Weil sie keine Wohnung findet, muss Zeyneb K. – ihr Gesicht möchte sie nicht zeigen – in einer Flüchtlingsunterkunft wohnen. Foto: sl

Trotz eines Dringlichkeitsscheins ist Zeynep K. seit Monaten auf der Suche

Von Sabine Langner. HARBURG.
Zeyneb K. (Name von der Redaktion geändert) weiß nicht mehr weiter: Seit Ok-tober letzten Jahres sucht die 28-Jährige für sich und ihre sechsjährige Tochter eine Wohnung – ohne Erfolg. Bei rund 100 Wohnungsbesichtigungen hat die junge Frau schon einen Fragebogen ausgefüllt. Jetzt ist sie notgedrungen in ein Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Neugraben gezogen und dort todunglücklich.
Was ist passiert? Zeyneb kommt aus einer kleinen Stadt in Zentralanatolien. Ihr Vater hat einen Ehemann für sie gefunden. „Ich dachte, wenn ich verheiratet bin, habe ich die Chance auf ein eigenes Leben. Mit meinem Vater habe ich mich nicht so gut verstanden“, berichtet die junge Frau. Ihrem Mann folgte Zeyneb vor acht Jahren nach Hamburg. Tochter Ayla kam zwei Jahre später zur Welt. Zeyneb besuchte Deutschkurse, machte einen Führerschein und lernte in Rekordzeit so gut Deutsch, dass sie hier einen Schulabschluss schaffte und eine Ausbildung als Friseurin startete. Die Ausbildung hat sie inzwischen beendet, als Klassenbeste. Als Gesellin wurde sie sofort mit einem unbefristeten Vertrag übernommen.
Der einzige, der sich nicht über diese Entwicklung freut, ist der Ehemann. In krumme Geschäfte verwickelt, saß er im letzten halben Jahr im Gefängnis. Jetzt ist er wieder auf freiem Fuß, „aber wir können nicht mehr zusammen leben“, sagt Zeyneb. „Wir streiten nur. Ich will, dass meine Tochter eine Chance auf ein gutes Leben hat, und ich möchte gern noch eine Meisterausbildung anhängen. Das geht nicht zusammen mit meinem Mann.“
Also packte Zeyneb kurzerhand die nötigsten Sachen zusammen, als der Ehemann aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Es gibt zwar einen Dringlichkeitsschein vom Wohnungsamt, aber mehr kann die Behörde nicht unternehmen. „Auch mit einem Dringlichkeitsschein muss die Frau selbständig nach einer Wohnung suchen“, sagt Dennis Imhäuser, Pressesprecher des Bezirksamtes. In ein Frauenhaus kann Zeyneb auch nicht ziehen, weil der Ehemann keine Gewalt gegen sie anwendet. Zeyneb hofft jetzt auf ein Wunder.
Inzwischen wird Zeyneb von ihrer Chefin zu den Wohnungsbesichtigungen begleitet, in der Hoffnung, dass es auf Vermieter Eindruck macht, wenn eine deutsche, erfolgreiche Geschäftsfrau für Zeyneb und Ayla bürgt – bisher ohne Erfolg.

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