfach mal lang zu machen. „Einige machen hier morgens Yoga“, berichtet Finn.
Gefördert wird das Archipel unter anderem von der Kulturbehörde, vom Bezirksamt Mitte sowie von einigen Stiftungen – dies allerdings nur projektweise. Es müssen also regelmäßig neue Anträge gestellt werden. Die Archipel-Aktivisten zahlen 4.000 Euro Liegepacht pro Jahr ans Bezirksamt. Weitere Infos unter

❱❱ www.dasarchipel.org

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