Kein billiges Vergnügen: HVV-Kunden müssen im bundesweiten Vergleich sehr viel bezahlen. Foto: mg

Der HVV will im Dezember weiter an der Preisschraube drehen. Geschäftsführer Lutz Aigner kündigte an, die Fahrpreise um 2,2 Prozent erhöhen zu wollen – die deutlichste Erhöhung seit 2015. Die Bürgerschaft muss dem Antrag noch zustimmen. Im Dezember 2018 waren die Preise für den öffentlichen Nahverkehr um 2,1 Prozent erhöht worden.

In die politische Landschaft scheint diese Preispolitik nicht recht zu passen: Der rot-grüne Senat will die Preise für Jahreskarten von Schülern und Auszubildenden senken. Die Bürgerschaft hat bereits beschlossen, dass Hamburger ab 63 ihre vergünstigten Abokarten (HVV-Seniorenkarte) zum Beginn des kommenden Jahres auch werktags zwischen 6 und 9 Uhr nutzen können. Die Hamburger SPD hatte auf ihrem Parteitag im Frühjahr den Beschluss gefasst, dass sich künftige Preiserhöhungen des HVV an der Inflationsrate orientieren sollen. Die geplante Erhöhung fällt insoweit bereits aus dem Rahmen, da die Verbraucherpreise in Deutschland im Jahr 2018 lediglich um 1,8 Prozent gestiegen sind.

Preisanstieg um
22,2 Prozent seit 2009

Opposition und Fahrgäste haben die angekündigte Erhöhung erwartungsgemäß heftig kritisiert. Nicht zuletzt weil in den vergangenen Jahren bereits kräftig an der Preisschraube gedreht wurde: 2009 kostete eine Einzelfahrkarte in die Innenstadt 2,70 Euro, zehn Jahre später muss der HVV-Kunde für diese Strecke 3,30 Euro bezahlen. Die Steigerung von 60 Cent mag sich nicht dramatisch anhören, doch sind die Fahrpreise sehr viel stärker als die übrigen Verbraucherpreise gestiegen. In zehn Jahren stieg der Verbraucherpreisindex um rund 13 Prozent, wären die Ticketpreise daran gekoppelt gewesen, würde eine Einzelfahrkarte 3,05 Euro kosten. Stattdessen erhöhte sich der Preis für das HVV-Ticket um mehr als 22,2 Prozent.

Damit steht Hamburg im bundesweiten Vergleich schlecht da. Das Portal Testberichte.de sieht Hamburg in einem Vergleich der Fahrpreise in deutschen Großstädten von 39 Städten auf Platz 34. Rostock kam auf Platz eins, Schlusslicht ist Lübeck. Bundesweit sind die 3,30 Euro übrigens einsame Spitze. Nirgendwo ist es teurer und ab Dezember müsste man bereits 3,40 Euro bezahlen. In anderen Verkehrsverbünden wurden übrigens Preissenkungen angekündigt.

 

Bürgermeister Tschentscher will Erhöhung begrenzen:
Gegenüber dem Elbe Wochenblatt sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zur geplanten Fahrpreserhöhung: „Mit dem Ausbau und der Verbesserung des Angebotes müssen wir den öffentlichen Nahverkehr in Zukunft stärker aus dem Haushalt finanzieren. Die Erhöhung von Löhnen und Energiepreisen wirkt sich stark auf die Kosten der Verkehrsunternehmen aus. Trotzdem wollen wir die Preissteigerung für die Kunden auf den Inflationsausgleich begrenzen.“ Heißt mit anderen Worten, dass es nach Willen des Bürgermeisters ab Dezember nur um 1,8 Prozent teurer wird. OZ

 

Mehreinnahmen:
Das Onlineportal nahverkehrhamburg.de hat eine eindrucksvolle Grafik veröffentlicht. Sie zeigt, wie sich seit 2003 die Fahrgeldeinnahmen (stiegen stark) von den Fahrpreisen (stiegen deutlich) und den Verbraucherpreisen (stiegen moderat) abgekoppelt haben.
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