Thomas Carroux (58) ist seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer der Nordischen Oelwerke in Wilhelmsburg. Foto: cvs
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Nordische Oelwerke kündigen für Ende September
Umstellung der Produktion an

Von Ch.v.Savigny. WILHELMSBURG.
Die Nordischen Oelwerke (NOW) gehen neue Wege: Ende September will der Betrieb in der Industriestraße die Fettsäuredestillation – seit Jahrzehnten einer der Hauptpfeiler des Firmengeschäfts – komplett einstellen. Stattdessen wird die Produktion von Glyzerin deutlich ausgebaut. Hintergrund ist laut Firmenangaben der zurückgehende Bedarf an destillierten Fettsäuren: So hätten etwa Farben- und Lackhersteller – bislang einer der Hauptabnehmer der NOW – in den vergangenen Jahren immer mehr auf wasserbasierte Produkte umgestellt.
Ein weiterer Grund für die Neuausrichtung ist die massive Geruchsentwicklung, über die sich Anwohner in der Vergangenheit regelmäßig beschwert hatten. Zwar verarbeitet die Firma laut Geschäftsführer Thomas Carroux (58) seit zehn Jahren keine tierischen Fette mehr – doch ihren wenig schmeichelhaften Spitznamen „Katzenkocherei“ wird sie trotzdem nicht los.

Ich beschwere mich wöchentlich bei der Behörde. Mein Eindruck ist: Ich werde  hingehalten
Cinzia Appl,
Anwohnerin

Anwohnerin Cinzia Appl hatte 2015 eine Internet-Petition zum Thema gestartet. „Es hat sich wenig bis gar nichts geändert“, berichtet sie heute. Immer mal wieder zögen Gerüche durch das Reiherstiegviertel, die an Bierschinken und vergammelten Kohl erinnerten. „Besonders bei tiefhängenden Wolken finde ich es extrem“, so Appl. „Auch die Nachbarn leiden darunter. Ich beschwere mich wöchentlich bei der Behörde. Mein Eindruck ist: Ich werde hingehalten.“
Bereits 2012 hatte die Umweltbehörde eine Reduzierung der Emissionsbelastung angemahnt. Zu den auferlegten Maßnahmen, die bis 2017 umgesetzt werden sollten, gehörten eine Tankfeld-Sanierung, die Modernisierung der thermischen Fettspaltung und Optimierung der Abwasseranlage.
Diese Dinge sind nach Auskunft des NOW-Geschäftsführers inzwischen umgesetzt worden. „Wir haben viel Geld investiert“, erklärt Thomas Carroux. In der zweiten Septemberhälfte will die Firma ihre nicht mehr benötigten Fettsäuretanks abreißen lassen. „Dabei können über einen Zeitraum von drei bis vier Tagen hinweg nochmal verstärkt Gerüche auftreten“, informiert der NOW-Chef. Den Ärger der Anwohner kann er verstehen. „Das mit dem Gestank soll keine unendliche Geschichte werden“, verspricht Carroux.
„Die Produktionsumstellung ist ein gutes Zeichen“, sagt der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich (SPD). „Es deutet darauf hin, dass die NOW verstanden haben, dass sie so nicht weiterarbeiten können. Auch im Zusammenhang mit dem Kulturkanal hat sich die Firma bereits sehr kooperativ gezeigt.“

Hintergrund

Die Nordischen Oelwerke (NOW) wurden im Jahr 1921 von Walther Carroux gegründet. Seit 1934 befinden sie sich in der Industriestraße in Wilhelmsburg. Laut Homepage stellt die Firma destillierte Fettsäuren, pflanzliche Öle sowie Glyzerin her. Die Fettsäure-Destillation soll im Herbst eingestellt werden – dafür wird der Produktionszweig der Glyzerinherstellung ausgebaut. Die Endprodukte der NOW findet man als Grundstoffe in Kosmetika, Lebensmitteln, Tabak, Pharmaka, Harzen, Farben, Lacken und Gummiprodukten.
Die Maschinen des Wilhelmsburger Industriebetriebs laufen rund um die Uhr – 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche. Derzeit hat die Firma rund 30 Mitarbeiter. Diese Zahl soll auch nach der Produktionsumstellung konstant bleiben. Die NOW sind einer der Hauptlieferanten von industrieller Abwärme an den Energiebunker.

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